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Rechtsextreme Influencerinnen : Das nette Nazi-Mädchen von nebenan

Die Ästhetik von rechtsextremen Influencerinnen passt in die heile Instagram-Welt aus modisch gekleideten Menschen, Tierjungen und Traumstränden. (Symbolfoto) Bild: dpa

Rechtsextreme Influencerinnen suchen in den sozialen Medien nach Anhängern. Mit Frisurentipps, Backrezepten und Aufnahmen vor grünen Landschaften wirken sie zunächst unverfänglich – doch der Schein trügt. Eine Recherche.

          7 Min.

          Vogelzwitschern mischt sich unter Klavierklänge, während Leni in einem geblümten Kleid durch ein Feld voller Mohnblumen geht. „Hallo, ihr Lieben, willkommen zurück auf meinem Kanal“, sagt sie wenige Sekunden später nach diesem Prolog zu ihrem Video. Im Schneidersitz sitzt sie auf einem Bett, im Hintergrund hängen Fotos an einer Lichterkette, eine Zimmerpflanze rankt von einem Regal. Auf ihren Social-Media-Kanälen spricht Leni darüber, wie sie ihre langen blonden Haare frisiert, teilt Backtipps und präsentiert ihre neuesten Mode-Fundstücke. Leni ist eine Influencerin wie jede andere – aber nicht nur. Wegen dem „Nicht nur“ und um ihr nicht zu Popularität zu verhelfen, heißt die junge Studentin in diesem Text „Leni“. Ein User kommentiert, Lenis Inhalte würden an Götz Kubitschek erinnern, an einen politischen Aktivisten der Neuen Rechten: „so vertraut, so souverän“. Ein anderer schreibt: „Glückwunsch zum Bachelor – Bist du eigentlich noch in der Identitären Bewegung Dresden aktiv?“

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Oft trägt Leni ihr blondes Haar zu zwei strengen Zöpfen geflochten, ihre Lippen hat sie zartrosa geschminkt. Unter ihren Fotos schreibt sie über ihre Definition von Weiblichkeit, ihre Verbundenheit zur deutschen Heimat und diskutiert darüber, ob eine „traditionelle Frau“ studieren darf. Das, was Leni in den sozialen Medien und vor allem auf Instagram macht, nennt sie ihr „Projekt“. Ein Projekt, das, ästhetisch betrachtet, in die heile Instagram-Welt aus modisch gekleideten Menschen, Tierjungen und Traumstränden passt. Aber auch ein Projekt, das mehrmals von Martin Sellner angepriesen wurde, dem Kopf der Identitären Bewegung (IB). Laut Verfassungsschutz ist die IB Deutschland eine „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ und vertritt einen völkischen Staatsvolk-Begriff, der dem Grundgesetz widerspricht. Leni trat in der Vergangenheit für die Gruppierung als Referentin auf, zierte die erste Reihe ihrer Aufmärsche und stellte sich auf der Suche nach jungen Rekruten mit einem Plakat in die Nähe der Universität in Bonn. 2017 hatten Dutzende Identitäre versucht, in das Berliner Justizministerium einzudringen, und blockierten das Gebäude nach ihrem Scheitern – Leni lächelte auf den Fotos der Aktion.

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