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Raumfahrt : Wir müssen drunten bleiben

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Dabei hatte alles am 12. April 1981 in einem nahezu euphorischen Taumel begonnen. Pünktlich um sieben Uhr zündeten damals auf der Startrampe 39A des Cape Canaveral die drei Haupttriebwerke der Columbia. John Young und Robert Crippen hoben zum Jungfernflug der Shuttle-Flotte ab. Young galt damals als erfahrenster Astronaut der Nasa überhaupt. Er war schon in Geminikapseln geflogen und mit Apollo 16 auf dem Mond gelandet. Crippen unternahm seinen Erstflug. Der Start der Columbia stellte alles in den Schatten, was vorher war. Der Space Shuttle sah eher aus wie ein Flugzeug als eine Rakete. Sein riesiger Außentank erinnerte mehr an einen Getreidesilo als an die aerodynamischen Pfeilspitzen, die bisher in den Weltraum abgehoben hatten. Und selbst den Starttermin hatten die Chefs der Nasa bewusst gewählt. Er fand genau 20 Jahre nach jenem Tag statt, an dem der russische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch überhaupt die Erde umrundet und das amerikanische Raumfahrtprogramm bloßgestellt hatte. Ins Kalendarium der Raumfahrt sollte der 12. April als Beginn einer neuen, von Amerikanern dominierten Ära eingehen.

Erste Zweifel an den Space Shuttles kamen auf

Wenn schon der Start damals außergewöhnlich war - die Landung war es erst recht. Am 14. April 1981 wartete kein Flugzeugträger im Pazifik auf eine kleine Kapsel, die irgendwo, an rotweißen Fallschirmen hängend, in der endlosen Wasserwüste aufschlug. Stattdessen steuerte Young die Columbia als überschallschnelles Segelflugzeug durch die Atmosphäre und setzte das Gefährt auf Landebahn 23 des Fliegerhorstes Edwards in der kalifornischen Mojavewüste auf. Dass er dabei 1800 Meter von dem vorgesehenen Landepunkt entfernt auftraf, tat dem Jubel keinen Abbruch. Zum ersten Mal waren Astronauten mit ihrem vollständigen Vehikel zur Erde zurückgekehrt. Kaum waren die Helden ausgestiegen, wurde die Columbia schon für ihren nächsten Start vorbereitet.

Tatsächlich ging es danach Schlag auf Schlag. Es schien, als würden die Shuttle-Flüge bald ähnlich zur Routine werden wie die Überschallflüge der Concorde. Aber schon bald wurde der Nasa und dem Pentagon klar, dass die Flüge der Raumfähren nicht alltäglich waren. Viele Komponenten der Raumtransporter, darunter auch die Triebwerke und deren Steuerung, stellten die Grenze des technisch Möglichen dar. Bei jedem Flug wurden die Teile bis aufs Äußerste beansprucht und mussten viel öfter als vorgesehen repariert oder ersetzt werden. Die ersten Zweifel an den Space Shuttles kamen auf.

Dann kam der 28. Januar 1986: Sieben Raumfahrer hatten sich frühmorgens in die Challenger gezwängt. Wie geplant zündeten um 10.38 Uhr die Triebwerke, und erstmals begab sich eine nicht als Astronautin ausgebildete Person, die Lehrerin Christa McAuliffe, auf den Weg ins All. Die Reise endete 73 Sekunden nach dem Abheben, als eine der Zusatzraketen explodierte und dabei die Challenger in Stücke riss. Alle sieben Raumfahrer kamen bei dem Unglück ums Leben.

Zweieinhalb Jahre wurde das Shuttle-Programm danach ausgesetzt, anschließend durften nur noch ausgebildete Astronauten an Bord der Fähren fliegen. Auch als die Columbia im Jahr 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühte und die sieben Besatzungsmitglieder umkamen, wurde das Shuttle-Programm unterbrochen. Zu den technischen Zweifeln traten die finanziellen Bürden: Jeder Flug eines Shuttles zur ISS schlug in den vergangenen Jahren mit bis zu 500 Millionen Dollar zu Buche. Dieses Geld kann die Nasa nun für andere Projekte ausgeben. Der Behörde werden aber nun jene aufregenden Momente fehlen, in denen Hunderttausende von Zuschauern die Straßen und Strände in Florida säumten, um zu verfolgen, wie Astronauten auf gewaltigem Feuerschweif in den erdnahen Orbit flogen.

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