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Raumfahrt : Triumph auf dem Titan

Titan in Farbe: Graugelbe Oberfläche aus Wasser und Kohlenwasserstoffeis? Bild: AP

Mit der europäischen Planetensonde Huygens ist zum ersten Mal eine Landung im äußeren Sonnensystem geglückt. Datenanalysen zeigen: Auf Titan ist es feucht - wenn auch nicht von Wasser.

          6 Min.

          "Hey, da will uns jemand hochnehmen, das ist doch nie im Leben der Titan!" Solche Bemerkungen entfuhren am Freitagabend manchem der Wissenschaftler, die sich im Darmstädter Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur Esa vor den Bildschirmen drängten. Da bauten sich dort gerade die ersten Bilder auf: rohe Kameradaten, welche die amerikanische Saturnsonde Cassini soeben von ihrem europäischen Beiboot Huygens nach dessen Eintritt in die Atmosphäre des mysteriösen Mondes zur Erde weitergeleitet hatte. Exotik hat oft einen Moment unerwarteter Vertrautheit.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht, daß man nicht auf Überraschungen gehofft hatte, was der orangegelben Dunst des Saturntrabanten verbirgt. "Aber niemand hätte gedacht, daß die Bilder geologisch so einfach zu interpretieren sind" sagt Carolyn Proco. Die Amerikanerin muß es wissen. Sie wacht über Cassinis Kameras, die in den letzten Monaten schon allerhand bizarre Saturnmonde abgelichtet hatten. Daß Titan das alles übertreffen könnte, war erwartet worden. Aber das Ausmaß überraschte dann doch: Das erste veröffentlichte Bild zeigte etwas, das aussah wie verzweigte Flußläufe, die zum Ufer eines Sees führen. Ob darin etwas etwas fließt, müssen genauere Analysen zeigen. Es flösse dann bei -180°C - viel wärmer wird es nicht an einem Ort, der zehnmal so weit von der Sonne entfernt ist wie die Erde. Es ist also sicher kein Wasser, auch wenn Bundesministerin Edelgard Bulmahn am Freitag über dessen Entdeckung auf dem Titan freute.

          Sachte Landung und gefunkte Bilder

          Die Mission war fraglos ein glänzender Erfolg. Die Hauptaufgabe der am Weihnachtstag von Cassini abgekoppelten Sonde war die Erkundung der Atmosphäre des Titan. Zum Jubel der Forscher setzte sie danach sacht auf und funkte Bilder und Daten von der Oberfläche. Nach ersten Auswertungen in der Nacht zum Samstag fand sich dann doch Wasser, allerdings in Form faustgroßer Eisbrocken (Bild links). Aber Eis war so ziemlich das einzige, mit dem die meisten Forscher fest gerechnet hatten.

          Titan in Farbe: Graugelbe Oberfläche aus Wasser und Kohlenwasserstoffeis? Bilderstrecke

          Was der Sonde dort unten sonst begegnen würde, darüber phantasieren Wissenschaftler und Weltraumgraphiker seit Jahrzehnten. Auch Wetten wurden abgeschlossen. So in dem britischen Team um John Zarnecki, das für Huygens das Instrument zur Untersuchung der Titanoberfläche entwickelte. Chancenlos war immer Zarneckis eigene Lieblingsvision, in der Huygens mit dem Fallschirm an einer Palme hängen bleibt. Wer auf Nummer sicher gehen wollte, setzte auf eine Landung auf granithartem Eis - schließlich bestehen daraus die meisten anderen Saturnmonde. Die Sonde hätten aber auch, und das wäre Zarnecki nach der Palme am liebsten gewesen, in einen See aus benzinähnlicher Flüssigkeit platschen können - oder in einen Morast aus Tholinen (von griechisch "tholos" für "Matsch"), hochmolekolaren Kohlenwasserstoffen, die aus Methan unter dem Einfluß von Sonnenlicht entstehen. Letzteres kommt den Tatsachen wohl am nächsten. "Die Probe scheint auf einer dünnen Kruste gelandet zu sein, unter der sich eine Schicht weichen Materials befindet, etwa mit der Konsistenz von Lehm oder feuchtem Sand", sagte Zarnecki am Samstag.

          Seen und Sümpfe - nur eben aus anderem Material

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