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Raumfahrt : Auf chinesischer Mission

Nach oben: Matthias Maurer, hier 2017 im Trainingsmodul des European Astronaut Center in Köln, bereitet sich nun auf einen möglichen Einsatz auf der chinesischen Raumstation vor. Bild: Edgar Schoepal

Im Weltraum holt China schnell auf. Die Esa will mit auf die bald entstehende Raumstation. Für Deutschland ist auch schon ein Astronaut am Start.

          Drei Astronauten der europäischen Raumfahrtagentur Esa lernen intensiv Chinesisch: eine Italienerin, ein Franzose und der deutsche Materialwissenschaftler Matthias Maurer. Sie tun das nicht zum Spaß, sondern um Geschichte zu schreiben. Jeder von ihnen hofft, im Jahr 2023 als erster Ausländer zur neuen chinesischen Raumstation zu fliegen, die bis dahin einsatzbereit sein soll. Chinesisch wird fern der Erde zu einer Verkehrssprache? Das zeigt, wie schnell sich die Gewichte im Weltraum verschieben. China holt auf, in riesigen Schritten.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Mit nur sieben bemannten Missionen hat der Nachzügler den Sprung in den Kreis der führenden Weltraumnationen geschafft. 2003 flog erstmals ein chinesischer Taikonaut ins All, 2008 wagte ein anderer den ersten Außeneinsatz, 2012 umkreiste das chinesische Raumlabor „Himmelspalast1“ erstmals bemannt die Erde. Und schon in fünf Jahren will Peking seine eigene Version einer internationalen Raumstation, die China Space Station (CSS), präsentieren – pünktlich zum möglichen Ende der von Amerika, Russland, Europa, Japan und Kanada gemeinsam betriebenen Internationalen Raumstation (ISS), deren Zukunft ab 2024 ungewiss ist.

          „Dafür hatten die Chinesen am Anfang kein Verständnis“

          Im Mai unterzeichnete China eine Vereinbarung mit den Vereinten Nationen, in der es andere Nationen einlädt, künftig an Bord der CSS Forschung zu betreiben. Die Europäer wollen von Anfang an mit dabei sein. Doch bis es so weit ist, sind noch viele Fragen zu klären. Organisatorische, sprachliche und politische. Zum Beispiel die, was China dafür bekommt, dass es die Esa-Astronauten nicht nur an Bord lässt, sondern auch dorthin befördert. Diskutiert wird über den Beitrag eines wissenschaftlichen Testgeräts, das ähnlich wie auf der ISS auf der chinesischen Raumstation zum Einsatz kommen soll. Knowhow wollen die Europäer auch einbringen.

          Matthias Maurer, der seine Astronauten-Grundausbildung 2017 abgeschlossen hat, ist überzeugt, dass die Chinesen noch „sehr, sehr viel“ lernen können. „Sie sind jetzt an einem Punkt, wo sie Kurzzeitmissionen fliegen. Wir Europäer haben dagegen seit zehn Jahren ein eigenes Modul auf der ISS und fliegen seit fast 20 Jahren Langzeitmissionen.“ Der Unterschied zwischen einer Zwei-Wochen- und einer Sechs-Monats-Mission sei immens. Zum Beispiel für den Körper. Im Weltraum läuft der Knochenabbau 30 Mal schneller ab als auf der Erde. Sport, Ernährung und medizinische Versorgung sind deshalb bei Langzeitmissionen überlebenswichtig.

          Auch gegen die psychische Belastung der Astronauten haben die Europäer über die Jahre komplexe Lösungen entwickelt. Nicht jede davon stößt aber in China auf Interesse. Auf der ISS, auf die Maurer 2020 erstmals zu fliegen hofft, gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, die Kameras für eine Zeitlang auszuschalten, um den Astronauten Privatsphäre zu gewähren. „Dafür hatten die Chinesen am Anfang kein Verständnis“, erzählt Maurer. „Sie fragten, wie wir sicherstellen, dass die da oben überhaupt arbeiten, wenn die Kameras nicht angeschaltet sind.“

          Kooperation mit Chinas Raumfahrtbehörde untersagt

          China ist kein einfacher Partner. In der Raumfahrt hat das Land wenig Erfahrung mit Kooperationen, denn die Amerikaner verhindern eine Beteiligung an der ISS. Zudem sind die Entscheidungsstrukturen in Peking kafkaesk. Selbst kleine Schritte müssen vom Vorgesetzten des Vorgesetzten abgenickt werden. „Sehr oft stoßen wir auf Blockaden“, sagt Maurer. Und das überbordende Selbstbewusstsein, das Xi Jinping seinem Land verordnet hat, steht bisweilen der Selbstreflexion im Wege.

          „In den Bereichen, in denen wir noch führend sind, sind die Chinesen sehr offen“, sagt der Saarländer. „In Bereichen, in denen sie schon das Gefühl haben, die Nase vorn zu haben, treten sie manchmal schon arrogant auf und fragen, was wir an Wissen einbringen können, wenn wir nicht mal unsere eigenen Astronauten in den Weltraum schicken können.“

          Maurer wird oft gefragt, ob es überhaupt im Interesse Europas sei, mit China im Weltraum zu kooperieren. Schließlich dient das ambitionierte Programm dem Land dazu, sich als Technologie-Großmacht zu positionieren. Der autoritären Führung in Peking verschafft es innen- wie außenpolitisch Prestige. Und nicht zuletzt ist Chinas Raumfahrt eng mit der Modernisierung des Militärs verknüpft. Aus diesen Gründen und wegen Spionagebedenken hat der amerikanische Kongress der Nasa die Kooperation mit Chinas Raumfahrtbehörde untersagt.

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