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Raumfahrt : „Irgendwo werden wir zu landen versuchen“

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An der „Discovery“ waren in der vergangenen Woche unterhalb des Cockpit-Fensters Risse in der Isolierdecke festgestellt worden. Doch nach mehreren Tests im kalifornischen Ames-Forschungslabor der Nasa entschied das Management-Team der Weltraumbehörde am vergangenen Freitag, daß eine Reparatur der Isolierverkleidung nicht erforderlich sei. Viele Amerikaner äußerten sich vor der geplanten Landung dennoch skeptisch. Jeffrey Liss, ein amerikanischer Rechtsanwalt und Mitglied der „National Space Society“, einer Gesellschaft, welche die bemannte Raumfahrt unterstützt, sagte der Zeitung „New York Times“, zahlreiche Menschen machten sich große Sorgen um die Besatzung der „Discovery“. Avian Clarke, eine amerikanische Mutter, die sich noch an die Fernsehbilder von der explodierenden „Challenger“ 1986 erinnert, wollte ihrer Tochter nicht erlauben, vor Morgengrauen aufzustehen, um am Bildschirm die Landung der „Discovery“ mitzuverfolgen. Ziemlich gelassen gab sich dagegen Pat Youngs, der Ehemann von Kommandeurin Collins. „Wir kennen die Risiken der Raumfahrt“, sagte er. Der ehemalige Testpilot, der die beiden vier und neun Jahre alten Kinder versorgt, während seine Frau im Weltall ist, zeigte sich auch einverstanden mit der Entscheidung der Nasa, auf eine Reparatur der Isolierdecke zu verzichten. Er sei „sehr zuversichtlich“, daß alles gutgehen werde. „Aber es gibt immer einen gewissen Grad von Spannung.“

Der ursprüngliche Rückreiseplan für die „Discovery“ sah vor, daß sie über dem Pazifischen Ozean in die Erdatmosphäre eintreten und dann über Nicaragua und Honduras auf die Karibik zusteuern sollte. Nach Überquerung der westlichen Spitze Kubas sollte sie dann den amerikanischen Luftraum auf der Höhe von Fort Myers in Florida erreichen. Eingeleitet wird die Rückkehr zur Erde etwa eine halbe Erddrehung vor dem Landeplatz mit einem Bremsmanöver, dem sogenannten „Deorbit Burn“. Dabei werden die Triebwerke für drei bis vier Minuten gezündet, um die Raumfähre von rund 28.000 Kilometer in der Stunde auf mehrere hundert Kilometer abzubremsen. Durch dieses Manöver sinkt die Raumfähre dann in erdnähere, dichtere Schichten, bis sie eine knappe halbe Stunde später die Erdatmosphäre erreicht, wo das Shuttle Temperaturen von ungefähr 1.600 Grad ausgesetzt ist. Kurz vor diesem heiklen Moment, in etwa 120 Kilometer Höhe und noch etwa 8.000 Kilometer vom Landeplatz in Florida entfernt, wird aus Sicherheitsgründen der verbliebene Treibstoff abgelassen. Danach wird die „Nase“ des Shuttles auf etwa 40 Grad Höhe über dem Horizont gehoben, damit beim Eintritt in die Erdatmosphäre nur der schwarze Schutzschild auf der Unterseite der enorm hohen Reibungstemperatur ausgesetzt ist.

„Instabile Wetterbedingungen“

Die Astronauten hatten schon ihre schweren Spezialanzüge angelegt, die sie auf der letzten und riskantesten Etappe schützen sollen, und an Bord letzte Vorbereitungen für den „Deorbit Burn“ getroffen, als vom Kontrollzentrum der Nasa in Houston rund zwei Stunden vor dem ersten geplanten Landetermin die Nachricht kam, daß die Rückkehr zur Erde wegen schlechten Wetters verschoben werden müsse. Zu diesem Zeitpunkt hoffte man noch, daß die Wolken über dem Kennedy Space Center in Florida sich in ein paar Stunden verzogen haben würden und die Raumfähre dann um 6.22 Uhr, dem letztmöglichen Zeitpunkt am Montag, landen könne.

Doch um kurz nach 5 Uhr Ortszeit teilte der für die Kommunikation mit dem Shuttle zuständige Nasa-Mitarbeiter Ken Ham der Kommandantin Collins mit, daß die „instabilen Wetterbedingungen“ die Rückkehr der „Discovery“ zum gewünschten Zeitpunkt nicht zuließen. Aufgrund niedrig hängender Wolken und möglicher Gewitter sei die Landung zu riskant. Als nächstmöglicher Landetermin wurde 5.07 Uhr Florida Ortszeit am heutigen Dienstag genannt (11.07 Uhr MESZ). Wenn dieser Zeitpunkt auch nicht genutzt werden könne, komme noch eine Landung um 6.43 Uhr in Florida in Frage. Danach, so teilte die Nasa mit, müsse man auf andere Landeplätze ausweichen. Einer davon ist der Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien, für den für Dienstag zwei mögliche Landetermine festgesetzt wurden. Außerdem hat die Nasa den Raketenstützpunkt White Sands im Bundesstaat New Mexico als Ausweichlandeplatz ausgewählt. „Irgendwo werden wir morgen zu landen versuchen“, sagte Flugdirektor Leroy Cain am Montag morgen.

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