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Raumfahrt : Irdischer Besucher am Saturn

  • -Aktualisiert am

Die Sonde "Cassini-Huygens" erreicht nach sieben Jahren ihr Ziel und beginnt mit der Erforschung des Saturn. Die riskanten Manöver, die notwendig waren, um die Sonde abzubremsen, bestand sie fehlerfrei.

          5 Min.

          Jean-Dominique Cassini und Christiaan Huygens hätten nicht schlecht gestaunt. Als die beiden Astronomen vor rund 350 Jahren mit ihren Fernrohren mehrere Monde am großen Ringplaneten Saturn entdeckten und als erste die Natur eben jener Ringe zu verstehen begannen, da hätten sie sich nicht träumen lassen, daß einmal etwas Irdisches den unvorstellbar weit entfernten Planeten besuchen würde. Doch genau das ist nun geschehen.

          Eine Raumsonde hat am frühen Morgen des 1. Juli 2004 den Saturn erreicht. Ihr Name: „Cassini-Huygens“. Die beiden großen Sternenforscher hätten diese Würdigung ihrer Arbeit sicherlich mit Genugtuung, vielleicht sogar mit Freude aufgenommen. Ihre wissenschaftlichen Nachfahren feierten die Ankunft der mit 2,7 Milliarden Euro teuersten und ambitioniertesten Forschungssonde der Raumfahrtgeschichte am Saturn mit ungebremster Euphorie.

          Alle Manöver zuverlässig absolviert

          Im Jet Propulsion Laboratory (JPL), dem Nasa-Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena, brach immer wieder Jubel aus. Dort wurde die Annäherung der amerikanischen Sonde an den „Herrn der Ringe“ mit großer Anspannung verfolgt. Doch „Cassini“ arbeitete zuverlässig ein Manöver nach dem anderen automatisch ab. „Das Raumschiff hätte nicht besser funktionieren können“, jubelte „Cassini“-Flugdirektorin Julie Webster. „Die Dinge laufen ab wie geplant“, bestätigte auch Michael Khan von der Esa-Projektplanung. „Wir sind jetzt in einem sicheren Orbit um Saturn.“

          Kurz nach sechs Uhr (MESZ) bestätigte ein Signal von der Sonde, daß alles geklappt hatte. Eine Nachricht, die auch im European Space Operations Centre (Esoc), dem Missionskontrollzentrum der Esa in Darmstadt, große Erleichterung auslöste. Denn huckepack mit „Cassini“ war so auch die Landesonde „Huygens“, der Hauptbeitrag der europäischen Raumfahrtagentur zu der Mission, heil am zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems angekommen.

          Schneller dank Swing-by-Manövern

          Bis die gute Kunde vom fernen Saturn eintraf, herrschte gespannte Zuversicht unter den beteiligten Wissenschaftlern und Technikern. Schnell wurde deutlich, daß die am 15. Oktober 1997 mit einer Titan-4B/Centaur-Trägerrakete von Cape Canaveral gestartete Raumsonde sich beim Einschwenken in die Umlaufbahn um Saturn genauso zuverlässig verhalten würde, wie sie das während der gesamten sieben Jahre währenden Reise quer durch das Sonnensystem getan hatte. Um nicht noch länger unterwegs zu sein, wurde das Sondenpaar paradoxerweise erst einmal in die falsche Richtung geschickt.

          „Cassini-Huygens“ holte sich auf seinem Weg zweimal in der Umlaufbahn der Venus und danach einmal im Orbit um die Erde Schwung für die endlos scheinende Reise. Bei solchen Vorbeiflügen (Swing-by-Manövern) können die Schwerefelder der Planeten so ausgenutzt werden, daß ein Raumschiff Fahrt aufnimmt, ohne Treibstoff zu verbrauchen. Allein beim vierten und letzten Swing-by „Cassinis“ am Jupiter wurde die Raumsonde um rund 7000 Kilometer in der Stunde beschleunigt. Die Reisezeit verkürzte sich damit um zwei Jahre.

          Riskante Vollbremsung am Saturn

          Einen Tag vor der Ankunft raste die Sonde schließlich mit 35.000 Stundenkilometern auf den Saturn zu. Die Gravitationskräfte des riesigen Gasplaneten zogen das Raumschiff immer mehr an und beschleunigten es dadurch weiter. Bei der größten Annäherung hatte „Cassini“ nach Angaben der Esa schließlich ein Tempo von 111.000 Kilometern in der Stunde erreicht. Damit wäre die Sonde buchstäblich übers Ziel hinausgeschossen. Deshalb hatten sich die Raumfahrer ein halsbrecherisches Manöver ausgedacht. „Man muß sich das wie eine Vollbremsung im Auto vorstellen“, erläuterte Esa-Projektplaner Khan. Ein äußerst heikles Manöver am Ende eines 3,5 Milliarden Kilometer langen Weges, auf dem es bisher meist darum gegangen war, den Planetenspäher zu beschleunigen.

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