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Raumfahrt : Ganz privat in den Weltraum

  • -Aktualisiert am

Mit privaten Mitteln ins All: ShaceShipOne Bild: AP

Privatleute und -firmen drängen ins All. Preisgelder ermuntern zur Entwicklung diverser Flugkörper. Am erfolgsversprechendsten: Das kalifornische "Spaceship One".

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          Der Flugplatz in der Kleinstadt Mojave am Rande der gleichnamigen südkalifornischen Wüste ist schon seit langem kein gewöhnlicher Verkehrsflughafen mehr. Mehr als 100 Düsenpassagiermaschinen sind dort geparkt. Von den Fluggesellschaften ausgemustert, aber dennoch nicht schrottreif, warten sie in der trockenen, nicht korrodierenden Wüstenluft auf neue Einsätze. Seit Donnerstag ist der etwa 140 Kilometer nördlich von Los Angeles gelegene Flughafen aber mehr als nur ein Parkplatz für ausgediente Jets.

          Mit der Lizenz "LSO 04 009" erteilte die amerikanische Luftfahrtbehörde die Genehmigung, von Mojave aus zu Flügen in den erdnahen Weltraum zu starten. Am Montag soll der erste Versuch stattfinden: In dem privat finanzierten "Spaceship One" soll ein Astronaut in einem suborbitalen Flug bis in 100 Kilometer Höhe katapultiert werden und anschließend wieder sicher auf der Landebahn in Mojave aufsetzen.

          Interesse an Weltraumtourismus

          Die bemannte Weltraumfahrt war seit Gagarins Jungfernflug im Jahr 1961 in allen Ländern, die sich darin versuchten, stets eine Aufgabe staatlicher Organisationen. Dafür gab es zahlreiche Gründe, unter anderem spielte die Präsenz von Astronauten im Orbit eine politische und strategische Rolle. Außerdem waren die technischen Anforderungen zu komplex und die Entwicklungskosten zu hoch, als daß Privatunternehmen an bemannten Raumflügen hätten verdienen können.

          Landen aus ungeahnten Höhen: SpaceShipOne beim Testflug

          Spätestens mit dem Ende des Kalten Krieges hat sich die Situation aber geändert. Es gibt offenbar inzwischen genügend Interesse an Weltraumtourismus. So haben auf mehreren Flügen russischer Sojus-Kapseln Privatpersonen die Internationale Raumstation besucht - und jeweils mehrere Millionen Dollar für ihre Abenteuerreise bezahlt.

          Ambitionierter "X Prize"

          Um die Entwicklung einer privatwirtschaftlich organisierten bemannten Raumfahrt zu fördern, hat die von Weltraumbegeisterten gegründete Ansari-Stiftung vor acht Jahren den "X Prize" ausgeschrieben. Jenes Unternehmen, das innerhalb von zwei Wochen bei zwei Flügen mit dem gleichen Gefährt jeweils drei Personen in mindestens 100 Kilometer Höhe befördert und anschließend sicher zur Erde zurückbringt, wird mit einem Preis von zehn Millionen Dollar belohnt. Ausgezahlt wird die Summe aber nur, wenn das Unternehmen nachweisen kann, daß es bei der Entwicklung seines Raumschiffs keine staatliche Unterstützung erhalten hat.

          Selbst wenn die Nasa und die russische Raumfahrtbehörde nicht staatlich finanziert wären, hätten sie im Moment keine Chancen, den Preis zu gewinnen. Zwar kann ein amerikanischer Raumtransporter ohne weiteres drei Personen in den Orbit befördern und wieder zurückbringen. Es dauert aber Monate, bis das Schiff nach einem Flug wieder einsatzfähig ist. Die Russen könnten zwar innerhalb von zwei Wochen Astronauten in den Orbit schicken - allerdings nicht mit dem gleichen Raumschiff, denn die Sojus-Kapseln sind nicht wiederverwendbar.

          Rumänische Tüftler, kanadische V2

          Insgesamt haben sich 27 Gruppen von Ingenieuren und Technikern aus sieben Ländern um den Preis beworben. Unter anderem bauen kanadische Weltraumenthusiasten eine V-2 nach, in Rumänien basteln die Mitglieder der "Aeronautics and Cosmonautics Romanian Association" an einer Rakete, und die Gruppe "Starchaser" um den britischen Ingenieur Steve Bennett entwickelt eine mehrstufige Rakete.

          Ohne Zweifel hat aber das kalifornische Unternehmen Scaled Composites die größten Chancen, den Preis zu gewinnen. Dessen Chefkonstrukteur Burt Rutan machte sich im Jahr 1986 einen Namen, als das von ihm gebaute Ultraleichtflugzeug Voyager, ohne aufzutanken und ohne zu landen, einmal rund um die Welt flog. Mehr als 30 000 Zuschauer feierten damals am Flugplatz in Mojave die Rückkehr des von Rutans Bruder und seiner Frau gesteuerten Flugzeugs, das wegen seines Doppelrumpfs Ähnlichkeiten mit einem Katamaran hatte.

          Mit dem Trägerflugzeug in den Orbit

          Auch am Montag werden Tausende von Zuschauern erwartet, wenn sich kurz nach Sonnenaufgang das von Rutan gebaute "Spaceship One" auf den Weg zu einem Rekordflug macht. Schon einige Male ist das Gefährt, an dessen Kunststoffrumpf Bullaugen wie in einem Schweizer Käse verteilt sind, geflogen. Mehrmals durchbrach es dabei die Schallmauer. Am Montag will Rutan den Nachweis erbringen, daß sich das "Spaceship One" weiter als 100 Kilometer von der Erdoberfläche entfernen kann und damit nach der Definition der Preisstifter den erdnahen Weltraum erreicht.

          Für den suborbitalen Flug greift Rutan auf eine Technik zurück, mit der sich die amerikanische Luftwaffe auf dem nahe der Stadt Mojave gelegenen Fliegerhorst Edwards in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg einen fliegerischen Rekord nach dem anderen erjagte. "Spaceship One" wird nämlich nicht aus eigener Kraft starten, sondern am Rumpf des ebenfalls weitgehend aus Kunststoff gebauten Trägerflugzeugs "White Knight".

          Der Träger wird das Raumschiff zunächst in eine Höhe von etwa fünfzehn Kilometern befördern. Dort wirft er seine Last ab, und der Pilot an Bord von "Spaceship One" zündet seine beiden Triebwerke. Deren Schub soll das Gefährt dann über die kritische Höhe von 100 Kilometern hinausbefördern. Anschließend gleitet das Schiff wie ein Raumtransporter ohne Antrieb zur Erde zurück und soll gut eine Stunde nach dem Start wieder landen.

          Zwanzig Millionen Dollar vom Microsoft-Mäzen

          Der für Montag geplante Flug ist allerdings noch kein "Preisflug". Der Pilot soll nämlich lediglich testen, ob er den Weltraum mit dem Schiff erreichen kann. Die beiden Wettbewerbsflüge könnten dann später im Sommer stattfinden. Zwar sagt Rutan nichts über die Kosten für das gewagte Unternehmen, aber das Preisgeld wird kaum die Kosten decken. Angeblich hat der Mitbegründer von Microsoft, der Milliardär Paul Allen, allein zwanzig Millionen Dollar in Scaled Composites investiert.

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