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Raumfahrt : Weihnachten im Weltall?

  • Aktualisiert am

„Arbeitspferd” der Nasa: Die Discovery soll wieder fliegen Bild: dpa

Die Raumfähre Discovery soll Anfang Dezember zur Internationalen Raumstation starten. Dann könnte der deutsche Astronaut Thomas Reiter Weihnachten wieder zu Hause sein. Ob der Zeitplan eingehalten wird, ist aber fraglich.

          2 Min.

          Die Leitung der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa hat den Start der Raumfähre Discovery für Anfang Dezember freigegeben. Das teilte der für das Shuttle-Programm zuständige Manager, Wayne Hale, am Mittwoch (Ortszeit) am Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida mit. Nach dem gegenwärtigen Plan soll die Raumfähre am späten Abend des 7. Dezember (Ortszeit) bei Dunkelheit vom Cape Canaveral abheben. Nach dem Verlust des Raumtransporters Columbia im Februar 2003 waren solche Nachtstarts zunächst untersagt worden. Man wollte während der auf die Havarie folgenden Testflüge bei Tageslicht überwachen, wieviel Schaumstoffstücke beim Steigflug von der Isolierung des Tanks der Raumtransporter abfallen. Ein solcher knapp drei Pfund schwerer Schaumstoffbrocken hatte im Januar 2003 ein Loch in die Flügelvorderkante der Columbia geschlagen, was beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zum Verlust des Schiffes geführt hat.

          Weil es bei den drei Testflügen in den vergangenen eineinhalb Jahren aber nur zu geringen Verlusten von Schaumstoff kam, wollen die Nasa-Manager nun das Risiko eingehen und wieder bei Nacht starten, obwohl dabei der Steigflug optisch längst nicht so gut überwacht werden kann wie bei einem Tageslichtstart. Man befürchtet aber, daß ohne solche Nachtstarts das ehrgeizige Programm, in den kommenden drei Jahren vierzehnmal mit Raumtransportern zur Internationalen Raumstation zu fliegen, nicht eingehalten werden kann.

          Festtage möglicherweise doch im Orbit

          Während des Fluges der Discovery unter dem Kommando von Mark Polansky, einem früheren Testpiloten der amerikanischen Luftwaffe, sollen vier Nasa-Astronauten weitere Sonnenzellen an der Raumstation anbringen und damit deren Stromversorgung auf längere Zeit sichern. Sie werden dabei von Christer Fuglesang unterstützt, einem schwedischen Astronauten, der im Auftrag der europäischen Weltraumagentur Esa an dem Flug teilnimmt.

          Bald zu Hause? Astronaut Thomas Reiter
          Bald zu Hause? Astronaut Thomas Reiter : Bild: AFP PHOTO

          Gemeinsam mit diesen fünf Raumfahrern wird auch die amerikanische Flugingenieurin Sunita Williams an Bord der Discovery mitfliegen. Die ehemalige Marinefliegerin soll den deutschen Astronauten Thomas Reiter ablösen, der sich seit Juli an Bord der Raumstation befindet. Reiter wird anschließend mit der Discovery zur Erde zurückkehren. Ob der aus Frankfurt stammende Oberst der Bundesluftwaffe aber Weihnachten im Kreise seiner Familie feiern kann, ist noch offen. Sollte die Raumfähre wie geplant am 7. Dezember starten, würde sie spätestens am 20. Dezember zurückkehren. Startverzögerungen sind aber nicht auszuschließen, so daß die Astronauten möglicherweise die Festtage im Orbit verbringen müssen.

          Jahreswechsel nicht vorgesehen

          Allerdings muß die Discovery spätestens zu Silvester gelandet sein. In den Programmen der Bordcomputer sind nämlich Jahreswechsel nicht vorgesehen. Nasa-Ingenieure befürchten, daß diese Computer mit der Zeitrechnung durcheinanderkommen, wenn die Borduhren während eines Fluges auf das neue Jahr umspringen. Das stelle, so Hale, ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Damit die zwölf Tage dauernde Mission noch vor Jahresende abgeschlossen werden kann, dürfen sich mögliche Startverzögerungen deshalb nicht über den 17. Dezember hinaus hinziehen. Sollte der Start bis dahin nicht möglich sein, muß der Flug auf den Januar verschoben werden.

          Unterdessen schlug in der Nacht zum Donnerstag der Versuch einer Kurskorrektur der Internationalen Raumstation ISS fehl. Sie ließ sich nur auf eine eineinhalb Kilometer höhere Umlaufbahn heben. Geplant war eine Anhebung um 7,3 Kilometer, um der Discovery einen möglichst günstigen Anflugwinkel zu bieten. Bei der Kurskorrektur in etwa 355 Kilometer Höhe über der Erde sei die Station leicht gekippt, sagten russische Fachleute am Donnerstag. Die russische Raumfahrtbehörde setzte für Samstag einen zweiten Versuch an, die ISS auf eine höhere Umlaufbahn zu bringen.

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