https://www.faz.net/-gum-o7jm

Raumfahrt : China startet erfolgreich sein erstes bemanntes Raumschiff

  • Aktualisiert am

Abschuß der Rakete von der Raumfahrtstation im Nordwesten Chinas, in der Provinz Gansu Bild: AP

Der erste chinesische Astronaut ist im All. „Ich fühle mich gut, wir sehen uns morgen“, meldete der 38jährige Yang Liwei von seiner Umlaufbahn. Vierzehnmal soll er die Erde umkreisen und nach 21 Stunden wieder landen.

          2 Min.

          Es war die Geburt eines Nationalhelden. Der Start des Raumschiffes „Shenzhou 5“ katapultierte den ersten chinesischen Astronauten Yang Liwei am Mittwoch nicht nur in eine Umlaufbahn um die Erde, sondern auch zu nationalem Ruhm. Vor dem großen Sprung ins All versprach der kleine Astronaut, „die Erwartungen des Vaterlandes und des Volkes zu erfüllen“. Staats- und Parteichef Hu Jintao, der den Abflug vom Startplatz Jiuquan in der inneren Mongolei aus verfolgte, nannte den 38jährigen einen „Krieger“, der für China das Weltall erkunde. Er erfülle der chinesischen Nation einen „Jahrtausendtraum“. „Wir freuen uns auf seine triumphale Rückkehr.“

          Vierzehnmal soll der auserwählte Astronaut die Erde umrunden. Eine Trägerrakete hat die Raumkapsel „Shenzou V“ mit Yang Liwei an Bord von einem Weltraumbahnhof in der Wüste Gobi in den Orbit befördert. Zehn Minuten nach dem Start um 9.00 Uhr (Ortszeit) wurde die Kapsel in ihre Umlaufbahn entlassen, auf der sie bis zur Rückkehr zur Erde etwa 21 Stunden später bleiben sollte.

          Der frühere Luftwaffenpilot Yang Liwei wirkte gefaßt, als er sich am Morgen im Raumanzug beim „Genossen Kommandeur“ mit einem energischen Salut verabschiedete und laut ausrief: „Ich bin bereit.“ Im Hintergrund jubelten mit Luftballons und Fähnchen die Menschen. Einige hatten für das Propaganda-Ereignis die Trachten verschiedener Minderheiten angezogen, um in bekannter kommunistischer Tradition die Einheit des chinesischen Volkes zu demonstrieren.

          Chinas Taikonauten

          Zuletzt arbeitete der Astronaut in der streng abgeriegelten, geheimen „Raumfahrtstadt“ westlich von Peking. Mit 18 Jahren trat Yang Liwei in die Armee ein und wurde Luftwaffenpilot wie die anderen 13 Astronauten Chinas. Um auserwählt zu werden, mußten sie mindestens 1.000 Flugstunden und „hervorragende Flugfähigkeiten“ vorweisen. Auch wurden mindestens vier Jahre Universitätsausbildung, eine robuste Statur, psychologische Qualitäten und schnelles Reaktionsvermögen verlangt.

          Im Westen werden sie zur Unterscheidung von den Astronauten der Vereinigten Staaten und Kosmonauten Rußlands gerne „Taikonauten“ genannt - nach dem chinesischen Wort „Taikong“ für Weltraum. Auf Chinesisch heißen die Astronauten meist „Yuhangyuan“, übersetzt „Navigator im All“, oder auch salopp „Taikongfeiren“, sprich „Pilot im Weltraum“. „Es macht Sinn, ein neues Wort zu schaffen, um Chinas unabhängige Fähigkeiten im bemannten Raumflug widerzuspiegeln“, meinte der Experte Chen Lan.

          Weitere Weltraumpläne in Vorbereitung

          Der Flug stelle den „ersten Schritt“ Chinas dar, um den Weltraum in Zukunft als Industriebasis zu nutzen, sagte Gu Yidong, Chefingenieur der chinesischen Raumfahrtbehörde vor dem Start nach Angaben Xinhuas. Zunächst sind zwar bescheidenere Ziele im Gespräch wie bessere Satellitensystemen zur Datenübertragung und zur Wettervorhersage sowie Forschungen zum Reisanbau. Sollte der Flug problemlos verlaufen, könnte die Raumfahrtindustrie mit Plänen für Flüge zum Mond sowie eine eigene Weltraumstation aber einen Schub erhalten.

          Die kommunistische Führung hatte aus den genauen Umständen der Mission bis zum Start ein großes Geheimnis gemacht. So war unklar, wer aus den 14 zur Verfügung stehenden Taikonauten auserwählt wird. Die „Shenzou V"-Kapsel basiert auf Jahrzehnte alter russischer Technik, mehrere Systeme unter anderem zur Lebenserhaltung wurden allerdings erneuert. China verwies mehrfach darauf, daß der Erfolg des vor etwa einer Dekade ins Leben gerufenen bemannten Raumprogrammprogramms der einheimischen Forschung zu verdanken sei.

          Frage des Prestiges

          Der Raketenstart ist für die Regierung in Peking eine Frage des Prestiges. Das Reich der Mitte ist nach Rußland und den Vereinigten Staaten das dritte Land, das einen Raumfahrer mit einem eigenen Weltraumprogramm ins All schickt. Am 12. April 1961 war der Russe Juri Gagarin der erste Mensch, der in den Weltraum flog. Kurz darauf, am 5. Mai 1961, folgte ihm der amerikanische Astronaut Alan Shepard. Amerikanische Experten sehen China mit dem Start auch einen Schritt weiter bei der Nutzung seiner militärischer Technologie im Weltall.

          Weitere Themen

          Nationalgarde lässt Sohn von Drogenboss „El Chapo“ laufen Video-Seite öffnen

          Mexiko : Nationalgarde lässt Sohn von Drogenboss „El Chapo“ laufen

          Im Kampf gegen die mächtigen Drogenbanden des Landes haben mexikanische Sicherheitskräfte eine demütigende Niederlage erlitten. Im Zuge eines „schlecht vorbereiteten Einsatzes“ sei ein Sohn des Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán zunächst gefasst, dann aber wieder freigelassen worden, sagte die Regierung.

          Topmeldungen

          Brexit-Deal : Kein Tag der Entscheidung

          Auch Boris Johnson ist nicht immun gegen das, was seiner Vorgängerin Theresa May widerfahren war. Mehr als drei Jahre nach dem Referendum liegt der Austritt des Vereinigten Königreichs weiter im Nebel. Vielleicht kann das bei einem Thema von dieser Bedeutung nicht anders sein.
          Ohne Worte: Die Bayern um Manuel Neuer sind enttäuscht.

          Wildes Spiel in Augsburg : Später Bayern-Schock nach Lewandowski-Rekord

          In der Anfangsphase gibt es für den FC Bayern gleich zwei schlechte Nachrichten: Ein früher Rückstand und ein wohl langer Ausfall von Niklas Süle. Danach sieht es auch dank Lewandowski lange gut aus, ehe in der Nachspielzeit alles noch schlimmer kommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.