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Raumfahrt : Bush will Astronauten zum Mond und zum Mars schicken

  • Aktualisiert am

1986 ließ die Nasa von einem Künstler diese Mondbasis entwerfen Bild: ddp

Die Vereinigten Staaten wollen im nächsten Jahrzehnt Astronauten zum Mars schicken und eine ständige Raumstation auf dem Mond einrichten.

          Präsident Bush will in der kommenden Woche neue Pläne zur Erforschung des Sonnensystems verkünden. Wie amerikanische Medien am Freitag berichteten, wird Bush am Mittwoch die ehrgeizigsten Vorhaben der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa seit Jahrzehnten vorstellen. Die Pläne umfassen die Wiederaufnahme der bemannten Raumfahrt zum Mond und den Aufbau einer permanenten Station dort sowie die Landung von Astronauten auf dem Mars. Die seit gut zwei Jahrzehnten eingesetzten wiederverwendbaren Raumgleiter, von denen die Nasa bei tödlichen Unfällen zwei verloren hat, sollen durch neu zu entwickelnde Raumfahrzeuge ersetzt werden. Bis zur Fertigstellung der neuen Raketen und Fluggeräte müßten die Vereinigten Staaten bei der kommerziellen Nutzung des Weltraumes durch die Aussetzung von Satelliten auf herkömmliche Trägersysteme etwa der europäischen, russischen oder auch chinesischen Raumfahrt zurückgreifen.

          Bushs Sprecher wollte sich zu Einzelheiten der Pläne zu einer Neubelebung der bemannten Raumfahrt nicht äußern. Er bestätigte nur, daß Bush eine programmatische Rede zu dem Thema halten werde. Die bemannte amerikanische Raumfahrt hat seit der letzten Landung einer "Apollo"-Kapsel auf dem Mond 1972 und dem Einsatz des wiederverwertbaren Raumgleiters keine auch für das breite Publikum nachvollziehbaren Erfolge zu verzeichnen. Seit der letzten Mondlandung vor mehr als drei Jahrzehnten ist kein Mensch mehr weiter als 800 Kilometer von der Erde entfernt in den Weltraum geflogen. Bush dürfte zum Auftakt des Wahljahrs versuchen, das in den jüngsten Tagen wieder gestiegene Interesse an der Raumfahrt auch politisch zu nutzen. Die erfolgreiche Landung der kurz nach Neujahr auf dem Mars gelandeten Raumsonde "Spirit" und die von dieser zur Erde gefunkten Bilder haben in den amerikanischen Medien großen Widerhall gefunden. Zudem dürfte der Präsident auf den Bericht der Untersuchungskommission über die Ursachen der "Columbia"-Katastrophe reagieren. Der Raumgleiter war im vergangenen Februar beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zerbrochen und verglüht; alle sieben Besatzungsmitglieder starben. Die Kommission forderte einen neuen Impuls für die bemannte Raumfahrt der kommenden Jahrzehnte.

          Vorstufen der bemannten Raumfahrt

          Ob die gegenwärtig verfügbaren technischen Möglichkeiten für einen erfolgreichen Flug einer bemannten Raumfähre zum Mars ausreichen, ist umstritten. Mit der bisher verwendeten Antriebstechnik würde ein bemannter Flug zum Mars etwa drei Jahre dauern. Grundsätzlich zweifeln auch Mitglieder der Expertenkommission zur Untersuchung der "Columbia"-Katastrophe am Sinn bemannter Raumflüge und fordern statt dessen, Roboter und computergesteuerte Fahrzeuge auf den Mars zu schicken. (Fortsetzung Seite 2; siehe Feuilleton.)

          „Spirit” komplettiert das Panoramabild des Mars

          Dagegen bezeichnete Nasa-Chef Sean O'Keefe, der offenbar trotz des "Columbia"-Unglücks das Vertrauen des Präsidenten genießt, die erfolgreiche Landung der "Spirit" und die für den 24. Januar erwartete Landung der Schwestersonde "Opportunity" auf dem Mars als Vorstufen für die bemannte Raumfahrt zum "Roten Planeten". Ein bemannter Flug zum Mars werde voraussichtlich mehr als zehn Jahre Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen. Eine Rückkehr mit einem bemannten Raumfahrzeug zum Mond könnte frühestens 2018 erreicht werden. Eine bemannte Raumstation auf dem Mond wäre nach Ansicht von Fachleuten notwendig, um Ausrüstung und Überlebenstechniken für eine Mars-Mission zu testen. Die Kosten einer solchen Station würden jene für die inzwischen in die Jahre gekommene Internationale Raumstation ISS weit übertreffen. In amerikanischen Medien wird die Frage gestellt, ob in Zeiten wachsender Staatsschulden und eines rekordhohen Haushaltsdefizits die Milliardenbeträge aufgebracht werden können. Bush will nach Medienberichten vom Kongreß im kommenden Monat die Freigabe von zunächst 800 Millionen Dollar für die neuen Projekte sowie eine jährliche Aufstockung des Etats der Nasa für die kommenden fünf Jahre fordern.

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