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Raucherprozess : Pro und contra Adolfs

Bild: dpa

Seit drei Jahren kämpft der Raucher Friedhelm Adolfs dagegen, seine Wohnung wegen Geruchsbelästigung räumen zu müssen. Vor dem Düsseldorfer Landgericht kam es jetzt zur Zeugenanhörung – dabei bildeten sich zwei Lager heraus.

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          Der Raucher Friedhelm Adolfs ist mittlerweile in ganz Deutschland bekannt. Seit drei Jahren wehrt er sich dagegen, seine Wohnung in Düsseldorf zu räumen. Am Montag war eine ganze Reihe von Zeugen ins Düsseldorfer Landgericht geladen, um zu klären, ob der 77 Jahre alte Rentner seine Mitmieter mit seinem Zigarettenqualm belästigt hat.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Bei den elf Zeugenaussagen gab es zwei Lager: Mehrere Nachbarn berichteten von starkem Rauchgeruch in dem Mehrparteienhaus. Ein Immobilienmakler, der sein Büro in dem Haus hat, sprach sogar von ekelhaftem Gestank. Dagegen sagten Verwandte von Adolfs aus, dieser habe stets gelüftet. Sie verwiesen zudem darauf, dass oft Besucher und Mitarbeiter der ansässigen Büros im Eingang des Gebäudes geraucht hätten.

          Die vielbeachtete Auseinandersetzung begann Anfang 2013, als Adolfs’ Vermieterin dem passionierten Vielraucher nach 40 Jahren in der Wohnung kündigte. Der aus seiner Wohnung in den Flur ziehende Zigarettengestank belästigte die anderen Mieter, argumentierte sie. Der Witwer lüfte seine Wohnung nicht ausreichend über die Fenster und leere seine Aschenbecher nicht.

          Vor dem Amtsgericht Düsseldorf bekam die Vermieterin Recht. Wegen Geruchsbelästigung und Gesundheitsgefährdung durch Zigarettenrauch sollte Adolfs seine Wohnung räumen. Der Rentner ging in Berufung, scheiterte damit aber vor dem Landgericht Düsseldorf. Die Richter bescheinigten Adolfs einen schwerwiegenden Pflichtverstoß, weil er nicht verhindert habe, dass Rauch in den Flur zog. Gehört wurde damals nur ein einziger Zeuge.

          Urteil des Landgerichts wurde aufgehoben

          Im Februar 2015 hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und verwies den Fall zurück an das Landgericht. Eine Geruchsbelästigung der Mitmieter durch Zigarettenrauch könne zwar eine Verletzung der vertraglichen Nebenpflichten des Mieters darstellen, wenn die Intensität der Beeinträchtigungen ein unerträgliches und gesundheitsgefährdendes Ausmaß erreiche. Moniert wurde jedoch eine nur lückenhafte Beweisaufnahme durch das Landgericht. Die jetzt zuständige 23. Berufungszivilkammer hatte im vergangenen Frühjahr die geplante Räumung der Wohnung abgesagt.

          Die Räume waren Adolfs einst als Hausmeisterwohnung überlassen worden. Nach Kündigung der Hausmeisteranstellung im Jahr 2008 erhielt er einen Mietvertrag. Adolfs machte im Verlauf des Rechtstreits unter anderem geltend, dass es im Treppenhaus auch wegen Feuchtigkeitsschäden im Keller stinke. Etwaige Geruchsbelästigungen aus seiner Wohnung resultierten aus baulichen Mängeln wie einer unzureichenden Abdichtung seiner Wohnungstür.

          Fortgesetzt werden soll die Verhandlung am 2. März. Noch ist nicht klar, ob dann schon ein Urteil gesprochen wird oder das Gericht noch die Vernehmung einer weiteren Zeugin anberaumt, die am Montag aus Krankheitsgründen nicht erschien. Friedhelm Adolfs’ Anwalt Martin Lauppe-Assmann schätzte die Aussichten seines Mandanten am Montag als gut ein.

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