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Raubkatzenasyl : Wenn für Tiger ein neues Leben beginnt

  • -Aktualisiert am

Rhani sucht nach Essbarem: Der ehrenamtliche Tierpfleger Florian Beer präsentiert der Tigerin die Gäste des Raubtierasyls in Ansbach Bild: Schmitt, Tobias

Sind Raubkatzen zu alt für den Zirkus oder werden sie illegal gehalten, kommen sie ins Asyl in Ansbach. Doch nicht jedes Tier hat das Glück, aufgenommen zu werden.

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          Sonntag, 13 Uhr. Die Sonne scheint, aber im Schatten ist es noch frisch. Florian Beer steht zwischen zwei Absperrungen. Die eine, vor ihm, besteht aus niedrigen Stangen und einem Drahtseil – die Besucher sollen auf Abstand bleiben. Die andere, hinter ihm, besteht aus hohen Metallstäben: ein Gitterzaun. Rund 100 Leute stehen hinter der niedrigen Absperrung. Als Beer sie begrüßt, steht hinter dem hohen Gitterzaun Tiger auf, macht ein paar Schritte und bleibt erst direkt dahinter stehen. Tiger, englisch ausgesprochen, ist, kaum überraschend, ein Tiger.

          Den Namen hat ihm ein Zirkus gegeben. Tiger, die Tigerdame Angie und die gemeinsame Tochter Kiara konnte sich der Zirkus eines Tages nicht mehr leisten. Als das Raubtier- und Exotenasyl in Wallersdorf bei Ansbach die drei Tiere vor acht Jahren aufnahm, waren sie stark abgemagert. Angie lebt nicht mehr. Tiger und Kiara sind noch immer im Raubkatzenasyl, wie die Auffangstation bei Ansbach heißt.

          Nur ein hauptamtlicher Mitarbeiter

          Es ist, wie einmal im Monat am Sonntag, Tag der offenen Tür. Am Ende des Tages wird Olaf Neuendorf die Besucherzahl auf ungefähr 800 schätzen. Er ist Vorsitzender des Vereins, der das Raubkatzenasyl betreibt, und einziger hauptamtlicher Mitarbeiter. Von Montag bis Freitag arbeitet er hier, manchmal von einem Bundesfreiwilligendienstler unterstützt. Am Wochenende und in seinem Urlaub übernehmen ehrenamtliche Tierpfleger die Schichten.

          Neuendorf, Mitte 50, ergrautes Haar, schwarze Brille, silberner Ring im linken Ohr, steht neben dem offenen Tor, das ins Raubtierasyl führt. Er trägt Arbeitsschuhe, Arbeitshose, Arbeitsjacke. An einem Band um seinen Hals hängt ein Namensschild, das über seinem Bauch baumelt. Alle paar Minuten kommen neue Besucher, unter ihnen viele Familien. Neuendorf begrüßt jeden Einzelnen, manche kennt er schon, andere fragt er: „Sind Sie zum ersten Mal hier?“ Dann erklärt er in ein paar Worten, was die Gäste im Asyl erwarten wird und wann die nächste Führung beginnt.

          Olaf Neuendorf ist Tierpfleger, Vorsitzender und Seele des Raubkatzenasyls. Er war schon hier, als es das Asyl noch gar nicht gab. 1990 kam er als Tierpfleger nach Wallersdorf. Damals hielt sich ein Architektenehepaar als Hobby Raubkatzen. Vier Jahre später geriet das Architekturbüro in finanzielle Probleme. Irgendwann meldete das Ehepaar auch noch Privatinsolvenz an und gründete einen Tierschutzverein, der sich um die Raubkatzen kümmern sollte. „Der Tierschutz ist hier aus der Not entstanden“, sagt Olaf Neuendorf. „Aber es ist eine gute Sache geworden.“

          Verein finanziert sich nur durch Spenden

          An dieser Entwicklung hat Neuendorf wesentlichen Anteil. Als er bemerkte, dass auch der Tierschutzverein finanzielle Probleme bekam, gründete er mit einigen anderen einen neuen Verein. Der übernahm 2009 das gepachtete Gelände und die Tiere vom insolventen Vorgänger. Seitdem wirbt das Raubkatzenasyl für sich. Der Verein finanziert sich nur durch Spenden. Im Monat sind etwa 6000 Euro nötig. „Wir stehen auf sicheren Beinen“, sagt Neuendorf. Für große Investitionen reicht das Geld aber nicht. Trotzdem stehen einige Projekte an. Ein neues Kühlhaus entsteht schon, außerdem soll ein großes Außengehege für die Tiger gebaut werden.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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