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Randale : Silvesternacht in Frankreich von schweren Ausschreitungen überschattet

  • Aktualisiert am

Brennendes Auto in Straßburg Bild: AP

In Frankreich steckten in der Silvesternacht Randalierer landesweit über 200 Autos in Brand.

          Brandstiftungen und Ausschreitungen in mehreren Städten sowie ein Sprengstoffattentat im Elsass haben die Silvesternacht in Frankreich überschattet. Bei dem Anschlag im elsässischen Städtchen Barr wurden nach Angaben der Behörden in der Nacht zum Dienstag neun Menschen leicht verletzt. Landesweit steckten zumeist jugendliche Randalierer nach Polizeiangaben über 200 Autos in Brand. In Straßburg wurden vier Polizisten verletzt, als sie nach Ausschreitungen in einem Vorort eingriffen.

          Besonders schwere Zwischenfälle wurden, wie bereits in den Vorjahren, im Elsass sowie im Großraum Paris registriert. In der ostfranzösischen Grenzregion gingen 76 Autos in Flammen auf, davon 44 allein in Straßburg. Insgesamt 30 Verdächtige wurden festgenommen, wie der Straßburger Staatsanwalt Edmond Stenger am Dienstag mitteilte. In der Europastadt waren fast 700 Polizisten im Einsatz.

          Im Straßburger Vorort Neuhof, einem der sozialen Brennpunkte am Rande der Stadt, kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Banden von Jugendlichen. Vier Polizisten wurden verletzt, als zwei offenbar betrunkene Männer aus einem Fenster mit Schrotgewehren auf sie schossen. Einer der Verletzten musste notoperiert werden. Die mutmaßlichen Schützen wurden am Morgen festgenommen.

          Im rund 35 Kilometer entfernten Winzerort Barr wurden neun Menschen leicht verletzt, als am Morgen gegen vor dem örtlichen Festsaal ein Sprengsatz explodierte. Die meisten von ihnen erlitten Schnittwunden. In dem Saal feierten rund 160 Einwohner den Jahreswechsel, darunter viele Familien mit Kindern. Bereits in den Stunden zuvor sowie am Samstag waren in dem rund 6.000 Einwohner zählenden Ort kleinere, offenbar selbstgebastelte Sprengsätze hochgegangen, die nur Sachschaden anrichteten. Wer hinter diesen Anschlägen steckt, war zunächst unklar.

          Angespannte Stimmung in Sozialwohnungsvierteln

          Brandanschläge auf Autos und andere Vandalenakte wurden auch in mehreren Gemeinden im Großraum Paris registriert. Dabei handelte es sich meist um große Sozialwohnungsviertel. Im Vorort Vitry war die Stimmung angespannt, seit am Mittwoch ein junger Bewohner des Viertels bei einem Banküberfall von Polizisten erschossen wurde.

          Im Elsass sorgen Ausschreitungen in der Silvesternacht bereits seit Jahren regelmäßig für Negativ-Schlagzeilen. Brandanschläge auf Autos sind in einigen der sozialen Brennpunkten am Rande der elsässischen Städte das ganze Jahr über an der Tagesordnung. So wurden nach Behördenangaben in den beiden elsässischen Departements von Anfang Januar bis Ende Oktober dieses Jahres 997 abgefackelte Autos registriert. Polizeigewerkschaften zufolge liegt die tatsächliche Zahl der angezündeten Autos noch höher.

          Politiker rätseln über Ursachen

          Über die Ursachen des Phänomens rätseln Politiker und Soziologen seit Jahren. „Ein Grund ist sicher die hohe Arbeitslosigkeit in den sozialen Brennpunkten, wo vor allem Jugendliche ausländischer Herkunft kaum Zukunftschancen haben“, meint Juan Matas, Soziologe an der Straßburger Universität. Immer mehr Bewohner dieser Viertel fühlten sich von der Gesellschaft ausgegrenzt. Hinzu komme ein „gewisser Imitationseffekt“. Dafür spreche, dass die „Mode des Autoabfackelns“ mittlerweile auf andere französische Städte übergegriffen hat.

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