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Raf-Simons-Debüt bei Dior : Großer Glanz für Paris

Die anderen sind um so stärker beeindruckt. Arnaults Tochter Delphine drückt ihn ungelenk. Seine Antwerpener Kollegin Veronique Branquinho findet die Kollektion „very fresh“. Seine Mutter wundert sich noch immer über ihren Sohn, der sich doch früher „nur für Möbel“ interessiert habe. Und sein Geschäftsführer, Dior-Chef Sidney Toledano, freut sich über den „starken Moment“ und die „neue Energie“, um gravitätisch zu verkünden: „Er nimmt den Geist des Hauses auf und bringt die Marke nach vorn.“

Ausnahmsweise sagt uns auch diese lyrische Umschreibung etwas. Denn nach den Eröffnungs-Smokings entwickelt Raf Simons das Thema weiter zu Tuxedo-Kleidern, die Diors berühmter Bar-Jacke entspringen und als schulterfreies Minikleid einfach stark aussehen. Die weiterentwickelte Bar-Jacke mit den Schößchen, die für Cocktail-Nachmittage gedacht war (was es damals so alles gab!), ist das schönste Beispiel für Rafs Modekunst.

Auf sonnenklar ausgewählten Models und vor dem Hintergrund treibender Musik, die Klang-Kompilator Michael Gaubert unter das Motto „Gefahr“ stellt, wie er später sagt, entfaltet sich ein spektakuläres Spektrum: Wie er die nur leicht ausgestellte Jacke durch ein streng plissiertes Seidenkleid konterkariert, wie er den Damen beiläufig noch den Umsatzbringer Krokotasche in die Hand drückt, wie er die Kollektion dann öffnet für eine Reihe metallisch bunt schimmernder Seidenkleider in verblüffender Kürze, wie er die Jacken in Blütenkelchform auslaufen lässt (als kleinen Gruß an den Blumenliebhaber Christian Dior), wie er eines der Bustierkleider aus blassroséfarbener Seide und metallicblauem Organza um Brust und Hüfte drapiert – das ist ganz großes Kino, ein Glanzpunkt von Paris und ein Feuerwerk der Referenzen.

Nicht, dass er unfehlbar wäre. Das Finale mit den Ballkleidern, eher Ballonkleidern, wirkt ziemlich aufgeblasen. Aber ein Dior-Designer muss eben auch an Russland und China denken.

Der Designer Raf Simons  zeigt sich am Ende der Show den Zuschauern.
Der Designer Raf Simons zeigt sich am Ende der Show den Zuschauern. : Bild: AFP

Der nette Herr Simons hat mit dieser Kollektion gleich mehrere Probleme gelöst. Er betet nicht – wie so viele andere – den neuen Minimalismus der in den letzten Jahren tonangebenden Marke Céline nach. Er hat aber auch mit dem barocken Überschwang John Gallianos nicht viel zu tun und vereinfacht in Fortsetzung seiner Jil-Sander-Kollektionen alles Aufgedonnerte. Er gibt also der Marke Dior einen neuen Sinn – und das lässt auf eine lange Epoche hoffen in Zeiten, in denen die Designer die Marken wechseln wie die Fußballtrainer die Vereine.

Und noch mehr sagen uns die Smokings – Raf, der als Herren-Designer schon in den Neunzigern die engen Hosen vorwegnahm, die Hedi bei Dior Homme seit 2000 so populär machte, spricht eben mehr durch Textilien als durch Texte. Die Damen-Smokings, die eine Erfindung von Yves Saint Laurent sind, holen den zu Unrecht vertriebenen genialen Modemacher metaphorisch zu Dior zurück, betonen also die klassische Moderne statt des schwülstigen Klimbims. Und die Smokings rufen Hedi zu: Wir sind schon da! Raf Simons ist eben nicht nur ein Mega-, sondern auch ein Meta-Designer. Mal sehen, ob Hedi Slimane diese Botschaft verstanden hat.
 

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