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Radfahren : Auf und Ab mit dem Helm

Die Modebranche hat den Fahrradhelm entdeckt Bild: dapd

Trotz steigender Opferzahl sind derzeit nur neun Prozent der Radfahrer bereit, einen Helm aufzusetzen. Verkehrsminister Ramsauer droht nun mit einer Tragepflicht.

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          Tropenhelm, Basecap, Chanel-Hütchen: Immer mehr Fahrradfahrer sind mit diesen Kopfbedeckungen unterwegs, die allerdings im Vergleich zu den Originalen leicht überdimensioniert wirken. Die Modebranche hat den Fahrradhelm entdeckt. Dem Erfindungsreichtum der Designer ist dabei nur die Grenze gesetzt, dass das Modell dem herkömmlichen Schutz der Radrennfahrer möglichst wenig ähneln darf. Die klobige Hartschale als modisches Accessoire: Diese Neuerung könnte dazu beitragen, dass die Akzeptanz für den Kopfschutz steigt.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Denn derzeit sind nur neun Prozent der Radfahrer bereit, einen Helm aufzusetzen, wie das Bundesverkehrsministerium ermittelt hat. Dem Ministerium, das sich um die Verkehrssicherheit sorgt, missfällt das. „Der Anteil der Helmträger muss signifikant steigen, auf mehr als 50 Prozent. Sonst müssen wir in den nächsten Jahren zu einer Helmpflicht kommen“, drohte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Dienstag in Berlin. Im nationalen Sicherheitsplan, den er im November vorstellen will, verzichtet er jedoch auf den Zwang zum Schutz, „weil es schon überall so viel Zwang in der Gesellschaft gibt“.

          Im Gespräch ist auch ein Tempolimit für Radfahrer

          Längst will die Politik die Gefahren für radelnde Bürger verringern. Im Gespräch sind ein Tempolimit für Radfahrer, die kombinierte Geh- und Fahrradwege benutzen, eine Warnwestenpflicht sowie eine Nummernschild-, Führerschein- und Versicherungspflicht - und eben die Helmpflicht. Die Länderverkehrsminister entschieden im Frühjahr, es bei einer Empfehlung zum Helm zu belassen. Statt auf Zwang setzen sie auf Prävention. Der Bundesminister solle lieber Initiativen starten, die mehr Radfahrer dazu bewegen, einen Helm zu tragen, und überdies haftungs- und versicherungsrechtliche Fragen einer Helmpflicht für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre prüfen.

          An diesem Mittwoch präsentiert das Statistische Bundesamt neue Zahlen zu Unfällen mit Radfahrern. Demnach kamen in Deutschland in den ersten sieben Monaten des Jahres 206 Radfahrer ums Leben, 8196 wurden schwer verletzt. Die Zahl der Opfer ist in den Vorjahren stets stark gewachsen. Während dieses Jahr bislang weniger Todesfälle zu beklagen sind, steigt die Zahl der Schwerverletzten weiter - im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum um 11,5 Prozent. Hinzu kommen 43.799 Leichtverletzte. Etwa in der Hälfte der schweren Fälle erlitten die Unfallopfer Kopfverletzungen. Nicht selten, so meint Ramsauer, hätten die Unfälle glimpflicher ausgehen können, hätte der Radler Helm getragen.

          In diesem Jahr kamen bislang 206 Radfahrer ums Leben

          Doch nicht alle Forscher sind vom Nutzen des Helms überzeugt. Schließlich vergrößert er den Kopfdurchmesser um etwa 20 Prozent - und damit den Hebel für äußere Krafteinwirkungen. Besonders bei einem seitlichen Aufprall werden die Einwirkung auf die Halswirbelsäule durch den Helm sogar größer. Andere Studien belegen, dass mit Helm die Gefahr einer schweren Kopfverletzung sinkt. Noch ein Kritikpunkt: Der Helm könne ein falsches Sicherheitsgefühl hervorrufen, dass zum riskanteren Fahren verleite. Das sei auf Skipisten zu beobachten, auf denen die Fahrer mit Helm inzwischen in der Überzahl sind. Außerdem könnten Autofahrer den Kopfschutz überschätzen - und rücksichtsloser fahren.

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