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Prinz Philip wird 95 : „Ich bin einfach da“

Die Frau herrschte über das Reich, der Mann über den Hof: Prinz Philips Rolle im Hintergrund. Bild: AFP

Seit sieben Jahrzehnten steht Prinz Philip treu an der Seite seiner Gemahlin Königin Elisabeth II. Er verkörpert die alte Variante des knorrigen englischen Gentleman. Nun feiert der Duke of Edinburgh seinen 95. Geburtstag.

          5 Min.

          Feiern zum Gedenken an Kriegsopfer liegen Prinz Philip mehr als, zum Beispiel, Eröffnungen multikultureller Begegnungsstätten. Und so waren viele besorgt, als er in der vergangenen Woche in Kirkwall fehlte. Bundespräsident Joachim Gauck musste mit Philips Tochter Anne vorliebnehmen, als sich Briten und Deutsche auf den Orkney-Inseln vor Schottland an die Seeschlacht am Skagerrak erinnerten, die vor 100 Jahren einen Höhepunkt im Ersten Weltkrieg markierte. Prinz Philip fühlte sich „nicht wohl“ und blieb der Feier auf ärztliches Anraten fern. Aber es war nichts Ernstes. Einen Tag später begrüßte er an der Seite der Königin den Bundespräsidenten im Buckingham Palace. Am Wochenende war er schon wieder beim Pferderennen in Epsom, am Dienstag in Wales.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Prinz Philip steht aber immer in der zweiten Reihe – selbst an seinem 95. Geburtstag. Wenn er an diesem Freitag in der ehrwürdigen St.-Pauls-Kathedrale sitzt, feiert er zwar Geburtstag, aber nicht seinen eigenen, sondern den seiner Frau. Die Geburtstagsfeierlichkeiten für Königin Elisabeth II., die schon im April 90 Jahre alt wurde, enden erst an diesem Wochenende, wenn die Militärparade auf dem Horse Guards Parade abgehalten wird und Bands auf der Mall zur großen „Street Party“ einladen. Für Prinz Philip feuert die King’s Troop Royal Horse Artillery am Freitag ein paar Salutschüsse im Hyde Park ab.

          Den Prinzgemahl zu unterschätzen wäre ein Fehler. Dass er der Königin seit sieben Jahrzehnten in gebotenem Abstand folgt und dabei, wie er einmal sagte, zum „größten Fachmann der Welt im Gedenktafelnenthüllen“ wurde, beschreibt nur den offiziellen Teil seines Wirkens, zu dem er stets eine kaum merkliche ironische Distanz hält, um auszudrücken, dass er auch eine Persönlichkeit aus eigenem Recht ist. Dass er einmal zu einem prägenden Gesicht des Vereinigten Königreichs werden sollte, lag fern, als er am 10. Juni 1921 als „Prinz von Griechenland und Dänemark“ auf Korfu geboren wurde. Ihn erwartete ein Leben als mediterraner Prinz. Doch diese Zukunft endete nur eineinhalb Jahre später, als er, versteckt in einer Apfelsinenkiste, an Bord eines Frachters außer Landes gebracht wurde – eine Folge des griechisch-türkischen Krieges. Im Pariser Exil zerbrach seine Familie. Der Vater, Prinz Andreas (aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg), lebte fortan mit seiner Geliebten in Cannes. Die Mutter, Alice von Battenberg (eine Urenkelin Königin Victorias), wurde immer kränker und hielt sich bald nur noch in Sanatorien auf. Auch seine vier älteren Schwestern verlor er aus den Augen; sie verstreuten sich über Europa und heirateten später allesamt deutsche Prinzen. Es war die britische Verwandtschaft der Mutter, besonders Louis Mountbatten, der sich um Philip kümmerte und die erzieherische Verantwortung, den Gepflogenheiten folgend, an die besten europäischen Internate weiterreichte. Großer Einfluss auf den heimatlosen Prinzen wird dem deutschen Pädagogen Kurt Hahn zugemessen, der ihn zunächst in Salem, dann im schottischen Gordonstoun unter die Fittiche nahm. Vor allem auf Hahns Erziehung seien Philips prägende Charakterzüge zurückzuführen, schrieb der Journalist und Königshaus-Historiker Andrew Marr vor einigen Jahren: der Verzicht auf Selbstmitleid, der Glaube an das Sachliche, die an Provokation grenzende Kantigkeit, die gut versteckte Intellektualität und nicht zuletzt das Interesse an der Natur.

          Ohne britische Staatsangehörigkeit

          Ohne britische Staatsangehörigkeit, aber mit besten Beziehungen ausgestattet, begann Philip, der nach der Schule den Namen Mountbatten – die englische Übersetzung von Battenberg – angenommen hatte, eine Karriere in der Königlichen Marine. Glorios waren die Jahre nicht. Wenn der Junggeselle seinen Onkel Louis in London besuchte, auch um die Nähe zur jungen Elisabeth zu suchen, fuhr er dritter Klasse, und die Diener des Hauses nutzten seinen Schlaf, um ihm die Hemden zu waschen und die Socken zu stopfen.

          Schon als Kadett, im Alter von 18 Jahren, hatte der hochgewachsene und gutaussehende Philip die fünf Jahre jüngere Elisabeth getroffen. Die Begegnung muss intensiv gewesen sein, denn die beiden blieben in Briefkontakt, während Philip im Zweiten Weltkrieg in fernen Gewässern für das Königreich kämpfte. Als er 1946 – nach nur einem weiteren Treffen mit Elisabeth – bei König Georg VI. um ihre Hand anhielt, sahen manche darin etwas Anstößiges. Der Krieg lag erst ein Jahr zurück, und die deutsche (oder deutsch verheiratete) Verwandtschaft des Bräutigams war zur Hochzeitsfeier nicht erwünscht.

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