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WM-Boykott : „Ich werde sogar die Push-Nachrichten der ‚Kicker‘-App ausschalten“

Markus Mutz beim Jugendtraining des TSV Leinfelden – seiner „Ersatzdroge“. Bild: Maximilian von Lachner

Selbst leidenschaftliche Fußballfans boykottieren diese WM. Das liegt an den Missständen in Qatar – aber nicht nur. Sie sehen den Profifußball in der Krise und hoffen auf eine Wende. Zu Besuch bei drei Kritikern.

          7 Min.

          Wer Markus Mutz ausschließlich als Ju­gend­trainer des TSV Leinfelden kennt, dürfte erstaunt sein, mit welcher Vehemenz dieser auf dem Fußballplatz so freundliche Mann über den Profifußball schimpfen kann. Beim „Bambini-Training“ mit 30 Kindern strahlt er eine beeindruckende Ruhe und Zugewandtheit aus. Er knotet geduldig Schnürsenkel, lacht viel, klatscht permanent und lobt einen ehrlicherweise ziemlich läppischen Tritt gegen den Ball mit der Feststellung: „Das war ein schöner Schuss!“

          Eva Schläfer
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Etwa 20 Kilometer liegt der Fußballplatz des TSV Leinfelden vom Neckarstadion in Stuttgart entfernt. Offiziell heißt der Bau schon seit Anfang der Neunzigerjahre anders, aber Markus Mutz nennt ihn bei seinem alten, werbefreien Namen. Zu ziemlich genau jener Zeit, in der das Neckarstadion in „Gottlieb-Daimler-Stadion“ umbenannt wurde – 1993 war das; seit 2008 firmiert es unter „Mercedes-Benz-Arena“ –, bekam die einst von großer Begeisterung geprägte Beziehung zwischen dem heute 50-jährigen Mutz und dem Profifußball erste Risse. Mittlerweile ist sie mehr als abgekühlt. „Die Qatar-WM ist ein vorläufiger Höhepunkt in der Heuchelei der Verbände und Spitzenklubs“, sagt der Jugendtrainer – und guckt sehr ernst.

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