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Punta del Este : Werben um den schäbigen Nachbarn

  • -Aktualisiert am

Urlaubsziel: Punta del Este Bild: AFP

Viele Argentinier können sich den liebgewordenen Urlaub in Punta del Este in Uruguay nicht mehr leisten. Die Regierung lässt die Inflationsrate schönrechnen.

          4 Min.

          Ein Unwetter mit Regen, orkanartigen Böen und einem heftigen Temperatursturz: Widriger hätte das neue Jahr in Punta del Este, dem Badeort an der östlichen Spitze Uruguays, nicht beginnen können. Schlechtes Vorzeichen für eine ohnehin schwierige Feriensaison im Sommer auf der Südhalbkugel. „Punta“ ist die traditionell etwas feinere Sommerfrische für Argentinier, die über die Massenquartiere im eigenen Land wie Mar del Plata die Nase rümpfen. Und die auch dort, wenn auch auf andere Weise, zur „kritischen Masse“ werden. Uruguay droht eine Katastrophe, weil viele der früher so zahlungskräftigen argentinischen Nachbarn ausbleiben könnten.

          Die Regierung in Buenos Aires hat, um den Dollarschwund in der Staatskasse aufzuhalten, Beschränkungen und Kontrollen im Devisenhandel verfügt, die auf offiziellem Weg den Tausch von argentinischen Pesos in ausländische Währungen fast unmöglich machen. Ein Zuschlag von 15 Prozent auf Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland und andere Schikanen erschweren Auslandsreisen zusätzlich. Es ist erklärtes Ziel der Regierung von Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, ihre Landsleute im Land zu halten.

          Die uruguayische Regierung, die Behörden, Organisationen und Unternehmen des Tourismus mussten sich einiges einfallen lassen, um trotzdem die Besucher vom anderen Ufer des Río de la Plata anzulocken. Montevideo will bis zum 30. März die Mehrwertsteuer auf touristische Leistungen - Hotelübernachtungen, Mahlzeiten in Restaurants, Autovermietung - zumindest zum Teil an Nichturuguayer zurückerstatten. Manche Hotels bieten für Argentinier 15 Prozent Ermäßigung in der Hochsaison zwischen dem 24. Dezember und dem 28. Februar. Ebenso sollen 10,5 Prozent des Mietpreises bei den an Ausländer vermieteten Ferienwohnungen nachgelassen werden. Die Erstattung gilt allerdings nur bei Zahlung mit Kredit- oder Debitkarten. Die aber wurden bislang nur selten von Argentiniern benutzt.

          Als „Gastgeschenk“ ein Gutschein

          Wer bis zum 30. März mit einem im Ausland registrierten Auto in Uruguay einreist, erhält als „Gastgeschenk“ einen Gutschein über 25 Dollar für Benzin sowie im Umkreis von 20 Kilometern zu den Grenzposten einen Nachlass von 28 Prozent, wenn mit Karte bezahlt wird. Ferner gibt es Vergünstigungen bei der Benutzung von Internet und Handys. An den Grenzen, an Häfen und Flughäfen, sollen mehr Stellen zur Rückerstattung der Mehrwertsteuer eingerichtet werden. Die Rückerstattung gilt nicht nur für uruguayische, sondern auch für importierte Ware wie Kleidung und Lebensmittel.

          Die „Touristenwährung“ in Uruguay ist traditionell der amerikanische Dollar, doch inzwischen ist zwangsläufig der argentinische Peso fast ein gängiges Zahlungsmittel in „Punta“ geworden. Immer mehr Geschäfte nehmen ihn zu einem vergleichsweise günstigen Kurs entgegen, obwohl es nicht einfach ist, die Währung aus dem Nachbarland wieder loszuwerden. Der uruguayische Präsident José „Pepe“ Mujica beklagte sich persönlich darüber, dass sich Frau Kirchner bei Gesprächen über Erleichterungen im Devisenhandel für Touristen sehr „hartnäckig“ gezeigt habe. Uruguayische Unternehmer beschweren sich darüber, dass die von Buenos Aires verhängten Restriktionen gegen die Abkommen des Mercosur-Bündnisses verstießen.

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