https://www.faz.net/-gum-86o9a

Psychologie-Studie : Nach dem ersten Kind haben viele Eltern genug

  • -Aktualisiert am

Vier Kinder sind vielen Eltern drei zu viel. Bild: dpa

Kinder sind das größte Glück? Häufig nicht, behaupten Wissenschaftler aus Deutschland und Kanada. Einer Studie zufolge drückt die erste Elternschaft oft mehr aufs Gemüt als so mancher Schicksalsschlag.

          Ein strahlendes Babylächeln und alle Sorgen sind vergessen – nicht nur in Werbespots für Windeln wird jungen Paaren die Elternschaft als großes Glück verkauft. Doch die Realität sieht oft anders aus: Vielen Eltern schlägt die Geburt des ersten Kindes nachhaltig aufs Gemüt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung in Rostock in Zusammenarbeit mit der University of Western Ontario in Kanada, die im Fachjournal „Demography“ veröffentlicht wurde. Demnach sinkt bei vielen Müttern und Vätern die Lebensfreude deutlich im Vergleich zur zuvor kinderlosen Zeit.

          „Wie zufrieden sind sie insgesamt mit ihrem Leben?“ wollten die Wissenschaftler Rachel Margolis und Mikko Myrskylä von mehr als 2000 deutschen Teilnehmern wissen. Die befragten Paare sollten zu mehreren Zeitpunkten – von vor der ersten Schwangerschaft bis mindestens zwei Jahre nach Geburt des ersten Kindes – die Antwort mit Hilfe einer Bewertungsskala von 0 (völlig unzufrieden) bis 10 (völlig zufrieden) abgeben. Das Ergebnis: Ein Kind kann einen erheblich negativen Einfluss auf den Gemütszustand einer Personen haben – schlimmer als der Tod des Ehepartners.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Im Schnitt bewerteten die Befragten ihre Zufriedenheit in den ersten zwei Jahren nach der Erstgeburt um 1,4 Punkte schlechter als im Vergleich zur kinderlosen Zeit. Dieser Abfall ist drastischer als bei vergleichbaren Studien, in denen die Auswirkungen von anderen prägenden Lebensveränderungen auf die menschliche Psyche untersucht wurden. Nach einer Scheidung sanken die Werte der Betroffenen etwa nur um 0,6 Punkte, der Verlust des Berufs oder der Tod eines Partners verursachten Abstürze um einen Punkt. Insgesamt blieben die Zufriedenheitswerte nur bei etwa 30 Prozent der Befragten nach der Geburt des ersten Kindes stabil oder verbesserten sich.

          Hohe Diskrepanz zwischen Kinderwunsch und Geburtenrate

          Aufgrund der schlechten Erfahrungen mit dem ersten Kind entscheiden sich der Untersuchung zufolge viele Eltern gegen weiteren Nachwuchs. „Die Stimmung der Eltern nach der Geburt des ersten Kindes ist ein Indikator, um die Wahrscheinlichkeit weiterer Kinder in der Familie zu prognostizieren“, sagt Myrskylä. Je stärker der Abfall in der Bewertungsskala, desto eher verzichteten die Eltern auf weitere Kinder. Dies gelte insbesondere für gut ausgebildete Mütter und Väter, die älter als 30 Jahre sind.

          Die Studie gibt damit eine mögliche Antwort auf die Frage, warum in vielen Industrieländern der Kinderwunsch von kinderlosen Paaren und die Zahl der tatsächlich geborenen Kinder stark voneinander abweichen. In Deutschland ist diese Diskrepanz besonders hoch. Die meisten Paare geben hierzulande in Umfragen an, zwei Kinder zu wollen – in den vergangenen knapp 40 Jahren lag die Geburtenrate hingegen bei nur 1,5 Kindern pro Elternpaar.

          Margolis und Myrskylä unterscheiden drei Kategorien von Schwierigkeiten, die bei jungen Eltern auf die Stimmung drücken. Neben gesundheitlichen Komplikationen bei den Müttern können auch Schmerzen bei der Geburt zu der Entscheidung führen, sich diesen nicht noch einmal auszusetzen. Der wichtigste Faktor bilde aber der Stress während der ersten Monate der Elternschaft. Schlafentzug, Beziehungsprobleme und häusliche Vereinsamung können dann den Ausschlag geben, kein weiteres Kind in die Welt zu setzen.

          Weitere Themen

          Shakira wegen Steuerhinterziehung angeklagt

          Sängerin aus Kolumbien : Shakira wegen Steuerhinterziehung angeklagt

          Die spanische Staatsanwaltschaft hat Klage gegen Shakira erhoben. Der kolumbianischen Künstlerin wird vorgeworfen, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Ihre Anwälte hatten offenbar vorher versucht, den Fall außergerichtlich zu klären.

          Topmeldungen

          EU-Gipfel in Brüssel : Im absoluten Krisenmodus

          Die Stimmung auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist gereizt. Die EU will Theresa May nicht geben, was sie will, die Stimmen aus ihrer Heimat sind vernichtend. Und dann löchert Angela Merkel die Premierministerin noch mit Fragen.

          Neue Gesetze : Was sich 2019 alles ändert

          Eine Reihe von Neuregelungen können zum 1. Januar 2019 kommen – in der letzten Sitzung des Jahres gab der Bundesrat dafür grünes Licht. Eine Verfassungsänderung bremst die Länder aber erst einmal aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.