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Prozess um Jonny K. : Gutachter in Frage gestellt

  • Aktualisiert am

Trauerbekenntnis am Alexanderplatz in Berlin Bild: dpa

Erinnerungslücken, Zweifel an Gutachtern, gelangweilte Angeklagte - der Prozess um die tödliche Gewaltattacke gegen Jonny K. kommt nur schleppend voran.

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          In dem neu aufgelegten Prozess um die tödliche Prügelattacke nahe dem Berliner Alexanderplatz haben Verteidiger ein medizinisches Gutachten in Frage gestellt. Der Institutsdirektor der Neuropathologie der Berliner Charité, Frank Heppner, wurde daraufhin am Donnerstag auf Antrag eines Anwalts vereidigt. Die Untersuchung sei unparteiisch und nach bestem Wissen und Gewissen erfolgt, sagte der Charité-Professor. Eine Vereidigung von Sachverständigen ist laut Gericht selten.

          Der Mediziner hatte das Gehirn von Jonny K. untersucht und eine „Vorschädigung“ ausgeschlossen. Das Prügelopfer starb im Oktober 2012 an massiven Gehirnblutungen. Der Tod des Zwanzigjährigen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

          Sechs Angeklagte im Alter zwischen 19 und 24 Jahren müssen sich vor einer Jugendkammer des Landgerichts wegen gefährlicher Körperverletzung oder Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Der erste Prozessanlauf war wegen Befangenheit eines Schöffen geplatzt. Laut Anklage war Jonny K. durch einen Gewaltangriff zu zunächst zu Boden gegangen. Zudem wurde ein Freund von ihm schwer verletzt.

          Während Anwälte und Richter Fotos von den Verletzungen des Opfers begutachteten, ließ sich der 19 Jahre alte Onur U. Wasser reichen und blickte entspannt um sich. Der Angeklagte war monatelang auf der Flucht in der Türkei, bevor er sich den deutschen Behörden stellte. Er sitzt zusammen mit einem mutmaßlichen Komplizen in U-Haft, die anderen sind auf freiem Fuß.

          „Zeichen äußerer Gewalteinwirkung“

          Ob die massiven Blutungen durch Faustschläge, Fußtritte oder einen Sturz ausgelöst wurden, lasse sich nicht genau feststellen, sagte ein Oberarzt, der Jonny K. obduziert hatte. Es habe „Zeichen äußerer Gewalteinwirkung“ gegeben, obwohl der Leichnam äußerlich nicht so schwer verletzt gewesen sei.

          Die Angeklagten hatten zwar Schläge und Tritte eingeräumt. Eine Verantwortung für den Tod des Zwanzigjährigen bestritten sie aber.

          Eine Ärztin sagte, als der schwer verletzte Jonny K. am Morgen des 14. Oktober ins Krankenhaus eingeliefert wurde, habe es keine Chance mehr auf Besserung gegeben. „Die Computertomographie zeigte schwerste Gehirnblutungen.“

          Zeugen mit Erinnerungslücken

          Drei mutmaßliche Augenzeugen, die in der Nacht von einer Party in der Nähe kamen, beriefen sich wiederum auf Erinnerungslücken. Sie hätten zwar eine Schlägerei gesehen, alles andere blieb unklar. Richter Helmut Schweckendieck zeigte sich verärgert: „Ausdenken darf man sich nichts, im Gedächtnis nachgraben muss man schon.“

          Unterdessen hat ein Verteidiger Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Bei Facebook seien Fotos der Angeklagten aufgetaucht, sie würden in dem sozialen Netzwerk beleidigt, es werde zu Gewalt gegen sie aufgerufen. Einer der Angeklagten traue sich nicht mehr aus dem Haus. Eine öffentliche Vorverurteilung kann laut Gericht zudem zu einer Strafmilderung führen.

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