https://www.faz.net/-gum-8my30

Landgericht Dresden : Zweiter Prozess gegen Polizisten, der Mann zerstückelte

  • Aktualisiert am

Im Landgericht Dresden wird der Fall um die Zerstückelung eines Mannes wieder aufgerollt (Archivbild). Bild: dpa

Ein Kriminalbeamter zerstückelt die Leiche eines Bekannten aus dem Internet. Unklar ist, ob er den Mann zuvor auch getötet hat. Darum geht es in diesem schaurigen Prozess abermals.

          Erhängt, zerstückelt, verscharrt: Noch einmal listete Oberstaatsanwalt Andreas Feron am Dienstag im Dresdner Landgericht schockierende Details und bizarre Phantasien auf. Reichlich anderthalb Jahre nach dem ersten Mordprozess gegen den vom Dienst suspendierten Kriminalbeamten Detlev G. ging es im Saal 1.05 abermals um das abnorme Ende eines Geschäftsmannes aus Hannover (Niedersachsen) Anfang November 2013 im Gimmlitztal (Osterzgebirge). Der 58-Jährige habe Wojciech S. in seiner Pension im Gimmlitzal (Osterzgebirge) getötet und die Leiche zersägt – „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“, fasste Feron die Ermittlungen zusammen. Der Angeklagte bestreitet die Tötung.

          Der frühere Schriftsachverständige beim Landeskriminalamt war im April 2015 zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt worden. Die Richter sahen im unbedingtem Todeswunsch von Wojciech S. einen außergewöhnlichen Umstand und nahmen von einer bei Mord üblichen lebenslangen Haftstrafe Abstand. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil ein Jahr später auf und verwies den Fall ans Landgericht zurück. Eine mögliche Selbsttötung des Opfers und ein Gutachten zum verwendeten Strick seien nur ungenau geprüft worden, begründete der 5. Strafsenat.

          Laut Anklage hat G. am 4. November 2013 seinem Gast ein Kletterseil um den Hals gelegt, ihn mit einem Flaschenzug nach oben gezogen und so getötet. Nach Angaben der Rechtsmedizin wurde der Mann erdrosselt. Danach zersägte G. die Leiche mit einer Elektrosäge und vergrub die Teile auf dem Grundstück, schilderte Feron den Hergang. Die Männer kannten ihre Phantasien aus einem „Kannibalen“-Forum im Internet: S. träumte davon, geschlachtet und verspeist zu werden, und G., einen Menschen zu zerstückeln.

          G. gibt an, während der Selbsttötung Kaffee getrunken zu haben

          „Der Angeklagte filmte wesentliche Teile der Zerstückelung, um sich später durch das Anschauen des Films sexuell zu erregen“, sagte Feron. Das von G. gelöschte und rekonstruierte Video zeigt nicht, wie der 59-Jährige zu Tode kam. Der Kriminalist, der seit knapp drei Jahren in Untersuchungshaft ist, will zunächst schweigen. Aus im Gericht verlesenen Prozessakten geht hervor, wie er die Sache sieht. Danach wollte er die verabredete Schlachtung absagen, als er mit S. in die Pension im abgelegenen Gebirgstal fuhr, die er mit seinem damaligen Lebenspartner in der Freizeit betrieb.

          Wojciech S. habe sich im Keller selbst den Strick um den Hals gelegt, er selbst sei nach oben gegangen und habe Kaffee getrunken, beschrieb G. demnach das Szenario. Als er zurückkam, habe S. in der Schlinge gehangen, nach seiner Meinung tot. Der gebürtige Pole war laut G. „der eigentliche Initiator des Intermezzos“, er will dessen Drängen „im Glauben an Reinkarnation und aus medizinischer Neugier“ nachgegeben haben. Seine Anwälte wollen deshalb einen Freispruch vom Vorwurf des Mordes erreichen.

          Ob sich die Neuauflage des Prozesses tatsächlich auszahlt für Detlev G., ist offen. Bei einer Verurteilung wegen Mordes ist laut BGH nur die Höchststrafe möglich. Verteidiger Endrik Wilhelm sah „ehrliches Bemühen“ bei der Kammer, die Wahrheit herauszufinden. Sein Mandant meinte, von Journalisten nach Erwartungen befragt: „Man sollte mit dem Schlimmsten rechnen, dann kann es nur besser werden.“

          Der Prozess soll am 7. November mit der Befragung von Zeugen fortgesetzt werden.

          Weitere Themen

          See-Roller statt E-Roller

          Krimineller Trend in Marseille : See-Roller statt E-Roller

          Elektro-Roller sind nicht jedermanns Liebling: Jan Böhmermann witzelte kürzlich, man solle die Dinger einfach in die Spree werfen. In Marseille ist das längst kein Witz mehr – Jugendliche versenken dort seit Wochen Roller im Meer.

          Blut für die Dämonen Video-Seite öffnen

          Brutale Hahnenkämpfe : Blut für die Dämonen

          Auf der indonesischen Ferieninsel Bali hält sich unter dem Deckmantel der Religion ein barbarischer Brauch. Tierschutzorganisationen sind alarmiert – für die Männer kann es der Bankrott bedeuten.

          Ihm sei es nicht um Sex gegangen

          Mörder von Sophia L. : Ihm sei es nicht um Sex gegangen

          Seit Dienstag muss sich der mutmaßliche Mörder der Studentin Sophia L. vor dem Landgericht Bayreuth verantworten. Vor über einem Jahr hatte er die 28-Jährige in seinem Fahrzeug getötet. Sein Motiv für die Tat bleibt unklar.

          Topmeldungen

          Angriff auf Eritreer : Opfer wegen der Hautfarbe

          Der Schütze von Wächtersbach handelte aus rassistischen Motiven. Der niedergeschossene Eritreer war laut den Ermittlern ein Zufallsopfer. Ein Abschiedsbrief liefert ein weiteres Detail zur Tat.
          Blick ins Zwischenlager in Gorleben (Bild aus 2011)

          Atommüll-Entsorgung : So arbeitet Deutschlands erster Staatsfonds

          Wie kann man heute 24,1 Milliarden Euro anlegen? Die Antwort muss die Stiftung geben, die zur Finanzierung der Atommüll-Entsorgung gegründet wurde. Jetzt soll erstmals ein Gewinn zu Buche stehen.
          Winfried – Markus, Markus – Winfried: Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern, Kretschmann und Söder, in Meersburg

          FAZ Plus Artikel: Bayern und Baden-Württemberg : Auf der Südschiene

          Markus Söder und Winfried Kretschmann bemühen sich um Nähe zueinander. Der eine will umweltfreundlicher wirken, der andere ein wenig konservativer. Und beide sind sich einig, dass Deutschland einen starken Süden braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.