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Protokollarisches beim Oktoberfest : A bissl arg viel Schaum

  • -Aktualisiert am

An diesem Samstag beginnt in München das 179. Oktoberfest Bild: dapd

Wer mit wem den Maßkrug lupft und ins Hendl beißt - das ist in Bayern an diesem Wochenende von eminent politischer Bedeutung. Fest steht schon jetzt: Mit dem Dirndl der CSU-Kronprinzessin Ilse Aigner wird Horst Seehofes Trachtenanzug nicht mithalten können.

          Auf dem Oktoberfest, das an diesem Samstag beginnt, wird man protokollarischeren Feinheiten nachspüren können. Nicht nur, dass der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude nach dem pflichtgemäßen Urschrei „O’zapft is!“ die erste Maß Bier dem bayerischen Ministerpräsident Horst Seehofer reichen muss, den er im nächsten Jahr aus der Staatskanzlei vertreiben will. Ob der CSU-Vorsitzende seinem sozialdemokratischen Herausforderer den Kommentar „A bissl arg viel Schaum“ erspart, muss nicht wahlentscheidend sein, auch nicht, wie viele Schläge Ude für das Anzapfen des ersten Fasses braucht; aber es wird vermerkt werden.

          Seehofer ist an diesem Tag gleich in zweifacher Weise mit Nachfolgefragen befasst: Er eröffnet zusammen mit Ilse Aigner, der Bundeslandwirtschaftsministerin, das Zentral-Landwirtschaftsfest, das gleich neben der Wiesn stattfindet. Auch hier wird auf Zwischentöne geachtet werden, gilt Aigner doch seit ihrer Ankündigung, nach Bayern zurückzukehren, als CSU-Kronprinzessin. Der Trachtenanzug Seehofers, der ohnehin nur bedingt zum Parade-Bayern taugt, wird kaum mit Aigners Dirndl mithalten können, die darin immer wirkt wie die lang ersehnte Offensive der bayerischen Tourismuswerbung.

          Eine eigene Kutsche für SPD-Mann - die CSU ist verstimmt

          Am Sonntag wird es protokollarisch noch kniffeliger, denn der Sozialdemokrat Dieter Reiter, der wiederum Ude als Oberbürgermeister nachfolgen will, soll im Trachten- und Schützenumzug durch die Münchner Innenstadt in einer eigenen Kutsche fahren. Den Zorn der CSU, die ihren Kandidaten Josef Schmid - genannt Seppi - im Chefzimmer im Rathaus sehen will, über diese mobile Nobilitierung besänftigt auch nicht der Hinweis der SPD, Reiter sei als städtischer Wirtschaftsreferent verantwortlich für das Oktoberfest. „Man merkt die Absicht und ist verstimmt“, schimpft Ludwig Spaenle, der Vorsitzende der Münchner CSU.

          Wer in einer Kutsche Platz nimmt, wer den Zapfschlegel schwingt, wer den Maßkrug lupft und ins Hendl beißt, ist in Bayern zumindest an diesem Wochenende von eminent politischer Bedeutung. Allerdings könnte spätestens nach der zweiten oder dritten Maß Bier mit 13 Prozent Stammwürze eine gewisse protokollarische Beruhigung - oder Ermüdung - eintreten. Und nach dem Wochenende bricht ohnehin die große Gleichheit auf der Wiesn aus, bei der sich jeder Besucher angesichts der vielen Kameras, die das Oktoberfest zum medialen Ereignis werden lassen, sich mindestens als Halb-Prominenter fühlen kann, auch wenn ihm die Maß Bier, die in diesem Jahr zwischen 9,10 und 9,50 Euro kostet, nicht der Oberbürgermeister, sondern eine Bedienung reicht. Was reizvoller ist, dürfte ohnehin eine Geschmacksfrage sein.

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