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Prominente kaufen Immobilien : Monopoly in Kensington

Kaufte sich ein Stadthaus in der Redcliffe Road: Liz Hurley Bild: AFP

Wer zahlt mehr: Liz Hurley oder Madonna? Roman Abramowitsch, Hugh Grant oder aber Lakshmi Mittal? Sie alle jagen Häuser in Londons exklusiven Gegenden - Und die Preisspirale dreht sich immer weiter.

          5 Min.

          Die Straße in Londons Stadtteil Kensington ist nur wenige hundert Meter lang. Wer hier wohnt, gibt seine Adresse gern mit „KPG“ an - und kann davon ausgehen, dass jeder weiß, was sich dahinter verbirgt. KPG steht für „Kensington Palace Gardens“. Es ist eine der teuersten Adressen Londons. Ein paar Millionen auf dem Konto liegen zu haben reicht für dieses Umfeld nicht ganz aus - so jemand gilt in KPG als armer Schlucker.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          In grauer Vorzeit dehnten sich an dieser Stelle die Gärten von Kensington Palace aus, später wohnten hier Aristokraten. Heute residieren in den viktorianischen Villen russische Oligarchen, indische Erfolgsunternehmer und Mitglieder der arabischen Königsfamilie. Die Lage ist zentral und dennoch grün, denn gleich nebenan breitet sich der Hyde Park aus. Mit den Normalbürgern haben die Anwohner dennoch wenig zu tun - die Straße ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

          Wöchentlich klettern Londons Hauspreise

          Die neuen KPG-Anlieger kauften die Herrenhäuser vor gar nicht langer Zeit für derartig horrende Summen, dass selbst abgebrühte Immobilienmakler staunten. Ungeachtet dessen schoss der Wert der Immobilien weiter in die Höhe. Um 60 Prozent und mehr legten die Preise in dieser Gegend zu - innerhalb von zwei Jahren. „Früher kamen solche Häuser nur für Botschaften oder Unternehmen in Frage, aber nicht für Privatleute“, erinnert sich Dick Ford von der Maklerfirma „Knight Frank“. „Heute machen die Leute Privathäuser daraus - koste es, was es wolle.“

          Kensington Palace Gardens: Der Eingang zur sogenannten Milliardärstraße

          Für den unbeteiligten Beobachter spielt der Londoner Immobilienmarkt seit längerem schon verrückt. Wöchentlich klettern die Hauspreise. Was Makler heute als Rekordsumme bezeichnen, kann morgen schon der Durchschnitts- und übermorgen der Einstiegspreis sein. Auf Dinnerpartys machen Anekdoten die Runde wie jene über eine Garage in Chelsea, die so viel kostete wie ein Einfamilienhaus in einer deutschen Großstadt. Zwar lassen Warnungen, die Blase könne bald platzen und einen Preisrutsch auslösen, nicht nach. Bisher jedoch wurden die Pessimisten immer wieder eines besseren belehrt. Weder Terroranschläge noch Zinserhöhungen haben den Boom gebremst.

          Stadtpalast für 57 Millionen Pfund

          Lakshmi Mittal, der indische Stahlunternehmer und reichste Mann Großbritanniens, lebt seit zwei Jahren in Kensington Palace Gardens. Den Stadtpalast mit unzähligen Zimmern und einer Tiefgarage für mehr als zwanzig Autos kaufte er Bernie Ecclestone ab, dem Chef der Formel 1. Frau Ecclestone soll es in Kensington nicht gefallen haben. Mittal dagegen gefiel es so gut, dass er 57 Millionen Pfund (85,5 Millionen Euro) für die Immobilie zahlte. Eine kluge Entscheidung. Würde der Milliardär heute verkaufen, könnte er nach einer im „Evening Standard“ veröffentlichten Schätzung der Makler von „Savills“ 92 Millionen Pfund verlangen, 35 Millionen Pfund mehr, als er selbst investiert hat.

          Sein Nachbar, der russische Oligarch Leonard Blavatnik, zog etwa zur gleichen Zeit an der Straße ein, nachdem er sich ein hartes Bietergefecht mit Landsmann Roman Abramowitsch geliefert hatte. Bei 42 Millionen Pfund stieg Abramowitsch aus. Möglicherweise ärgert er sich heute darüber. „Savills“ beziffert den aktuellen Wert der Immobilie auf 65 Millionen Pfund. Dabei hat auch Abramowitsch, Eigentümer des FC Chelsea, mit seinen Immobiliengeschäften bislang nicht schlecht abgeschnitten. Für vierzig Millionen Pfund erstand der Russe vor kurzem vier Häuser am Chester Square im Diplomatenviertel Belgravia, die er derzeit zu einem einzigen Anwesen umbauen lässt. Heute wäre dieses Ensemble 56 Millionen Pfund wert. Außerdem sicherte er sich sechs Wohnungen in Knightsbridge für insgesamt dreißig Millionen Pfund. Seither haben auch in dem Viertel rings um das Kaufhaus Harrods die Preise kräftig angezogen.

          Preise in teuersten Gegenden am stärksten gestiegen

          Nach Erkenntnissen von „Knight Frank“ sind gerade in den sowieso schon teuersten Gegenden der Stadt die Preise am stärksten gestiegen. Während sich die Immobilien im Landesdurchschnitt im vergangenen Jahr um sieben Prozent verteuerten, bilanzierten die Makler in Belgravia einen Anstieg von 34,5 Prozent. Wohnungen in Chelsea, Kensington, Knightsbridge und Mayfair verteuerten sich um ein Viertel, für familienkompatible Objekte mussten Käufer 46 Prozent mehr als im Vorjahr zahlen. Im Schnitt kostet eine Immobilie in Kensington eine Million Pfund.

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