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Wetterprognose : Wie streng wird der Winter?

  • -Aktualisiert am

Neuschnee in Thüringen: In der Nacht auf Mittwoch schneite es in vielen Teilen Deutschlands. Bild: dpa

Eiseskälte und der erste Schnee in Deutschland, dabei ist gerade mal Mitte Oktober. Droht jetzt der Rekordwinter? Über El Niño, einen bayerischen Wetterpropheten und Kaffeesatzleserei.

          Autofahrer kratzen Eis von den Scheiben, Hausbesitzer schippen ihre Hofeinfahrten frei und der erste Schneemann ist auch schon fertig. So sah es am Mittwochmorgen in manchen Teilen Deutschlands aus. Während sich einige Schneeflocken sogar auf unter 300 Meter verirrten, werden im Laufe des Tages laut Deutschem Wetterdienst oberhalb von 600 Metern fünf bis zehn Zentimeter Neuschnee erwartet. Aber ist es dafür nicht viel zu früh? Und wie streng wird der Winter, wenn schon im Oktober Schnee liegt?

          Glaubt man dem bayerischen Wetterpropheten Sepp Haslinger, werden wir einen „Super-Winter“ bekommen. Seit mehreren Jahren trifft Haslinger seine Prognosen für die kalte Jahreszeit. Zu Hilfe nimmt er dafür die Königskerze, eine bis zu zwei Meter hohe Blume, die oft auch als „Wetterkerze“ bezeichnet wird. Nach eigener Aussage hat er sich noch nie geirrt. Weil er in den vergangen Jahren tatsächlich so manche Prophezeiung abgab, die sich bewahrheitete, ist Haslinger – zumindest in Bayern – mittlerweile ein beliebter Interviewpartner.

          Seine Prognose für den Winter 2015/16 traf der Mann aus Benediktbeuren bereits im August in einem Interview mit dem Tölzer Kurier. Und den ersten Schnee sagte Haslinger tatsächlich für Mitte Oktober voraus. Glaubt man dem Wetterpropheten, setzt sich der Winter aber nicht sogleich in Deutschland fest. Bis weit in den Dezember hinein erwartet er immer wieder Schneeflauten, auch auf „weiße Weihnachten“ müsse man verzichten. Doch für Januar und Februar sagt der frühere Almwirt den „Winter des Jahrhunderts“ voraus.

          Im Gegensatz zu Haslinger hält sich der Deutsche Wetterdienst bei Prognosen eher bedeckt: Zwar sei der Schneefall in der Nacht zum Mittwoch als „recht früh“ einzuordnen, aber auch nicht völlig außergewöhnlich, sagt Meteorologe Gerhard Lux. Ein Zusammenhang mit dem bevorstehenden Winter sei daraus jedenfalls nicht abzuleiten. Tatsächlich sei es im Oktober 2002 vorübergehend ähnlich kalt gewesen und 2010 habe es ähnlich früh zu schneien begonnen, ohne dass der Winter jeweils besonders streng ausgefallen sei. Laut Lux gibt es keine Methode, die verlässlich genug ist, um schon jetzt eine Aussage für das Winterwetter zu treffen. Man könne das Wetter lediglich für die nächsten sieben bis zehn Tage vorhersagen: „Das ist, was physikalisch möglich ist.“ Alles andere sei Kaffeesatzleserei oder einfach nur Statistik.

          „Das Christkind“ bringt Klima durcheinander

          Ein Wetterphänomen, das Haslingers These von einem strengen Winter stützen könnte, baut sich gerade vor der Küste Südamerikas auf: El Niño, „das Christkind“. Das alle drei bis vier Jahre wiederkehrende Phänomen ist hauptsächlich in anderen Weltgegenden zu spüren. Während es etwa in Asien und Australien zu höheren Temperaturen und Trockenheit führt, muss man sich im nordamerikanischen Kalifornien, wie auch in Teilen Afrikas auf starke Regenfälle einstellen.

          Doch El Niño könnte auch Auswirkungen auf den europäischen Winter haben: Eine 2011 im Fachmagazin „Journal of Geophysical Research“ veröffentlichte Studie der Klimatologen Hans Graf von der University of Cambridge und Davide Zanchettin vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg geht davon aus, dass es nach einem El Niño in Zentraleuropa unter bestimmten Bedingungen zu einem strengeren Winter kommen kann. In diesem Jahr wird zwischen Dezember und Februar ein außergewöhnlich starker El Niño erwartet. Ob das auch einen frostigen Winter in Europa zur Folge hat, darüber sind sich Experten aber nicht einig.

          Laut Eduardo Zorita vom Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung Geesthacht sind Aussagen über den Einfluss von El Niño auf den Winter in Europa „sehr gewagt“. Die Studien zu diesem Thema seien durchaus widersprüchlich. Es bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass es kälter wird, pauschal könne man dies jedoch nicht sagen. Dafür seien die Auswirkungen in Europa zu schwach, und die Entstehung des Winterwetters zu komplex: „Es wirken viele verschiedene Faktoren auf den Winter ein, El Niño ist nur ein Faktor von vielen.“

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