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Privatgeschäft Weltraumflug : Mit Falken und Drachen zur Raumstation

  • -Aktualisiert am

Startklar: die Trägerrakte „Falcon“ mit der unbemannten Kapsel „Dragon“ Bild: dpa

In Florida hebt an diesem Samstag ein Raumschiff ab. An sich ist das nichts Ungewöhnliches - würde die Rakete vom Typ „Falcon 9“ nicht von einem Privatunternehmen zur Internationalen Raumstation ISS geschickt.

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          Wenn alles nach Plan verläuft und das Wetter mitspielt, wird sich an diesem Samstag wieder einmal ein Raumschiff auf den Weg zur Internationalen Raumstation (ISS) machen. Morgens um kurz vor fünf Uhr (Ortszeit) soll eine zweistufige Rakete vom Typ „Falcon 9“ vom Startgelände auf dem Luftwaffenstützpunkt am Cape Canaveral in Florida abheben. Knapp zehn Minuten später wird sich eine mit 460 Kilogramm Versorgungsgütern beladene, unbemannte Kapsel von der Raketenoberstufe trennen und den orbitalen Wettlauf mit der ISS beginnen. Schon am Dienstag könnte die Kapsel mit dem Namen „Dragon“ (Drache) an der Raumstation anlegen.

          Das ist an sich nicht ungewöhnlich, denn schließlich sind im Laufe der vergangenen elf Jahre schon mehr als 140 Vehikel zur ISS geflogen, von den bemannten amerikanischen Raumfähren und russischen Sojus-Kapseln bis hin zu den unbemannten russischen Weltraumlastwagen vom Typ Progress und den automatischen europäischen und japanischen Transportern.

          Aus dem Transport von Fracht ein Geschäft machen

          Während alle bisherigen Flüge zur ISS von Behörden oder staatlichen Einrichtungen wie Nasa, Esa, Jaxa und Roskosmos kontrolliert wurden, gehören Falcon und Dragon nicht nur dem amerikanischen Privatunternehmen Space Exploration Technologies (SpaceX), ihr Flug wird auch von der Firma kontrolliert und mit dem Ziel vermarktet, aus dem Transport von Fracht in den erdnahen Orbit ein Geschäft zu machen.

          Der Schritt zur Kommerzialisierung der Frachtflüge in Amerika wurde möglich, nachdem Präsident Bush als Folge der Havarie der Raumfähre Columbia im Jahre 2003, bei der sieben Astronauten ums Leben kamen, die schrittweise Stilllegung der Shuttle-Flotte anordnete. Die Nasa unterzeichnete daraufhin Verträge mit den beiden Privatunternehmen Orbital Science Corporation und SpaceX. Sie sollten nach der Einstellung der Shuttle-Flüge die Versorgung der ISS und ihrer Besatzungen übernehmen. Allein der Vertrag mit SpaceX über zwölf Frachtflüge hat ein Volumen von 1,6 Milliarden Dollar.

          Vornehmlich Trockennahrung

          Während Orbital Science bei der Entwicklung seiner Frachtrakete und der Versorgungskapsel weitgehend auf vorhandene Komponenten zurückgriff, ließ SpaceX-Gründer Elon Musk das Rad für den orbitalen Transport neu erfinden. Zwar hat sich seit den Tagen, als Wernher von Braun in Peenemünde mit der V2 experimentierte, am Prinzip des Raketenantriebs nichts geändert. Auch in den von SpaceX neu entwickelten Merlin-Triebwerken wird Flüssigtreibstoff unter Zugabe von Sauerstoff verbrannt und das entstehende Abgas durch eine enge Düse geleitet. Aber beim Bau der neuen Triebwerke und der Rakete setzen die SpaceX-Ingenieure modernste Werkstoffe ein. Die Raketenmotoren werden elektronisch gesteuert. Es ist nicht übertrieben, wenn das Unternehmen Falcon als die erste neue Rakete des 21. Jahrhunderts anpreist.

          Dennoch gibt man sich in der Zentrale von SpaceX im kalifornischen Hawthorne zurückhaltend. Bei dem Start an diesem Samstag handele es sich um einen weitere Testflug, bei dem man zum ersten Mal die Rendezvoustechnik zwischen ISS und Dragon ausprobieren wolle. Tatsächlich wird Dragon nicht aus eigener Kraft an der Raumstation anlegen. Die sechs Meter lange und im Durchmesser fast vier Meter große Kapsel wird sich der Station mit ihrem Antrieb bis auf etwa zehn Meter Entfernung nähern. Dann werden die Astronauten an Bord der ISS die Kapsel mit dem Roboterarm der Raumstation einfangen und zum Ankopplungsdock bringen. Sollte das Rendezvous nicht gelingen, wird die Mission abgebrochen. Entsprechend hat auch die Ladung des Drachens keinen hohen Wert: Sie besteht vornehmlich aus Trockennahrung für die Besatzung der ISS.

          Wenn das Andocken allerdings gelingt, wird Dragon zum Müllwagen. Normalerweise laden die Astronauten den Stationsabfall in die Progress-Frachter, die bei Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Aber es gibt in der Station auch Sondermüll, der anders entsorgt werden muss. Früher wurde er in die Ladebucht der Raumfähren gesteckt und nach der Landung von der Nasa entsorgt. Nun übernimmt Dragon diese Aufgabe. Die Kapsel ist wiederverwendbar und übersteht die Reibungshitze des Wiedereintritts.

          Auf lange Sicht sollen schließlich auch Menschen an Bord von Dragon zur Station befördert werden. Dazu entwickelt SpaceX eine Version der Kapsel, die bis zu sieben Astronauten Platz bietet. Damit wäre auch wieder ein Stück des amerikanischen Nationalstolzes hergestellt, denn die Nasa wäre dann nicht mehr auf die russischen Sojus-Kapseln angewiesen.

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