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Prinzessin Letizia : Die „exkommunizierte“ Braut

  • -Aktualisiert am

Der Kronprinz und ich: Felipe und Letizia im Mai bei einer militärischen Zeremonie in Madrid Bild: REUTERS

Prinzessin Letizias Vetter hat ein Buch geschrieben: eine Abrechnung mit seiner Cousine und dem gesamten Königshaus. Es wird in Spanien fleißig gelesen - und beschwiegen.

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          Ein süffiges Buch macht nun schon im dritten Monat in Spanien die Runde. Es wird - inzwischen in der fünften Auflage - fleißig gekauft und gelesen, aber von den traditionellen Medien bislang ignoriert. Sein Titel lautet „Adiós, Princesa“. Der Autor heißt David Rocasolano. Er ist Vetter, Jugendfreund, Vertrauter und ehemaliger Rechtsanwalt der zukünftigen spanischen Königin: Letizia Ortiz Rocasolano. Die nicht autorisierte Biographie ist der Revancheakt eines von der Base und dem gesamten Königshaus Enttäuschten. Die Begegnung der aus bescheidensten Verhältnissen stammenden Familien Ortiz und Rocasolano mit der schillernden Welt des Hochadels und dessen Privilegien hat, aus seiner Sicht, die Bürgerlichen „zerstört“.

          Der große Paukenschlag kommt schon im zweiten Kapitel mit einem genauen Bericht, wonach die geschiedene Fernsehjournalistin nach einem Verhältnis mit einem Berufskollegen und ein Jahr vor der Bekanntschaft mit Kronprinz Felipe eine Abtreibung vorgenommen habe. Im September 2003, also kurz vor der Verlobung mit dem Sohn von König Juan Carlos und Königin Sofía, sei dann er, der Vetter, in den Palast gerufen und von beiden beauftragt worden, die Akten aus der Madrider Dator-Klinik „verschwinden“ zu lassen. Der „nervöse“ Thronfolger und seine „noch nervösere“ Braut hätten argumentiert, dass die Sache auf jeden Fall dem König und seiner Frau verheimlicht werden müsse, weil diese - ohnehin von der Wahl des Sohnes nicht angetan - sonst die Hochzeit verhindern würden.

          „Bis zum Zerreißen gespannt“, schreibt der Vetter über seine Base

          Der Vetter David tat nach eigenem Zeugnis wie geheißen, beschaffte sich die Dokumente unter Hinweis auf das Datenschutzgesetz und verbrannte sie gehorsam in einem Eimer in seiner Kanzlei. Aber, so trägt der „James Bond“ der Prinzessin noch nach: Am 22. Mai 2004 habe der Madrider Kardinal und Erzbischof Rouco Varela dann unwissentlich in der Almudena-Kathedrale eine „Exkommunizierte“ getraut. Denn nach dem kanonischen Recht sei die Betreffende nach einer freiwilligen Abtreibung nun einmal „automatisch“ schon aus der katholischen Kirche ausgeschlossen gewesen.

          Es fehlt nicht an weiteren Enthüllungen eines Anwalts, der im Auftrag seiner Mandantin auch den Ehevertrag des Prinzenpaars unter die Lupe genommen und an dem Passus Anstoß genommen haben will, dass Letizia „im Fall einer Trennung vollständig auf das Sorgerecht für ihre Kinder verzichtet“. Was in gewöhnlichen Fällen vor keinem spanischen Richter Bestand hätte, sei hier in einem mehr als 40 Seiten umfassenden Dokument für unantastbar erklärt worden.

          Aufgeregt Knickse und Verbeugungen geübt

          Die eigentliche Geschichte des Biographen, der sich selbst als lange geblendeter Mitläufer nicht in Schutz nimmt, reicht indes über solche - vom Königshaus bislang weder dementierten noch mit einer Klagedrohung versehenen - Einzelepisoden hinaus. Sie versucht vielmehr mit Bitterkeit und gelegentlicher Situationskomik zu beschreiben, wie eine „plebejische“ Familie mit dem Aufstieg eines ihrer Mitglieder in den Kreis der Bourbonen zu Instant-Höflingen wurde. So hätten sie vor der ersten Begegnung mit dem König noch aufgeregt im Warteraum Hofknickse und Verbeugungen geübt, gerade so „als ob eine Ententruppe versucht, Schwanensee zu tanzen“.

          Doch irgendwie, so resümiert der Vetter, seien alle, bis hin zum Opa Paco, der gelegentlich einen über den Durst getrunken und auf der Hochzeitsfeier vor einer erbleichenden Letizia angeheitert mit alten Bourboninnen das Tanzbein geschwungen habe, immer fehl am Platze gewesen. Geduldet, aber nicht wirklich willkommen, habe man die „Hinterwäldler“ halt notgedrungen in Kauf genommen. Unter diesem Druck hätten sich inzwischen nahezu alle bis hin zur Sprachlosigkeit verfeindet. Und eine, Letizias Schwester Érika, habe gar nicht mehr standgehalten. Sie hat sich im Februar 2007 das Leben genommen.

          Ein hochmütiger König ohne Manieren

          Außer Königin Sofía, die der Vetter als „guten Menschen“ am meisten lobt, und Kronprinz Felipe, den er als „herzlich und wohlerzogen“ ebenfalls schätzt, kommt das königliche Personal in dem Buch nicht gut weg. Den König, der so stolz auf seine Volkstümlichkeit sei, beschreibt er als hochmütig, ohne Manieren und „an nichts und niemandem interessiert“ außer sich selbst. Auch die Infantinnen Elena und Cristina bleiben nicht ungeschoren. Der Zorn gilt aber vor allem der „kalten, stolzen, unsicheren, manipulierenden, hysterischen und diktatorischen“ Letizia. Sie habe versucht, ihre Verwandten systematisch zu dressieren, so dass kein Fehltritt und kein falsches Wort dem Ruf der Krone und ihrem eigenen schade.

          Der Prinzessinnen-Report, der von spanischen Monarchisten hinter vorgehaltener Hand als „Hochverrat“ gegeißelt wird, kommt für diese Krone zu einem denkbar ungelegenen Zeitpunkt. Da waren doch gerade der Elefant von Botswana, die Freundin Corinna und die undurchsichtigen Geschäfte des Schwiegersohnes Iñaki Urdangarin, welche dem König empfindliche Prestigeverluste zufügten. Hinzu kommen die ungewissen Aussichten des Thronfolgers, der in seiner und der jüngeren Generation der Spanier weniger mit Antipathie als mit zunehmender Indifferenz zu kämpfen hat.

          Eine „bis zum Zerreißen gespannte“ Frau

          Und dann ist da eben noch die allzeit „bis zum Zerreißen gespannte“ Frau an seiner Seite, die dem Publikum mal zu dünn oder, wegen diverser Eingriffe plastischer Chirurgen, zu künstlich vorkommt. Sie, eine ebenso intelligente wie ambitionierte Frau, die in den Illustrierten vorwiegend als nationaler Kleiderständer in einer endlosen Modenschau in Erscheinung tritt, wurde nun als Mutter zweier Töchter unversehens durch einen vergrätzten Vetter von der Vergangenheit eingeholt. Dieser, der zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel daran äußert, dass Felipe und Letizia wirklich ineinander verliebt waren, hat sich inzwischen von ihr und allen seinen Verwandten, die eigenen Eltern eingeschlossen, losgesagt. Sie hätten ihn, so beteuert er, als er unschuldig in eine Geldwäsche-Affäre verwickelt worden sei, fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Seitdem herrscht auch zwischen der Prinzessin und ihrem rechtskundigen Vetter fürs Grobe Funkstille.

          Die Fakten in dem Buch sind wohl nur schwer anzufechten. Dass David Rocasolanos Akten doch nicht alle im Eimer waren, muss von den Kronanwälten zumindest bedacht werden. Die Rechnung der Dator-Klinik für die Abtreibung in Höhe von 240 Euro ist jedenfalls im Bildteil des Buches mit Namen und Datum als Faksimile zu sehen. So dauern das dröhnende Schweigen bei Hofe und die begleitende Zurückhaltung der spanischen Medien von Auflage zu Auflage fort. Für beide geht es nicht nur um eine triste Familiensaga, sondern letztlich auch um eine Frage von nationalem Interesse, nämlich der ungewissen Zukunft einer Institution, die als letzte Instanz doch das Land zusammenhalten soll.

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