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Prinzenhochzeit : Ein Mustersohn heiratet nach eigener Wahl

  • -Aktualisiert am

Gelassen vor dem großen Tag: Kronprinz Felipe, der Zweimetermann Bild: REUTERS

Kronprinz Felipe ist der am besten vorbereitete Thronfolger in der spanischen Geschichte. Zudem leitet ihn die persönliche Erkenntnis: „Um König zu sein, muß man erst einmal Mensch sein.“

          5 Min.

          Wäre er nicht dazu geboren, der künftige König von Spanien zu sein, dann wäre Felipe von Bourbon am liebsten Journalist geworden. An diesem Samstag widerfährt ihm nun das Zweitbeste: Er heiratet eine Journalistin. Der Kronprinz und Letizia Ortiz, die Tochter eines Kommunikationsfachmanns und einer Krankenschwester, sind ein Paar, das zwar nicht vom Hochadel des Landes mit seinem vollen Reservoir heiratsfähiger Prinzessinen von Herzen, aber doch von der großen Mehrheit der Bevölkerung ohne Bauchgrimmen akzeptiert wird. Der - einzige - Mustersohn von König Juan Carlos I. und Königin Sofia hat in Liebesdingen immer seinen Kopf durchgesetzt. Mag Dona Letizia, zuvor das Gesicht der abendlichen Fernsehnachrichten, auch nicht die Wahl seiner Eltern gewesen sein, so war es doch die seine, und zwar eine, die - sogar unter der kolportierten Drohung mit Thronverzicht - am Ende auch beide Monarchen im Zweifel jedem skandinavischen Fotomodell vorzogen.

          In Madrid, wo er am 30. Januar 1968 geboren wurde, tritt der Prinz von Asturien - so der offizielle Titel des Thronfolgers - heute in der Almudena-Kathedrale in der Galauniform eines Majors des Heeres vor den Traualtar. Dieses Detail ist vielleicht wichtiger als alle Rüschen des Brautkleides, symbolisiert es doch jene Mischung aus Tradition und heikler Nähe zu den Streitkräften, die nicht nur seinem Vater die Krone gerettet, sondern auch dem nächsten Bourbonen, der eines Tages als Felipe VI. die Geschäfte des Staatschefs und Oberkommandierenden übernehmen soll, den Posten gesichert hat.

          Keine Generalsrang vor der Hochzeit

          Wie sein Vater, so hat auch Felipe gehorsam und mit solidarischem Einfühlungsvermögen in allen drei Waffengattungen gedient. Die alte Regierung unter Ministerpräsident Aznar wollte ihn, mit voller Zustimmung der jetzt regierenden Sozialisten, noch rechtzeitig zur Eheschließung zum General befördern. Aber mit wachem Sinn für das nicht unbedingt Angemessene schlug er die freundlich gemeinte Offerte aus und ist nun bei der eigenen Hochzeit zwar der wichtigste, aber nicht der ranghöchste Gast im Kreis seiner alten Kameraden. Es zeichnet die spanischen Bourbonen, die nach Franco unter beträchtlichen Qualen wieder an die Spitze einer bald konstitutionellen Monarchie gelangten, aus, daß sich bei ihnen dynastisches Pflichtgefühl mit einem Hauch erdiger Volkstümlichkeit verbindet.

          Ab durch die Menge: Ein Fotograf trägt einen Pappaufsteller des Brautpaars durch Madrid. Kulisse für Touristenfotos mit dem Prinzenpaar
          Ab durch die Menge: Ein Fotograf trägt einen Pappaufsteller des Brautpaars durch Madrid. Kulisse für Touristenfotos mit dem Prinzenpaar : Bild: dpa/dpaweb

          Niemand hat davon aufmerksamer Notiz genommen als die britischen Medien. In den vorehelichen Elogen der englischen Gazetten, die das iberische Königshaus geradezu überschwenglich vorteilhaft von den Windsors abhoben, hieß es, Juan Carlos habe sich die Zuneigung seiner Untertanen durch Leistung und Temperament verdient, und seine drei Kinder - neben Felipe die Infantinnen Elena und Cristina - hätten ihm bislang jegliche "Skandale" und "unangenehmen Scheidungen" erspart. Sogar für Letizia hatten sie, von den spanischen Zeitungen Wort für Wort notiert, eine Art Adelsprädikat: "die vollkommene moderne Prinzessin".

          „Papa, was wird nun geschehen?“

          Felipe, der gerade sieben Jahre alt war, als der Diktator Franco starb, hat durchaus noch einige eigene Kindheitserinnerungen daran, daß der Hauptberuf seines Vaters wiederholt an einem seidenen Faden hing. Er war als Dreizehnjähriger sogar Augen- und Ohrenzeuge des versuchten Staatsstreichs am 23. Februar 1981, als frankistische Militärs und Polizisten noch einmal das Rad zurückdrehen wollten. "Papa, was wird nun geschehen?", soll er gefragt haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Vater selbst noch keine Antwort. Aber er sagte dem Jungen, der gerade aus der Schule heimgekommen war, so viel: "Felipe, ich möchte, daß du an meiner Seite bleibst, damit du weißt, was passiert, und du die Rolle des Königs lernst. Manchmal, so wie heute, ist sie schwierig, sehr schwierig." In dieser Rolle hat Juan Carlos als Staatsschauspieler im besten Sinn alle Tiefen und Höhen erlebt. Er hat sich den Thron bei Franco - gegen den erbitterten Widerstand seines Vaters, des exilierten Grafen von Barcelona, Don Juan - mit Hilfe seiner Frau, der griechischen Prinzessin Sofia, erschmeichelt und erkämpft. Er hat ihn in der Übergangszeit und in der Nacht der schießwütigen "Golpistas" im Parlament mit List und Mut verteidigt. Schließlich hat er ihn in der Demokratie trotz verbreiteter republikanischer und regionalnationalistischer Aversionen als Sympathieträger behauptet.

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