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Prinz Philip zum 90. : Der Prinzgemahl beliebt zu scherzen

Berüchtigt für seinen schrägen Humor: Prinz Philip Bild: picture-alliance/ dpa

Weil nicht mehr alles politisch korrekt sein muss, ist Prinz Philip plötzlich beliebt. An diesem Freitag wird der Gatte der britischen Königin 90 Jahre alt. Für den Herzog ist das jedoch kein Grund zum Feiern.

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          Prinz Philip plaudert nicht gerne über sein Leben. Nicht, dass der Gatte der britischen Königin nichts zu berichten hätte über die fast sechs Jahrzehnte, in denen er Elisabeth II. in gemessenem Abstand durch ihr protokollarisches Leben begleitete. Es ist Philips Unwillen, die Funktion eines Prinzgemahls als eine Lebensrolle zu begreifen, die ihn eher wortkarg macht. Kurz vor seinem 90. Geburtstag sind jetzt wieder mehrere Versuche gescheitert, den Duke of Edinburgh in Fernsehinterviews zum Sprechen zu bringen. Der Moderator Alan Titchmarsh versuchte es auf die leutselige Art: Er habe doch kürzlich den Preis des „Oldie des Jahres“ gewonnen, leitete er seine Frage ein. Aber Philip ging schon dazwischen, bevor der Interviewer ausgeredet hatte: „Und, was? Man wird eben alt!“

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Und das Alter ist für den Herzog auch kein Grund zum Feiern: Er wird den Geburtstag an diesem Freitag im kleinen Kreis begehen, öffentliche Umzüge oder Partys finden nicht statt. Es hieß, Philip habe der Hochzeitsfeier seines Enkels William im April durch ein eigenes großes Fest nicht die Schau stehlen wollen. Aber dieser vermeintlichen Rücksichtnahme fehlte mit großer Sicherheit die Vorbedingung: Der Prinzgemahl wollte gar keine opulente, öffentliche Feier für sich.

          Sie hätte wahrscheinlich auch nicht der Art und Weise entsprochen, in der die britischen Untertanen den Gefährten ihrer Königin beurteilen und schätzen. Es ist eine stille Achtung, häufig von einem Grinsen, einem Kopfschütteln oder einer hochgezogenen Augenbraue begleitet. Philips Neigung zu undiplomatischen Bemerkungen hat ihm früher viele Anfeindungen beschert. Der ehemalige (links-aktivistische) Londoner Bürgermeister Ken Livingstone charakterisierte ihn einst als „unverbesserlichen Rassisten, arrogant, ignorant, einfach Zeitverschwendung“. Doch mit dem Abklingen der selbstgerechten Mode politischer Korrektheit wird in der britischen Gesellschaft nicht mehr jedes Wort auf die Waage gelegt. Also erntet der alte Herzog mit seinen flapsigen Kommentaren inzwischen auch Zustimmung und Amüsiertheit unter den Untertanen Ihrer Majestät. Die Witzchen haben ohnehin nur den Zweck, in protokollarisch steifen Momenten das Eis zu brechen.

          Ernst sein kann er aber auch

          Während vor vielen Jahren eine Warnung Prinz Philips an britische Austauschstudenten in China („ihr kriegt Schlitzaugen, wenn ihr zu lange hier bleibt“) noch zu einem Eklat führte, sorgen mittlerweile die neugierigen Erkundigungen des Prinzgemahls für höfliches Lachen - wenn er sich in Australien bei Repräsentanten der Aborigines erkundigt, ob sie immer noch mit ihren Speeren aufeinander losgingen, oder wenn er auf einer der Gartenpartys hinter dem Buckingham Palace einen Gast pakistanischer Herkunft fragt, ob dessen Begleiterin seine einzige Frau sei.

          Aus all diesen kleinen Fehltritten lässt sich außerdem immer dieselbe Botschaft heraushören, der Hinweis darauf, dass ihr Urheber sich nicht als zeremonieller Mittelpunkt, sondern mehr als ziviles Gefolge in der royalen Show empfindet. Gewiss, der Prinzgemahl ist in den langen Jahrzehnten ein überaus fleißiger Schirmherr, Repräsentant, Patron, Denkmalseinweiher und Ehrengast bei allen möglichen offiziellen Terminen gewesen. Ein Lebensinhalt waren ihm diese Aufgaben aber kaum. Auf die Interviewfrage, welche Schirmherrschaft ihm am meisten Spaß mache, gab er die barsche, aber kennzeichnende Antwort: „Das ist doch keine Unterhaltung, ich mach’ das doch nicht zum Vergnügen.“

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