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Prêt-à-Porter : Unisex in Tweed

Achtung, keine Männerkollektion! Chanel durchbricht feminine Linie Bild: Reuters

Karl Lagerfeld durchbricht bei den Pariser Prêt-à-Porter-Schauen die feminine Linie und betont schon im Programmheft: „Dies ist keine Chanel-Männerkollektion“.

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          Keine Mädchen, keine Sportskanonen, keine Garcons, nur Ladys flanierten bei den ersten drei Tagen der Pariser Modewoche über den Laufsteg - bis endlich am Freitag mittag Karl Lagerfeld kam und wieder einmal überraschte. Ladykiller, im Sinne von Frauenhelden, waren zunächst einmal Helmut Lang und Michael Kors für Celine. Der Österreicher verlieh dem femininen Grundton eine eigene Dynamik, indem er für sanfte Mißklänge sorgte. Zum Beispiel in der Abendgarderobe - einem bislang vernachlässigten Genre in Langs Universum, dem er gewohnt subversiv begegnete. Andere suchen nach perfekten Dekolletés, Lang nach einem interessanten, indem er den Stoff auf der einen Seite schräg nach unten rutschen läßt und es damit beinahe deformiert. In dadaistischer Manier ergänzt er einen großen Teil seiner Entwürfe an den seltsamsten Stellen mit gefärbtem Pferdehaar. So schafft er irritierende Details und versäumt doch nicht, in seiner Gesamtheit elegant zu bleiben. Lang gilt als intellektueller Designer - aber noch mehr basiert sein Erfolg auf einem sicheren Instinkt.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fast ohne Bruch und deshalb formvollendet die Kollektion des Modehauses Celine, das am Donnerstag Abschied von seinem amerikanischen Designer nahm. Michael Kors hinterließ einige Tränen und eine gelungene Kollektion. Audrey Hepburn war Patin seines Looks, mit dem er die elegante Seite der Fünfziger-Jahre-Mode referierte - nicht Pettycoats und Caprihosen, sondern schmale Bleistift- und schwingende Ballerinaröcke. Kors brachte sie mit schlichten Kaschmirpullovern, Nerzcapes, aber auch mit Motorradjacken aus Leder zusammen, die er so körpernah mit runden Schultern formte, daß sie sich bestens in den Neo-Look des New-Look einfügten. „Französische Romantik, kombiniert mit amerikanischer Einfachheit“, erklärt Kors nach der Schau - als die Tränen getrocknet waren.

          Vorsicht, keine Männerkollektion!

          Und dann eben kam Karl Lagerfeld für Chanel und bereitete am Freitag dem Damenkränzchen ein Ende. In sein Programmheft schrieb er vorsichtshalber: „Dies ist keine Chanel-Männerkollektion!“ Man hätte es sonst mißverstehen können: Zum ersten Mal schickte das französische Modehaus, das bislang nur die Damen bedient, auch Männer über den Laufsteg. Da die aber das gleiche wie die weiblichen Models trugen (inklusive Paillettenbordüre) und die wiederum das trugen, was auch ein Mann tragen kann, war schließlich doch alles eins - nämlich „unisex“.

          Unisex: Lagerfelds Männerkleidung für Frauen

          Des Kaisers neue Kleider zeigten vor allem, daß die klassische Tweed-Jacke von Chanel auch Männern steht - mit Einschränkung allerdings, denn die Models waren nicht harte Kerle, sondern sanfte Knaben. Die Tweed-Jacken der Frauen sahen aus, wie von den Männern geliehen: ein Tick zu breit an den Schultern, eine halbe Hand zu lang an den Armen. Wie so oft hat Lagerfeld sich von Firmengründerin Coco Chanel inspirieren lassen, die wiederum einen Großteil ihrer Ideen der Herrenkonfektion entnommen hatte (die heute freilich als feminin gelten). „Wir kennen alle das Foto, auf dem sie Arm in Arm mit Freundin steht und beide die Tweed-Jacken ihrer Freunde tragen, die ihnen ein bißchen zu groß sind“, erklärt er im Programmheft. „Dieser maskuline Schnitt verlieh ihnen eine fragile Eleganz.“

          Aber Chanel ist Chanel und die Kundin immer noch eine Kundin, die - modisch gesehen - kein Interesse an Männern hat. Also zeigte Lagerfeld auch Tweed-Kostüme in alter Form (aber durch neue Muster ergänzt), das kleine Schwarze - nicht kurz, sondern bodenlang - und weich fallende Chiffonkleider, auf die er Spitze applizierte. „Ladylike“ nennt man das.

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