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Polygamist Warren Jeffs : Zu lebenslanger Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Polygamist Warren Jeffs muss wegen schwerer sexueller Nötigung lebenslang ins Gefängnis Bild: dapd

Nach einem neuntägigen Prozess ist der pädophile Polygamist Warren Jeffs von einem texanischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der amerikanische Sektenführer war wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt worden.

          Der selbst erklärte „Prophet“ und Polygamist Warren Jeffs ist wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden. Das Urteil gegen den 55-jährigen Anführer der polygamen Sekte „Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints“ erging in der texanischen Stadt San Angelo. Die Anklage hielt Jeffs vor, zwei Mädchen im Alter von 12 und 15 Jahren zu einer „spirituellen Heirat“ - also Geschlechtsverkehr - gezwungen zu haben. Die Ältere sei von ihm schwanger geworden.

          Nach Angaben von amerikanischen Medien dauerte die Beratung der Jury nur etwa eine halbe Stunde. Die Jury aus zehn Frauen und zwei Männern verurteilte Jeffs daraufhin wegen schwerer sexueller Nötigung zu lebenslanger Haft und zusätzlich zu 20 Jahren Gefängnis und einer 10.000-Dollar-Geldbuße wegen sexueller Nötigung. „Warren Jeffs ist nun Gerechtigkeit widerfahren“ sagte der Ankläger Erich Nichols nach der Urteilssprechung vor Journalisten.

          DNA-Tests bestätigten Vaterschaft

          Einen Tag zuvor waren der Jury Tonaufnahmen vorgespielt worden, auf denen der Anklage zufolge Jeffs beim Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen zu hören war. Seine Anhänger soll er zudem hörbar zu Gruppensex aufgefordert haben. Laut Staatsanwaltschaft hatte Jeffs selbst 79 Frauen geehelicht, davon ein Dutzend 16-jähriger und ein weiteres Dutzend 15-jähriger oder jüngerer Mädchen. Der „San Angelo Standard Times“ zufolge soll Jeffs sich stets mit einer „Mindestanzahl“ von Zwölfjährigen umgeben und an einem einzigen Tag zwei zwölf Jahre alte Mädchen geheiratet haben.

          Während des neuntägigen Prozesses präsentierte die Anklage außerdem DNA-Beweise für Jeffs Vaterschaft. Jeffs selbst rief als einzigen Zeugen ein Mitglied seiner Sekte auf, der die religiösen Überzeugungen der mormonischen Splittergruppe beschrieb. Jeffs verteidigte vor Gericht die Vielehe als Gottes Gebot, das man befolgen müsse. Die Vorwürfe rühren von einer schlagzeilenträchtigen Polizeirazzia im Jahr 2008 auf dem Gelände einer Kolonie von Jeffs Sekte nahe San Angelo her. Mehr als 400 Kinder waren von den Behörden in Obhut genommen worden. In 67 Fällen soll der 55-Jährige dabei geholfen haben, Ehen zwischen Mädchen und erwachsenen Männern zu schließen.

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