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Thüringen : Polizisten beschädigen eigenen Wasserwerfer

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Weniger robust als gedacht: der „WaWe 10“ Bild: dpa

Thüringer Polizisten wollten sich von den Vorzügen ihres neuen Wasserwerfers überzeugen und bewarfen ihn mit Eiern und Tennisbällen - dummerweise ging dabei die gepanzerte Frontscheibe kaputt. Jetzt beschäftigt die Panne das Parlament.

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          Wasserwerfer setzt die Polizei meist nur dann ein, wenn sie es mit unbequemen Zeitgenossen zu tun bekommt, die schonmal Steine auf Beamte werfen. Tennisbälle und Eier, so sollte man meinen, können so einem Gefährt wenig anhaben. In Thüringen wurde nun jedoch das Gegenteil bewiesen, wie der MDR am Ostermontag berichtete - und die Eierwerfer kommen auch noch aus er Polizei.

          Der Sender berief sich in seinem Bericht auf Angaben der Landespolizeidirektion, wonach sich Thüringer Polizeiführer bei der Übung von den Vorzügen ihres neuen Wasserwerfers überzeugen sollten. Beamte der Bereitschaftspolizei hätten das 33-Tonnen-Gefährt „WaWe 10“ mit Wurfgeschossen attackiert  - und dabei die gepanzerte Frontscheibe beschädigt. Laut Polizeidirektion sind drei faustgroße Schäden an der Polycarbonat-Panzerverglasung entstanden.

          Schadensbild nicht nachvollziehbar

          Ein solches Schadensbild sei nicht nachvollziehbar, erklärte die Landespolizeidirektion laut MDR. Bei der Übung seien nicht etwa Steine verwendet worden, wie sie gelegentlich bei Demonstrationen und Fußballspielen gegen die Polizei fliegen, sondern „neben Eiern auch Tennisbälle und halb gefüllte PET-Flaschen“.

          Nach Angaben des Thüringer Innenministeriums sei ein solcher Schaden bundesweit noch nicht vorgekommen, hatte der MDR weiter berichtet. Eine entsprechende Schadensmeldung sei bereits an das Bundesinnenministerium geschickt worden, das den Wasserwerfer mit 10.000 Litern Fassungsvermögen für die Länder beschafft habe. Berlin habe den österreichischen Feuerwehrausrüster Rosenbauer als Hersteller des Fahrzeugs um eine Stellungnahme gebeten. Der Bund hatte laut MDR bei dem Produzenten für die Bundespolizei und die Länder-Polizeien 78 Wasserwerfer vom Typ „WaWe 10“ zum Stückpreis von 900.000 Euro geordert.

          Einsatzbereitschaft nicht beeinträchtigt

          Dem Bericht zufolge sieht die Landespolizeidirektion Thüringen die Einsatzbereitschaft des Wasserwerfers durch die Schäden nicht beeinträchtigt. Allerdings werde im Juli ein Sachverständiger entscheiden, ob die Frontscheibe ausgetauscht werden müsse.

          Rosenbauer-Sprecherin Gerda Königstorfer sagte dem MDR Thüringen am Dienstag, das Unternehmen sei noch nicht offiziell über dem Schaden informiert worden. Sollte es nötig sein, werde die Scheibe ausgetauscht. Die Sprecherin wertete die Schäden nach einer Betrachtung eines entsprechenden Fotos auf der Internetseite des Senders demnach allerdings als „Kratzer“.

          Mittlerweile beschäftigt die Wasserwerfer-Panne auch die Landespolitik in Erfurt. Die Linken-Landtagsabgeordnete Katharina König stellte nach eigenen Angaben eine Anfrage zu dem Vorfall an das Thüringer Innenministerium, wie der MDR Thüringen am Dienstag berichtete.

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