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Polizeireiterstaffeln : Ordnungshüter hoch zu Ross

  • -Aktualisiert am

Ein großer Plastikball berührt die Vorderbeine: Die Pferde müssen trotzdem ruhig bleiben Bild: Frank Röth

Pferde setzt die Polizei gern bei Großveranstaltungen ein: Von oben haben die Beamten einen guten Überblick und genießen den Respekt der Massen. Trotzdem sind die Reiterstaffeln politisch umstritten, denn sie sind teurer als jede andere Spezialeinheit.

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          Mit einer Pistole in der Hand steht Rudolf Liller dicht an der Flanke des Pferdes. In der Halle ist es still. Der Atem der vier Pferde, die in Zweiergruppen aufgestellt warten, steigt in Wolken aus den Nüstern. Die Tiere dampfen von der Anstrengung. Die Waffe hat der Reitlehrer auf den Boden gerichtet. Die Ohren der Pferde bewegen sich wie kleine Radarschirme, höchste Aufmerksamkeit. Plötzlich drückt Liller ab. Ein Zucken durchfährt die Körper der Tiere. Doch sie rühren sich nicht und verharren am langen Zügel. Jeden Freitag übt die hessische Polizeireiterstaffel, was Pferd und Reiter bei Einsätzen meistern müssen. Die Tiere müssen lernen, nicht panisch zu fliehen, wenn sie Gefahr spüren. Entgegen ihrem Naturell müssen die Fluchttiere in bedrohlichen Situationen ruhig bleiben. Die Flucht, in freier Wildbahn überlebensnotwendig, ist im Dienst der berittenen Polizei falsch.

          „Im Schnitt brauchen sie ein Jahr dazu, sich an die Aufgaben als Polizeipferd zu gewöhnen“, sagt Hauptkommissar Richard Emge, der Leiter „Einsatz und Organisation“ der hessischen Polizeireiterstaffel. „Je nach Alter und Ausbildungsstand.“ Vertrauen ist der Schlüssel. Die Pferde müssen sich denken: Wo ich hingeschickt werde, da kann mir nichts passieren. Dafür müssen die 20 Reiter der Staffel viel trainieren. Nur schrittweise gewöhnen sich die Pferde an die bunten Fahnen, die sich im Wind blähen und vor ihren Köpfen herumgewedelt werden, an die gewaltigen Plastikbälle, die sie von allen Seiten berühren. Sogar den Einsatzwagen, der mit Sirene und blinkend um sie herumfährt, ertragen sie stoisch am durchhängenden Zügel. „Wer streichelt schon gerne einen Streifenwagen?“

          Reiterstaffeln in sechs Bundesländern

          Die 17 Pferde aus Frankfurt sind vor allem bei Fußballspielen und Demonstrationen im Dienst. In rund 2,50 Meter Höhe haben die Polizisten einen guten Überblick über Menschenmengen. Die berittenen Beamten werden besser gesehen, was das Sicherheitsgefühl der Bürger steigern soll. Und wenn es zum Ernstfall kommt, können sie schneller eingreifen als ihre Kollegen zu Fuß. Um aggressive Gruppen auseinanderzutreiben, machen sie sich den natürlichen Respekt des Menschen vor Pferden zunutze. „Zugleich sind die Tiere aber auch Sympathieträger, ein Bindeglied zum Bürger“, sagt Emge. Die Polizisten kommen über die Pferde schneller mit den Fans ins Gespräch und können drohende Gefahr oft im Keim ersticken. Oder, wie es eine berittene Einheit ausdrückt: „Wer streichelt schon gerne einen Streifenwagen?“ Auf dem Rücken der Pferde wirkt der Polizist aus überlegener Position auf den Bürger ein.

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