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Politiker auf Reisen : Mit Konrad Adenauer in der Luft

  • -Aktualisiert am

„Konrad Adenauer”: Der Airbus A340-300, der die Kanzlerin nach Indien und Singapur brachte Bild: dapd

Nur nicht zu luxuriös: Die Kanzlermaschine ist neu, aber gebraucht. Und die Reisen mit Angela Merkel sind schön, aber nicht so barock wie früher. Es gibt keine marmornen Bäder, nicht einmal einen Whirlpool.

          Merkwürdige Dinge können in neuen Flugzeugen geschehen. Zwei Stunden ist die Maschine im Kreis zusätzlich geflogen, vor und seitlich und zurück und wieder vor, über der Türkei, weil es Iran so wollte. Die am Ende an den billigen Plätzen am Bildschirm angezeigte zurückgelegte Strecke (Berlin–Delhi) aber blieb bei den angekündigten 5791 Kilometern stehen. Oder auch, gesehen beim Start in Singapur. 9 945 Kilometer bis Berlin-Tegel. Allein auf der Startbahn rollend wurden es zwei Kilometer mehr: 9 947.

          Zu erwähnen schließlich seien Steckdosen, die Strom nur abgeben, wenn der Stecker nicht linksherum, sondern rechtsherum eingesteckt ist, Wasserglashalter, die zu groß für die zu kleinen Gläser sind und in den Armlehnen untergebrachte Stewardess-Rufknöpfe, die ungewollt das Personal – Bundeswehrangehörige sind es – auf Trab halten. Die Piloten sind begeistert. Lieber diese Maschine fliegen sie als jede andere aus der Flugbereitschaft der Bundeswehr.

          Eine „Kanzlermaschine“ ist keine „Präsidentenmaschine“

          Jungfernflug des neuesten, des größten, des schönsten Airbus (für Fachleute: vom Typ A 340), den die Bundeswehr je hatte. Sozusagen das Flaggschiff unter den Maschinen der Bundesregierung, des Bundespräsidenten, der Bundesminister. „Konrad Adenauer“, benannt nach dem Gründungskanzler der Republik, heißt sie, wie auch die ältere – nun zum Verkauf anstehende, 1990 aus DDR-Beständen von der Bundeswehr übernommene – Maschine (A 310). Und weil sie im Berliner Politikalltag gerne „Kanzlermaschine“ genannt wird, legte das Kanzleramt wert darauf, dass die Kanzlerin und nicht etwa Christian Wulff, der Bundespräsident, den Eröffnungsflug unternahm. Sonst hieße sie ja „Präsidentenmaschine“.

          Mit an Bord: Journalisten, arbeitend und schlafend

          Christian Wulff aber blieb das zweifelhafte Vergnügen, die alte „Konrad Adenauer“ auf deren letztem Einsatz benutzen zu müssen. Staatsbesuch in Brasilien. Ein Defekt in São Paulo. Rückflug mit Linie. Im Sommer dann wird der alte Theodor-Heuss-Airbus 310 ebenfalls durch einen größeren A 340 ersetzt, der nach dem ersten Bundespräsidenten benannt ist. Dann könnte Wulff der Erstnutzer sein.

          Die Modernisierung der Regierungsflugzeuge-Flotte hatte sich ziemlich lange hingezogen, weil die Regierenden Angst vor dem Neid hatten, sie könnten sich Luxus zulegen, während das Volk darbt. Mithin wurde jede Panne mitleiderregend dargestellt und auf die wahrhaftigen Luxus-Maschinen des amerikanischen Präsidenten (Air Force One) und natürlich des befreundeten Präsidenten der Französischen Republik hingewiesen, die doch noch schöner seien als die unserer Bundeskanzlerin.

          Keine goldenen Knöpfel

          Tatsächlich gibt es in der Maschine, auch in den vorderen Kabinen, die der allerobersten politischen Klasse vorbehalten sind, keine goldenen Knöpfe, keine Bäder aus Marmor, nicht einmal einen Whirlpool. Tische aus Kunststoff sind mit Folie aus Kunststoff überzogen. So weit einzusehen, ist der Ruheraum von Kanzlern und Präsidenten, gelegen ganz vorne in der Maschine hinter dem Cockpit mit einer vorgelagerten Sitzgruppe, von zwei gegenüber liegenden champagnerfarbenen Couchgarnituren geprägt, die zu Schlafbetten ausgezogen werden können. Ein Badezimmer, es kann nicht groß sein, und ein Arbeitsplatz gehören dazu. Es folgen eine kleine Küche sowie ein Konferenz- und Aufenthaltsraum, der im Vergleich zu seinen Vorgängern ziemlich großzügig wirkt. Breite Sessel im Halbrund, zwei Besprechungstische für Kanzler und Minister, große Bildschirme, auf denen wahlweise Spielfilme aus der Sparte leichter Unterhaltung oder die Flugroute betrachtet werden können.

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