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Pokern in Las Vegas : Spieler, Loser und Legenden

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Mit großem Selbstvertrauen: Hansen am „Welcome to Fabulous Las Vegas“-Neonschild auf dem Mittelstreifen des Las Vegas Boulevard Bild: Privat

Unsere Autorin Anne Hansen ist seit zwei Jahren dem Poker verfallen. Sie dachte sogar, sie sei ganz gut darin. Dann fuhr sie nach Las Vegas.

          Ich weiß, was eine kalte 4-Bet ist. Ich weiß, wie man suited connectors auf dem flop spielt, wenn der Tisch tight ist. Ich kenne die Wahrscheinlichkeit für eine runner-runner straight. Ich kenne die Hände, mit denen ich under the gun einen open raise machen sollte. Ich verbringe Stunden damit, mir auf Youtube Videos von legendären Händen anzusehen. Ich würde lieber den Pokergott Phil Ivey auf einen Kaffee treffen als Barack Obama und George Clooney zusammen.

          Kurz: Ich bin ein hoffnungsloser Poker-Nerd. Und auf dem Höhepunkt meines Könnens. Zumindest in der Theorie. Mehr geht nicht. Wenn ich das nicht in ein kleines materielles Vermögen verwandele, ist mir nicht mehr zu helfen. Genau das ging mir durch den Kopf, als ich mir vor zwei Wochen ein Flugticket nach Las Vegas kaufte.

          Nun muss ich sagen: Vielleicht wäre ich doch lieber in Berlin geblieben und hätte mit Freunden um Salzstangen gespielt. Denn nach einer Woche in der Glücksspielmetropole saß ich in einem verrauchten Pokerraum des MGM-Hotels, ließ mich von einem kanadischen Ölarbeiter ausnehmen wie eine Weihnachtsgans und starrte traumatisiert auf die riesigen Brüste von Debbie.

          Doch der Reihe nach. Ich fahre nach Vegas als eine von 41 Millionen. So viele besuchen die Glücksspielmetropole in der Wüste in jedem Jahr, um ihr Glück zu versuchen. Oder, um der Wahrheit mal schonungslos ins Gesicht zu blicken: um Tage vor einer slot machine zu sitzen und darauf zu warten, dass drei Mal die Ananas aufblinkt.

          Gut vorbereitet - zumindest, was ihre Fingernägel betrifft - geht Tanya Stendzis bei der Poker-Weltmeisterschaft in Las Vegas an den Start. Sie vertritt eine Minderheit, denn nur sechs Prozent der Teilnehmer sind Frauen. Bilderstrecke

          Im Kastenwesen des Casinos stehen die slot machines ganz unten. Dicht gefolgt von Roulette. Schließlich sind beides reine Glücksspiele. Man zieht an einem Hebel. Wartet. Und verliert. Oder setzt auf eine Zahl. Wartet. Und verliert. Blackjack ist da schon ein wenig anspruchsvoller. Die guten Spieler zählen die Karten und bekommen wie im Fall des Schauspielers Ben Affleck im Casino Hausverbot, weil sie eben öfter gewinnen, als die Bank es gerne möchte. Poker aber ist die Königsdisziplin. Natürlich spielt Glück auch hier eine Rolle, aber viel mehr geht es um Strategie, Mathematik und Menschenkenntnis. In jeder einzelnen Hand gibt es so viele Entscheidungen zu treffen, dass sich auf Dauer die guten Spieler durchsetzen und der Glücksfaktor minimiert wird.

          Bedienungsanleitung für Las Vegas

          „O ja, ich werde die richtigen Entscheidungen treffen“, denke ich hoffnungsfroh, als ich mich zum ersten Turnier aufmache. Dass ich mich so gut vorbereitet fühle, liegt auch an meiner Recherche. Denn rund ums Thema Poker in Las Vegas hat sich im Netz ein kompletter Mikrokosmos entwickelt. Es gibt Websites, die nicht nur das Spielangebot permanent aktualisieren, sondern die Pokerräume der verschiedenen Casinos vergleichen. Sie beschreiben, wo aggressiv und wo zurückhaltend gespielt wird, ob die Chips sauber und die Dealer nett sind, ob die Stühle bequem sind und ob man zum Cocktail eine Serviette gereicht bekommt. Das nennt man wohl: vollständige Information.

          Das erste Turnier, das ich mir ausgesucht habe, findet im „Luxor“ statt. Einem 4400-Zimmer-Komplex im Stil einer ägyptischen Pyramide. (Hotels mit weniger als 1000 Zimmern gelten in Vegas als familiär.) Praktischerweise wohne ich hier auch.

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