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Pockenvirus : Die Seuche im Hochsicherheitstrakt

Hannover, 1967: Pockenschutzimpfung für die ganze Familie Bild: picture-alliance / dpa

Als gefährliche Krankheit sind die Pocken seit 30 Jahren besiegt. Doch das Virus gibt es noch - in mindestens zwei Laboren auf der Welt. Fachleute streiten darüber, ob der Erreger aufbewahrt oder vernichtet werden soll.

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          Der russische Zar Peter II., die englische Königin Maria II., der französische König Ludwig XV. und auch der österreichische Kaiser Joseph I. – sie alle starben an einer Krankheit, die jede noch so hohe Standesgrenze überwinden konnte. Kaum jemand wurde verschont, viele, wie Beethoven, Goethe und Haydn überlebten die Infektion. Mozart durchstand sie als Siebenjähriger, die Pocken hinterließen aber die typischen Narben in seinem Gesicht. Auch Stalin war schon als Kind von der Seuche so schwer gezeichnet, dass er von seinen Kameraden verspottet wurde. Später, als allmächtiger Diktator, ließ er darum jede Fotografie von sich retuschieren.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wenn man den Forschern glaubt, die bereits an der Mumie von Ramses V. Beweise dafür gefunden haben wollen, dass der Pharao an Pocken starb, dann zählte der Erreger mindestens 3000 Jahre zu den schlimmsten Geißeln der Menschheit. Bis zu 50 Millionen Menschen sollen sich noch bis 1950 alljährlich mit dem Variola Virus infiziert haben; an die 30 Prozent von ihnen kamen zu Tode. Diejenigen, die überlebten, blieben oft verunstaltet, wenn sie nicht sogar erblindeten. Alleine im 20. Jahrhundert gab es zwischen 300 bis 500 Millionen Tote durch die sogenannten Blattern, gegen die nie ein Heilmittel entwickelt worden war. Allerdings brachte die moderne Medizin eine Impfung hervor, mit der es gelang, von 1966 an innerhalb von nur elf Jahren die Pocken auszurotten.

          Die Krankheit ist besiegt, doch die Erreger gibt es noch

          Die offizielle Verkündung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Krankheit besiegt ist, konnte im vergangenen Sommer bereits zum 30. Mal gefeiert werden. Die Pocken-Erreger allerdings sind noch vorhanden – an mindestens zwei Orten dieser Welt: In den von der WHO autorisierten Hochsicherheitslaboren der amerikanischen „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) in Atlanta und des russischen Forschungszentrums für Virologie und Biotechnologie („Vector“) in Kolzowo in Nowosibirsk. Schon 1990 empfahlen Wissenschaftler der WHO erstmals, die verbliebenen Variola-Virus-Bestände zu vernichten, in der Hoffnung, damit endgültig einen Schlussstrich unter das Kapitel Pocken zu ziehen. Washington und Moskau schienen angesichts des zu Ende gehenden Ost-West-Konflikts zunächst dazu bereit. Doch dann verhärteten sich die Fronten wieder – spätestens 1992, als der Direktor des sowjetischen Biowaffenprogramms, Kanatjan Alibekow, nach Amerika flüchtete und dem Geheimdienst CIA auch von Pockenviren-Experimenten zu berichten wusste.

          Kulmbach, 1965: Pockenschutzimpfung, nachdem sich ein Mann während einer Dienstreise nach Tansania mit Pocken infiziert hatte
          Kulmbach, 1965: Pockenschutzimpfung, nachdem sich ein Mann während einer Dienstreise nach Tansania mit Pocken infiziert hatte : Bild: picture-alliance / dpa

          Seither wird immer wieder über eine Vernichtung des Erregers debattiert. Gerade erst hat der Exekutivausschuss der WHO in Vorbereitung der jedes Jahr stattfindenden Weltgesundheitsversammlung sich mit der Frage beschäftigt. Dabei hat sich das Für und Wider im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte durchaus gewandelt, genauso wie die Parteigänger der „Vernichter“ und „Erhalter“, wie die beiden Gruppen der Einfachheit halber genannt werden. Längst ist aus dem gesundheitspolitischen Thema ein sicherheitspolitisches geworden. Denn ob das Virus tatsächlich nur in zwei Laboren überlebt hat, ist mehr als umstritten.

          Das Virus träfe die Weltbevölkerung völlig unvorbereitet

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