https://www.faz.net/-gum-7ule5

Mekka : Eine Art „Express-Hadsch“

  • -Aktualisiert am

Die heiligste Zeit des Jahres: Millionen Muslime pilgern nach Mekka, doch der Weg dahin gestaltet sich immer schwieriger Bild: reuters

Die Pilgerfahrt ist für Mekka ein einträgliches Geschäft geworden. Das hat der Stadt aber auch die Spiritualität genommen.

          Rashad Husseins Augen leuchten, als er von der heiligsten Zeit des Jahres spricht. „Für Muslime ist die Hadsch der Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens“, sagt der in sich ruhende Mann mit dem kurzen grauen Haar. „Es gibt nichts Erfüllenderes, als ihnen dabei zu helfen.“ Das macht der Leiter einer sogenannten Muassasa schon fast sein ganzes Leben lang - mit neun Jahren war er das erste Mal dabei, als sein Vater Pilger aus Südasien durch Mekka begleitete. Ließ sich das damals noch als Familiengeschäft betreiben, so ist es heute Big Business: Für mehr als 500 000 Religionsreisende aus Pakistan, Indien, Sri Lanka und Bangladesch, die während des Pilgermonats nach Saudi-Arabien kommen, ist seine Muassasa zuständig.

          Wenn am Donnerstag, dem achten Tag des Pilgermonats Dhu al Hidscha, der kollektive Teil der Hadsch beginnt, der mit dem Opferfest am zehnten Tag seinen Höhepunkt erreicht, kann sich Hussein zurücklehnen. Aus familiären Gründen überließ er dieses Jahr anderen die Arbeit, auch in den ersten Wochen der Pilgerfahrt im September steckte er nicht wie sonst tief in der Vorbereitung für die entscheidenden Tage vom achten bis zum zwölften Tag des Pilgermonats: Sie folgen auf die individuelle Pilgerfahrt, die zu jeder Zeit vorgenommen werden kann. Dann verlassen die Pilger Mekka und gehen durch das Tal von Mina, wo viele übernachten, und erreichen am neunten des Pilgermonats die Anhöhe von Arafat, wo die Millionen Pilger Stunden still im Gebet verharren. Das gilt den Muslimen als der spirituelle Höhepunkt der Wallfahrt. Nach Sonnenuntergang kehren sie über die Gemarkung Muzdalifa nach Mina zurück, wo jeder Pilger nach dem Vorbild des Propheten Mohammed sieben Steinchen auf einen symbolischen Teufel zu werfen hat und danach, zur gleichen Zeit wie die Muslime in aller Welt, Opfertiere geschlachtet werden. Das hat dem Fest seinen Namen gegeben.

          Die logistischen Anstrengungen seien gewaltig

          Der stellvertretende Hadsch-Minister Hussein al Sharif erwartet dieses Jahr mehr als 1,5 Millionen Pilger aus dem Ausland, die meisten aus Indonesien, Pakistan und der Islamischen Republik Iran. Auch 186 000 saudische Staatsbürger planen die Reise in die heiligen Städte Mekka und Medina im Westen des Königreichs. Die logistischen Anstrengungen für Transport, Gesundheitsversorgung, Verpflegung und Unterbringung seien gewaltig, sagt er in seinem kleinen Büro in der Hafenstadt Dschidda. Um nicht nur Wohlhabenden die Reise zu ermöglichen, habe sein Ministerium die Angebote für eine „Niedrigkosten-Hadsch“, wie er es nennt, in diesesm Jahr ausgeweitet. Auf Mobiltelefon-Applikationen bieten findige Anbieter längst Tipps für die komplizierte Abfolge religiöser Rituale an, die den Pilgern die beschwerliche Reise erleichtern sollen. Von Zeiten stiller Innerlichkeit auf dem Höhepunkt des muslimischen Lebens kann heute niemand mehr so recht sprechen.

          Weitere Themen

          Marke statt Kulisse

          Berliner Fashion Week : Marke statt Kulisse

          Kaum Trends, hohe Retourenquoten: Immer mehr Kunden verzichten auf neue Mode. Den Designern macht das ihre Arbeit nicht leichter. Auf Dauer aber macht es sie vielleicht besser.

          Helfen kann man immer

          Entwicklungshelfer : Helfen kann man immer

          Ein pensionierter Arzt und seine Frau, eine Apothekerin, fahren mit Hilfsorganisationen in Entwicklungsländer. Dramatisch war es im Rohingya-Flüchtlingslager.

          Topmeldungen

          Kamala Harris : Patriotisch gegen Trump

          Kamala Harris ist die neueste Kandidatin, die 2020 gegen Donald Trump antreten will. Sie war die zweite schwarze Senatorin in der Geschichte des Landes und will als erste Präsidentin abermals Geschichte schreiben.

          Handball-WM : Kroatiens Wut auf die Schiedsrichter

          Deutschland spielt ohnehin dank des Publikums in der Kölner Halle quasi zu acht bei der Handball-WM: Die Kroaten monieren nach der 21:22-Niederlage, dass zudem die Schiedsrichter geholfen hätten.
          Charlotte Brontës junge Heldin war beim Blättern in einem Buch glücklich wie selten. Diese speziell dafür vorbereitete Ausgabe von „Jane Eyre“ lässt sich nach der Lektüre so falten, dass – wahlweise — eine Aufforderung oder eine Verlockung zu lesen ist.

          Erklärung von 130 Forschern : Zur Zukunft des Lesens

          Bildschirme und bedrucktes Papier sind als Lesemedien nicht gleichwertig: Mehr als 130 Leseforscher aus ganz Europa haben eine Erklärung zur Zukunft des Lesens im Zeitalter der Digitalisierung unterzeichnet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.