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„Pick-Up Artists“ : Du bist ja ein ganz kleines Mädchen

Psychologe Baranowski bestätigt das: „Einige PUAs haben narzisstische Größenphantasien. Sie wurden als Kinder oder Jugendliche gedemütigt und wollen sich rächen.“ Viele hätten aber auch gar nichts Böses im Sinn, sondern suchten ganz arglos nach Hilfe, ihre Schüchternheit zu überwinden und ihre sozialen Fähigkeiten zu verbessern.

Viele Pick-Up-Trainer jedenfalls haben ähnliche Geschichten parat, wenn man sie fragt, wie sie zu ihrem Job gekommen sind. Pütz beispielsweise ist gelernter Erzieher und Schauspieler. Sein Vater ging, als er elf war; Pütz wuchs bei der Mutter auf, die er als stark und dominant empfand. In seiner Jugend sei er den Mädchen „ein guter Freund und Zuhörer gewesen, mehr nicht“. Anders sei das erst, seit er die Pick-Up-Methode anwende; seit drei Jahren lebe er jetzt in einer offenen Beziehung.

Zähmen, unterwerfen, gefügig machen

Pütz bemüht sich nach Kräften, seinem Tun einen seriösen Überbau zu geben: „Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, weil es etwas forciert, was so ein bisschen verlorengegangen ist: die Emanzipierung des Mannes.“ Durch „den Feminismus“ hätten die kleinen Jungen gelernt, dass Männer und Frauen gleich seien und dass also „eine Frau auch auf mich zugeht, wenn sie was von mir will“.

Die Realität sehe anders aus. Wenn ein Mann Erfolg bei Frauen haben wolle, müsse er sich „genau so archaisch verhalten, wie es ihr Großvater getan hat“. Im Übrigen glaubt Pütz, dass Frauen Pick-Up „von Natur aus“ beherrschten. High Heels seien doch „viel manipulativer als Handlesen“. Soziologin Thöne sagt: „Die meisten PUAs sehen die Frau als Schlange, die manipulative Spielchen spielt und versucht, den Mann zu unterdrücken. Sie muss gezähmt und unterworfen, abhängig und gefügig gemacht werden.“

Manche Frauen wollen das aber auch. Hall und Canterberry, die beiden amerikanischen Wissenschaftler, haben herausgefunden, dass Frauen, die einem PUA erliegen, sexistischer sind als andere. Ihr Rollenbild sage ihnen: Ich gehöre an den Herd. Eine mögliche Erklärung sei, dass Frauen, die sich selbst für Mäuschen halten, ganz zufrieden seien, wenn sie von Männern auch so behandelt würden.

Freilich gibt es auch Männer, die der Pick-Up-Lehre inzwischen den Rücken gekehrt haben. In Amerika haben sie sogar schon ein eigenes Forum, es heißt „Puahate“. Dort häufen sich die Aussagen von Männern, die begriffen haben, dass Authentizität und Gelassenheit nicht die schlechtesten männlichen Eigenschaften sind, wenn es um das Finden einer Partnerin geht.

Auch in Deutschland gibt es solche Einlassungen. Auf elitepartner.de schreibt ein Gast: „Bevor ich zu so einem manipulierenden, frauenverachtenden A*******h werde, verzichte ich lieber.“ Ein anderer Beitrag im gleichen Forum lautet: „Wenn Dich ein Mann komisch anmacht oder komische Sprüche drauf hat, ist er vermutlich einer, der es ernst meint, denn die stellen sich in der Regel mangels Übung am ungeschicktesten an.“

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