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„Pick-Up Artists“ : Du bist ja ein ganz kleines Mädchen

Eine unter PUAs sehr bekannte Möglichkeit, eine Frau zu erobern, ist das „Push and Pull“: eine Frau abwechselnd abzustoßen und anzuziehen. Dazu mischt der Mann Komplimente mit Beleidigungen, um die Frau herabzuwürdigen und sie dazu zu bringen, sich zu rechtfertigen. So nimmt sie eine schwächere Position ein, und er hat die Oberhand, zumindest in der PUA-Theorie.

Eine weitere der vielen Verhaltensregeln lautet: Wenn die Frau schon abgeschleppt wurde und dann doch keinen Sex will, muss sie bestraft werden. Der Mann soll dann jede sexuelle Spannung leugnen - so lange, bis die Frau sich selbst in Frage stellt und gar nicht mehr weiß, ob sie sich sein Begehren nicht bloß eingebildet hat. In dieser Phase soll der Mann dann wieder einsetzen mit dem sexuellen Werben.

Viele Frauen fallen auf so ein Gehabe herein

“Diesen Typ Mann gibt es seit eh und je, ich wusste allerdings nicht, dass die heutzutage einen eigenen Club haben und natürlich eine angloamerikanische Fachbezeichnung im Titel führen“, lautet der Tenor einiger Kommentatorinnen im Internet. Doch so einfach ist es nicht. Ein solches Verhalten wurde früher nicht in Seminaren gelehrt. Und einen pseudowissenschaftlichen Überbau hatte es auch nicht.

Hier setzt unter anderem die Kritik an. Psychologe Baranowski etwa moniert nicht nur die sexuell motivierte Anwendung von neurolinguistischer Programmierung, also den Versuch, das Gegenüber durch Sprache und Körpersprache zu manipulieren. Sondern auch, dass die PUAs ihre Lehre auf laienhafte Weise evolutionspsychologisch untermauern: „Sie verstehen größtenteils gar nichts davon. Zum Beispiel argumentieren sie, dass bei den Steinzeitmenschen derjenige Jäger die Frau erobert hat, der das größte Wild erlegt hat. Aber das ist gar nicht erwiesen. Und selbst wenn: Unsere Gesellschaft hat sich weiterentwickelt.“ Ebenso falsch sei der Gedanke, dass Frauen von dominanten Männern verführt werden wollen: „Das kann man so nicht sagen; nicht Dominanz ist ein Attraktivitätsmerkmal, sondern Prestige und sozialer Status.“

Dennoch fallen viele Frauen auf so ein Gehabe herein. Wie sie sich fühlen, nachdem sie mit einem PUA im Bett waren, kann man im Netz nachlesen. „Ich bin von einem Pick-Up Artist verführt worden und werde deshalb bald in psychologischer Behandlung sein“, schreibt etwa „lunamare“ auf brigitte.de. Auf elitepartner.de schreibt ein „Gast“: „Sicherlich war er auch narzisstisch veranlagt. Die Komplimente, die von ihm kamen, fielen mir zwar auf, und manche fand ich überzogen - und trotzdem, ich fühlte mich geschmeichelt.“ Eine andere Frau schreibt: „Wer jetzt denkt, das lässt nur eine labile oder einfache Frau mit sich machen, täuscht sich. Er hat das auch mit Akademikerinnen und rational sehr intelligenten Frauen gemacht. Die meisten von ihnen haben sich total in ihn verknallt, weil er lange genau das vorgeben konnte, was die Frauen bei einem Mann suchten.“

„Das geht tief in die Psyche“

Die salsatanzende Irina, die rechtzeitig den Absprung geschafft hat, sagt: „Der Typ ist eine arme Seele und gleichzeitig ein gefährlicher Mensch, weil er Mädchen missbraucht. Er dressiert sie wie einen Hund, und obwohl man es spürt, funktioniert es. Das geht tief in die Psyche. Er hat keine Persönlichkeit mehr, sondern befolgt nur noch Regeln. Es ist eine Eroberungssucht. Er verschenkt Träume und tut so, als sei er der Prinz. Das sind Typen, die eigentlich nicht genug Liebe bekommen haben und eine Wut auf Frauen im Bauch haben.“

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