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„Pick-Up Artists“ : Du bist ja ein ganz kleines Mädchen

Das Urteil männlicher Wissenschaftler fällt nicht weniger vernichtend aus: „Manche würden alles tun, um eine Frau ins Bett zu bekommen. Da wird dann auch schon mal zu Hypnose oder pseudowissenschaftlichen Methoden wie neurolinguistischem Programmieren gegriffen“, sagt der Psychologe Andreas Baranowski, der eine Diplomarbeit zu dem Thema geschrieben hat und an der Uni Mainz als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. Dass Pick-Up von Männern praktiziert wird, die höchst sexistische Haltungen haben, davon sind auch Jeffrey Hall und Melanie Canterberry überzeugt, zwei Lehrbeauftragte an der Universität von Kansas, die sich mit dem Phänomen befasst haben.

Dennoch erfreut sich die Pick-Up-Lehre großer Beliebtheit. Online buhlen in Deutschland mindestens fünf Seitenbetreiber mit mehr oder weniger identischen Konzepten um Kunden für Seminare. Allein das Forum der Pick-Up-Artist-Community hat 50 000 Mitglieder, so jedenfalls Maximilian Pütz, der seit 2005 geholfen hat, die deutsche Szene aufzubauen, und heute als Trainer und Buchautor (“Der perfekte Eroberer - Wie Sie garantiert jede Frau verführen“) tätig ist. Er macht das hauptberuflich und lebt nach eigenen Angaben nicht schlecht von dem, was er damit verdient. Der Bedarf an Seminaren, die um die 500 Euro kosten und zwei Tage dauern, ist offenbar groß.

Aktive Szene in deutschen Großstädten

Wenn die Männer „ausgebildet“ sind, üben sie ihre Fertigkeiten in freier Wildbahn - falls sie das tatsächlich hinkriegen. „In vielen großen deutschen Städten gibt es eine aktive Szene. In München zum Beispiel gehen jeden Samstagabend verschiedene Gruppen von Pick-Up Artists (PUAs) zusammen aus und versuchen ganz gezielt, Frauen aufzureißen“, hat Psychologe Baranowski im Zuge der Recherchen für seine Diplomarbeit herausgefunden. In Internetforen brüsten sich PUAs mit ihren Erfolgen, manche stellen heimlich aufgenommene Videoschnipsel mit angeblichen Eroberungsszenen auf Youtube.

Als Begründer der Pick-Up-Bewegung gilt der Amerikaner Ross Jeffries, der heute von sich sagt, er fühle sich wie Frankenstein und habe ein Monster erschaffen. Bekannt wurde Pick-Up aber erst durch den amerikanischen Journalisten Neil Strauss, der angeblich bei der Recherche für einen Artikel in die bereits bestehende, aber noch nicht besonders bekannte Szene eintauchte.

Über seine Erfahrungen schrieb er 2005 das Buch „The Game“, das es, begleitet von einem Aufschrei aufgebrachter Feministinnen, auf die Bestsellerliste der „New York Times“ schaffte. Kritiker sagten schon damals, das Buch sei allenfalls für Männer interessant, die die emotionale Reife von Fünfzehnjährigen besäßen. Dennoch fanden viele offenbar Geschmack an der Sache - inzwischen hat die Lehre, die auch durch eine Fernsehserie befeuert wurde, weltweit Anhänger gefunden.

Komplimente mit Beleidigungen mischen

Diese Männer lernen zum Beispiel, die verschiedenen Eroberungsstufen einer Frau als „Closes“ zu bezeichnen und sich nur um Frauen (“Hot Babes“) zu bemühen, die auf einer Attraktivitätsskala mindestens acht von zehn möglichen Punkten haben (HB 8 bis 10). Wenn ein solches Hot Babe seine Telefonnummer herausrückt, ist das ein „Number Close“, wenn es sich küssen lässt, ein „Kiss Close“, und wenn es mit dem Mann ins Bett geht - wie das heißt, lässt sich leicht erraten.

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