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Philippinen : Gewaltiger Taifun „Haiyan“ fordert erste Todesopfer

Der Wirbelsturm in einer Satellitenaufnahme vom Freitag Bild: dpa

Hunderttausende Menschen sind vor dem Taifun „Haiyan“ auf der Flucht. Der zieht mit zerstörerischer Kraft über die Philippinen hinweg – mit meterhohen Wellen, verheerendem Regen und Sturmwinden.

          Für diesen Sturm scheint kein Superlativ zu stark. Als „Super-Taifun“, „Monster-Taifun“, „gefährlichster Taifun seit Jahrzehnten“ und „stärkster Sturm der Welt in diesem Jahr“ wird er bezeichnet. Nach internationaler Namensgebung heißt der Sturm aber nur „Haiyan“. Das Wort ist die chinesische Bezeichnung für eine Vogelart, die auf Deutsch passenderweise Sturmvogel genannt wird. Die Filipinos nennen den Taifun dagegen „Yolanda“. Als solcher wird er wahrscheinlich in die Geschichte des Landes eingehen. Denn auch wenn das Ausmaß der Katastrophe noch nicht abzusehen ist: Es ist mit starken Schäden zu rechnen, die der gewaltige Luftwirbel auf den Inseln der Zentral-Philippinen hinterlassen wird. Hunderte, womöglich Tausende werden umkommen; in den betroffenen Regionen leben Millionen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Ein amerikanischer Forscher stufte den Taifun schon als einen der vier stärksten Tropenstürme der Weltgeschichte ein. Er sei sogar der stärkste, der jemals auf Land getroffen sei, schrieb Jeff Masters in seinem Blog. Der Inselstaat ist an folgenreiche Naturkatastrophen gewöhnt. Jährlich erreichen etwa 20 Tropenstürme die Philippinen. Im vergangenen Jahr hatte der Taifun Bopha 1800 Menschen das Leben gekostet. Vor drei Wochen starben bei einem Erdbeben der Stärke 7,1 mehr als 220 Menschen. Bohol und Cebu erschütterten ausgerechnet einen Teil der Region, die nun auch von dem Taifun heimgesucht wurde. Dort lebten viele Familien noch immer in Notunterkünften und mussten vor den heftigen Winden und Regenfällen in Sicherheit gebracht werden. Angesichts der Erfahrungen hatte sich Präsident Benigno Aquino schon früh an die Bewohner des Landes gewandt. „Kein Sturm kann das vereinigte philippinische Volk in die Knie zwingen. Ich hoffe, dass wir alle in den kommenden Tagen in Sicherheit sind“, sagte er in einer Fernsehansprache.

          Menschen bringen sich in Sicherheit Bilderstrecke

          Das war nur Stunden, bevor der Sturm auf Samar in den östlichen Visayas zum ersten Mal auf eine der philippinischen Inseln traf, von Osten aus in einem Gebiet Hunderte Kilometer südöstlich der Hauptstadt Manila. In Erwartung der Gefahr hatten die Behörden da schon Hunderttausende Menschen aus Wohngebäuden in Schulen, Kirchen und anderen öffentlichen Gebäude in Sicherheit gebracht. Der Sturm traf an fünf Orten an Land. Das Sturmgebiet hatte einen Durchmesser von 600 Kilometern. Doch gab es zunächst kein zusammenhängendes Bild davon, wie es an Ort und Stelle denn nun wirklich aussah, da die Kommunikation zusammengebrochen war. Wegen der fehlenden Augenzeugenberichte konnten in den ersten Stunden nur die beängstigenden Messdaten hinzugezogen werden, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie stark die Zerstörung am Ende wohl sein würde. Von einer Geschwindigkeit mit bis zu 275 Kilometern in der Stunde sprach der philippinische Wetterdienst. Amerikaner hatten sogar Windgeschwindigkeiten von bis zu 315 und Böen mit 379 Stundenkilometern berechnet.

          Das sind Werte, die bislang nur in sehr wenigen Fällen gemessen wurden. Dann tauchten zunächst ein paar unscharfe Videoaufnahmen von „Haiyan“ auf, die überschwemmte Straßenzüge zeigten. Zahlreiche Trümmer waren zu sehen, die auf den Fluten schaukelten und großflächige Metallteile, die durch die Luft gewirbelt wurden. Danach trafen die ersten Schreckensnachrichten ein: Häuser sind zerstört, Palmen und andere Bäume umgekippt. Überschwemmungen und Erdrutsche wurden gemeldet. Telefon- und Stromleitungen waren unterbrochen. Zwei Menschen wurden von Stromschlägen getötet. Ein zweijähriger Junge wurde von einem Blitz getroffen. „Unterschätzt den Sturm nicht, er ist sehr stark, sehr mächtig“, sagte Alfredo Romualdez, der Bürgermeister der Stadt Tacloban auf der Insel Leyte, der Presse. „Die Menschen hier sind verängstigt. Wir haben noch nie einen Sturm wie diesen erlebt.“

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