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Pfadfinder : Die Welt als Abenteuerspielplatz

  • -Aktualisiert am

Was Pfadfinder brauchen: Hemd, Halstuch, Suppenlöffel Bild:

Seit 100 Jahren gibt es Pfadfinder, aber was sie genau machen, wissen viele nicht: komische Hosen tragen, alten Damen helfen, viel im Wald rumlaufen? Ein Besuch am Lagerfeuer.

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          Kurz vor Sonnenuntergang liegt der See ruhig da, nur die Mücken haben beschlossen, alles zu attackieren, was sich bewegt. Clemens hockt sich hin, um das kleine Feuer zu begutachten. Schließlich muss es kräftig genug sein, um das Abendessen zuzubereiten. Er trägt das beige Pfadfinderhemd des katholischen Pfadfinderverbands „Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg“ (DPSG), um seinen Hals baumelt das grau-grüne Halstuch, das ihn als Gruppenleiter auszeichnet. „Leg doch noch ein Stück Holz drauf“, weist er einen Jungen neben sich an, stemmt sich hoch und schiebt den hellbeigen Stoffhut aus dem braungebrannten Gesicht.

          Seit drei Tagen ist Clemens mit seinen 18 Pfadfindern auf Wanderschaft quer durch Brandenburg. Eigentlich hat ihr Pfadfinderstamm „St. Hedwig"“aus Norderstedt bei Hamburg sein Sommerlager in diesem Jahr bei Rheinsberg aufgeschlagen, mit 70 Leuten insgesamt, vom achtjährigen „Wölfling“ bis zum 30 Jahre alten Pfadfinderleiter. Doch jetzt sind sie, die Altersgruppe zwischen 13 und 17, ein paar Tage allein unterwegs. Heute abend haben sie sich mitten im Wald unweit des brandenburgischen Dörfchens Fürstenberg niedergelassen.

          „Irgendwas Kompliziertes“

          Ein paar Schritte weiter steht der 13 Jahre alte Max. „Feuer machen, Knoten, so was lernen wir alle in den Pfadfinder-Gruppenstunden“, erzählt er. Fragt man ihn, was ein Pfadfinder überhaupt ist, schaut er sich hilfesuchend bei seinen Freunden um. „Bei den Pfadfindern gibt es vier Säulen . . .“, fängt er an. “Nee, es sind drei“, ruft Jonathan, ein älterer Junge mit Brille. Gemeinsam überlegen sie: „Leben in Freiheit“, ruft einer, „Solidarität“, weiß ein anderer. „Ach, und das Dritte war irgendwas Kompliziertes“, sagt Max und zuckt mit den Schultern. „Das Wichtigste ist sowieso die Gemeinschaft“, sagt der hochgewachsene Timon, der immerhin schon 17 ist. Alle nicken.

          Wilder Charme: Pfadfinder in ihrem Lager bei Fürstenberg/Havel

          Es sind die Regeln von Robert Baden-Powell, die die Pfadfinder bis heute prägen. Er ist der Mann, der die Pfadfinder erfand, vor genau 100 Jahren. Damals machte sich der pensionierte britische Militäroffizier mit einem Trupp von 20 Jungen auf die Insel Brownsea Island auf, um dort eine Woche in der freien Natur mit ihnen zu leben. Baden-Powell hatte von Afghanistan bis Indien Spähtrupps für die Armee ausgebildet, sogenannte „Scouts“, hatte sich kriegsmüde mit 50 Jahren pensionieren lassen. Er wollte jungen Leuten zeigen, wie sie in freier Wildnis überleben können, und ihnen den Wert von Kameradschaft vermitteln. In Anlehnung an seine frühere Arbeit nannte er seine Jungs „boy scouts“. Der Trip nach Brownsea Island gilt als Geburtsstunde der Pfadfinder. Daraus hat sich ein Jahrhundert später eine Bewegung von großen Ausmaßen entwickelt: In mehr als 200 Ländern der Welt soll es insgesamt mehr als 38 Millionen Pfadfinder geben, so Schätzungen; 40 000 versammeln sich in diesen Tagen zur Jubiläums-“Jamboree“ in London.

          Das Prinzip der kleinen Gruppe

          Auch wenn sich seit Baden-Powells Zeiten viel verändert hat, einige Grundideen finden sich noch heute bei den Pfadfindergruppen. Die einheitliche Kluft und die traditionelle Art des Lagerbaus sind das Sichtbarste. Doch auch das Prinzip der kleinen Gruppe war eine Idee des Ex-Offiziers. Die Bitte, die Baden-Powell kurz vor seinem Tod 1941 in einem Abschiedsbrief an seine Pfadfinder formulierte, beeinflusst sie ebenfalls noch heute: „Versucht, die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als ihr sie vorgefunden habt.“ Jeden Tag eine gute Tat, nichts zurücklassen als seinen Dank - Pfadfindertugenden, die jedes Kind kennt.

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