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Peinlicher Umweltpreis : Dinosaurier des Jahres geht an EnBW-Chef Goll

  • Aktualisiert am

Trophäe „Dinosaurier des Jahres” Bild: AP

Der „peinlichste Umweltpreis“ für die Blockade des Atomausstiegs geht an EnBw-Chef Gerhard Goll.

          2 Min.

          Über dieses verspätete Weihnachtsgeschenk dürfte sich der Vorstandschef der Energie Baden-Württemberg (EnBW), Gerhard Goll, wenig gefreut haben: Als „Dinosaurier 2002“ wurde Goll am Freitag in Berlin vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ausgezeichnet.

          Der Nabu verleiht den, wie er ihn selbst nennt, „peinlichsten Umweltpreis“ alljährlich an „die herausragende Fortschrittbremse“ in Sachen Umwelt-und Naturschutz. Goll habe sich gegen die starke Konkurrenz vor allem wegen seiner Blockade des Atomausstiegs durchgesetzt, erklärte Nabu-Geschäftführer Gerd Billen in Berlin. Der EnBW-Chef habe wie kein anderer an dem Atomkraftwerk Obrigheim festgehalten. Das mit 32 Jahren älteste Kraftwerk Deutschlands sei „der Dino unter den Reaktoren“.

          Goll habe schon im Jahr 2000 Druck auf Bundeskanzler Gerhard Schröder ausgeübt und so die Restlaufzeit des Kraftwerkes Obrigheim bis 2005 verlängert, sagte Billen. Der Nabu mache den Vorstandschef auch für eine Reihe von Pannen in dem EnBW-Atomreaktor Philippsburg II verantwortlich. Bei der für Notfälle vorgesehen Kühlflüssigkeit sei jahrelang „geschlampt“ worden. So wäre der Reaktor bei einem Notfall „kaum zu beherrschen“ gewesen.

          „Blockierer” Gerhard Goll
          „Blockierer” Gerhard Goll : Bild: AP

          Goll geht bald in Ruhestand

          Bereits im vergangen Jahr habe Goll den Dino nur knapp verpasst, betonte der Nabu-Bundesgeschäftsführer. Der Dinosaurier 2001 ging an den Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerhard Sonnleitner. Für 2002 war unter anderem Hessens Ministerpräsident Roland Koch nominiert. Der EnBW-Chef habe in diesem Jahr das Rennen gemacht, weil er im Mai 2003 in den Ruhestand gehe, sagte Billen. „Wir wollen uns in die Reihe der Gratulanten einreihen.“

          Ob der neue Besitzer seine 2,6 Kilogramm schwere Riesen-Zinnechse in Empfang nehmen werde, wusste der Nabu nicht. Für mehr als unwahrscheinlich erklärte EnBW-Sprecher Klaus Wertel eine solche Entgegennahme. Goll sei „im Urlaub“, sagte er am Freitag in der EnBW-Zentrale in Karlsruhe. Schlaflose Nächte werde der Vorstandschef wegen des peinlichen Preises „mit Sicherheit nicht“ haben. Wertel nannte die Preisverleihung einen „Unfug“.

          Die Nabu-Mitglieder würde sich „gerne auf Kosten Dritter profilieren“, sagte der Sprecher. „Der Nabu hieß vorher ja Deutscher Vogelschutzbund, dabei hätte es auch bleiben sollen“. Als „ernst“, aber auch „ein weinig charmant“, bezeichnete dagegen Billen die Auszeichnung. „Der Dino ist nun wirklich kein gefährliches Tier.“ Er solle aber den Empfänger dazu anregen, das eigene Handeln zu überdenken. Der „Dinosaurier des Jahres“ sei mit Absicht ein sehr persönlicher Preis. Man gehe davon aus, dass diese Personen selbst über ihr umweltfeindliches Handeln entscheiden könnten.

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