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Peer Steinbrück : „Als Kind habe ich Kriegsschiffe nachgebaut“

  • Aktualisiert am

Mit der „USS Constitution 1797“: Peer Steinbrück in seinem Bundestags-Büro Bild: Matthias Lüdecke

Der „einfache Abgeordnete“ Peer Steinbrück hat ein Kriegsschiff im Büro - als Nachbau. Im F.A.Z.-Interview spricht er über den Modellbau, den Untergang der „Titanic“ und seine Aussichten als Kapitän.

          Herr Steinbrück, früher in Ihrer Zeit als Finanzminister hatten Sie eine Sammlung Nashörner im Büro. Ihr Vorgänger Hans Eichel schmückte sein Arbeitszimmer mit Sparschweinen...

          Weiß Gott!

          Nun haben Sie als - welch hässliches Wort - einfacher Abgeordneter ein Modell des Kriegsschiffes „USS Constitution“ im Zimmer, des berühmtesten amerikanischen Kriegsschiffs aus dem späten 18. Jahrhundert. Selbst gebaut?

          Nein, leider nicht. Es ist zu perfekt. Ein Freund, der in der Automobilbranche tätig war, hat es gebaut und mir geschenkt. Aus Holz mit kupferbeschlagenem Rumpf. Kein Bausatz. Alles Handarbeit.

          Ein sensationelles Geschenk. Gab es eine Wiedergutmachung?

          Ja, ich habe ihn über ein verlängertes Wochenende mit seiner Frau nach Hamburg eingeladen, damit sie das Schiffsmuseum von Peter Tamm besuchen können, ganz in der Nähe, wo jetzt die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Das ist eines der phantastischsten Museen der Welt, mit den tollsten Schiffsmodellen und anderen maritimen Ausstellungsstücken.

          Details der „Constitution 1797“, die Steinbrück von einem Bekannten geschenkt bekam

          Sie werden Glück gehabt haben, dass Peter Tamm das Modell nicht gesehen hat. Der hätte sonst versucht, es für sein Museum zu requirieren.

          Sie haben Recht. Tamm ist ein manischer Sammler. Ich weiß, wovon ich rede. Er hat sogar einen unbedeutenden Nachlass meines Vaters, der im Krieg Marineoffizier war, meiner Mutter abgeschwatzt. Er hat die wahrscheinlich weltweit größte Modellsammlung von Knochenschiffsmodellen. Das sind Modelle, die französische Gefangene aus den britisch-napoleonischen Seekriegen aus Knochen gebaut haben, um sich ein wenig Geld zu verdienen. Wahrscheinlich gibt es auf der Welt nur noch etwas über 100 Stück in dieser Güteklasse davon. Peter Tamm hat ungefähr die Hälfte.

          Modellbau bei Erwachsenen hat ja meistens etwas mit der frühen Jugend zu tun.

          Mein Vater war ja Segler und Marineoffizier. Und er hat als Junge selbst Modelle gebaut. Die sind leider im Krieg alle kaputt gegangen. Natürlich geht auch mein Faible auf die Jugend zurück. Meine ersten Modelle baute ich im Alter von sechs Jahren - aus Karton.

          In den Fünfzigern und Sechzigern hieß das: Wilhelmshavener Modellbau-Bögen.

          Richtig. Die waren schön preiswert.

          „Die alten Kriegsschiffe aus Karton habe ich mit in die Badewanne genommen und habe sie mit kleinen Silvesterknallern hochgehen lassen.“

          Welche haben Sie gebaut?

          Ich habe Frachter gebaut, die immer mit dem Namen „Fels“ endeten.

          Das waren die Schwergutfrachter vom Typ „Lichtenfels“. Die transportierten Lokomotiven zum Beispiel.

          Ich habe auch Tankschiffe gebaut, die „Olympic Mountain“ zum Beispiel. Dann gab es noch die Tanker des griechischen Reeders Aristoteles Onassis. Der hatte einige Tankschiffe in Hamburg bauen lassen, die „Tina Onassis“ zum Beispiel.

          Zu der Zeit waren Tankschiffe noch elegant und architektonisch schön. Onassis ließ die „Tina Onassis“ 1953 von seiner damals drei Jahre alten Tochter Christina taufen.

          Ja, Onassis ließ damals bei den Howaldtswerken in Hamburg bauen.

          Was hat Sie als Jugendlicher am Modellbau fasziniert?

          Die Verkleinerung von mächtigen Schiffen, auch die getreue Abbildung und natürlich die Ästhetik. Damals hatten Tankschiffe noch eine herausragende Ästhetik. Die Aufbauten hatten sie nicht nur am Heck, sondern auch mittschiffs. Dadurch hatten die Schiffe viel harmonischere Linien als heute. Ich finde übrigens, dass auch Oldtimer häufig schöner sind als die modernen Autos. Deutsche Kriegsschiffe habe ich auch nachgebaut. Die „Scharnhorst“ und die „Gneisenau“. Die waren kleiner als die „Bismarck“.

          Auch Günter Bannas, Leiter des Hauptstadtbüros der F.A.Z., baut in seiner Freizeit Schiffsmodelle wie die Mauretania.

          Und Passagierschiffe?

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