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Pariser Modewoche : Pelz-à-porter und andere Scheußlichkeiten

Bill Gaytten für Dior Bild: Helmut Fricke

Die Pariser Mode wartet auf Erlösung. Zumindest bei Yves Saint Laurent naht sie - in Gestalt von Hedi Slimane. Am stärksten aber überzeugen immer noch die Designerinnen.

          4 Min.

          All die dicken Volants, der in Streifen geschnittene Pelz, die überflüssigen Fransen, die wenig schmeichelnden Schößchenrüschen und die übergroßen Trompetenärmel - ist das gut, ist das schön, ist das wahr, was Viktor & Rolf da auf die Bühne bringen?

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Darauf kommt es gar nicht an, wie Anna Dello Russo in der ersten Reihe erklärt, die Heilige der Street-Style-Blogger und Erlöserin verzweifelter Modefans. „Ein Defilee zu besuchen“, so dekretiert sie feierlich, „ist wie in die Kirche zu gehen.“ In dieser Logik sind natürlich alle Prêt-à-porter-Schauen mit der Mode für Herbst und Winter wunderbar verlaufen. Es wird eine Frohe Botschaft verkündet, die Predigt dauert nicht zu lange, alle beten alles nach und zum Abschied heißt es: Gehet hin in Frieden!

          Wir aber scheiden dieses Mal auch im Unfrieden von Paris. Denn viele Kollektionen waren kaum auszuhalten - insofern geben Viktor & Rolf doch mal einen Trend vor. John Galliano, Lanvin, Mugler, Kenzo, Gaultier: falsche Formen, hässliche Farben, kaum Ideen.

          Und das hat gleich mehrere Gründe. So glaubt man bei Kenzo ein neues Zeitalter zu eröffnen, mit Humberto Leon und Carol Lim, die mit ihrem Trendladen „Opening Ceremony“ in Los Angeles und New York für Furore gesorgt hatten. Nun hat man aber eben keine Designer an der Spitze. Sie beten getreulich den Trend der Schößchenvolants nach, wollen Paris möglichst cool interpretieren und reichen höchstens mit ihren Pflanzenmustern an die Phantasietätigkeit ihres Vorgängers Antonio Marras heran.

          Victor & Rolf Bilderstrecke

          Bei Mugler glaubt man, Lady-Gaga-Ausstatter Nicola Formichetti werde es schon richten, dabei ist eben ein Stylist, wie man an der dekonstruierten Kollektion sieht, durchaus auch ein Anti-Designer. Nicht einmal bei Lanvin war es viel besser. Zum Zehn-Jahres-Jubiläum brachte Designer Alber Elbaz, der Schmusebär der bestimmenden internationalen Redakteurinnen, alles durcheinander - fünf schöne Mäntel und Kostüme zu Beginn, dann mit Pelzen, Spitze, Schmuck und Mustern grausam überladene Tages- und Abendkleider, die Meryl Streeps Lanvin-Aufzug beim Oscar-Abend noch in den Schatten stellten.

          Es geht auch anders. Das macht gleich zu Beginn der Woche Bill Gaytten klar. Seine Kollektion für Dior lässt - heute eine ungewöhnliche Idee - Christian Dior wieder auferstehen. „Ich wollte alles Überflüssige weglassen“, sagt er nach der Schau. Das ist ihm mit den schwingenden Mänteln, den kragenlosen Jacken und den abgetönten Farben von Altrosa bis Mittelgrau fast zu gut gelungen. Die Kollektion sieht so verkäuflich aus, dass Moderedakteurinnen nicht begeistert sind, Einkäufer um so mehr. Man könnte es auch positiv sagen: Bill Gaytten ehrt die Tradition, ähnlich wie Marc Jacobs, der am Mittwoch für Louis Vuitton ebenfalls in die Zeit der Markengründung zurückgeht - und einen echten Dampfzug vorfahren lässt, dem Damen in überlangen Kostümen und überweiten Mänteln entsteigen.

          Da die Zahlen gut aussehen, wird es dem zum LVMH-Konzern gehörenden Haus Dior schwer fallen, Gaytten einfach hinauszuwerfen. Andererseits gehen die Gerüchte um einen Nachfolger für die Post-Galliano-Interimslösung weiter - und laufen wieder auf Haider Ackermann zu, den in Kolumbien geborenen, in Frankreich aufgewachsenen und in Belgien ausgebildeten Designer, der für sein eigenes Label eine treffende Kollektion zeigte. Indiz: Laut Blog-Berichten wurden in der Dior-Zentrale an der Avenue Montaigne schon Blumen für ihn abgegeben. (Vielleicht hat sie ein anderer Blogger dort vorbeigebracht.)

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