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Ärger wegen Parkgebühren : Die Pariser Rollerfahrer sind auf der Palme

Roller oder E-Roller? Beides ist in Paris beliebt. Bild: F.A.Z:

In Paris sollen Motorrollerfahrer ab sofort Gebühren zahlen, wenn sie am Straßenrand parken. Die Stadtverwaltung will sie so zum Umstieg auf umweltfreundlichere Fahrzeuge bewegen. Der Ärger ist groß.

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          Motorrollerfahrer gehören fest zum Pariser Straßenbild und quetschen sich wie die Köchin Colette im Spielfilm „Ratatouille“ mit oft ra­santem Tempo durch noch so enge Lücken. Nun hat die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo sie gegen sich aufgebracht.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Seit dem 1. September können sie ihr Fahrzeug nicht mehr kostenlos am Straßenrand abstellen, es sei denn, sie fahren mit Elektroantrieb. Auch Motorräder sind davon betroffen. Zwei oder in den Innenbezirken drei Euro müssen sie von nun an pro Stunde zahlen, wobei es für Anwohner vergünstigte Jahrestarife und für Menschen mit Be­hinderung sowie Pfleger Ausnahmen gibt.

          Fehlender Respekt vor Radwegen und Bürgersteigen

          Die Stadtverwaltung be­gründet den Schritt mit der „Gleichbehandlung“ von Zweirädern mit Ver­brennungsmotor mit Autos und soll ihre Besitzer „insbesondere dazu bewegen, ein weniger umweltschäd­liches Fahrzeug zu benutzen“. Zudem sei der öffentliche Raum extrem eingeschränkt und beansprucht. Schon im letzten Wahlkampf hatte Hidalgo beklagt, dass es „viel zu viele motorisierte Zweiräder gibt, die überall parken und die Radwege und Bürgersteige nicht respektieren“.

          Viele Pariser finden die härtere Gangart gegen die als lärmend und stinkend empfundenen Roller gut, zumal andere Großstädte wie London schon länger von ihnen Park­gebühren verlangen. Betroffene hingegen können den Schritt nur schwer nachvollziehen, nachdem Hidalgo es sich bei ihnen schon mit dem stadtweiten Tempolimit von 30 Stundenkilometern verscherzt hat.

          Das Internet und die Presse sind voller wütender Kommentare. „Ich ha­be meinen Motorroller nur für die Arbeit gekauft, denn es ist ein güns­tiges, einfaches und sehr schnelles Transportmittel“, erzürnt sich ein Si­cherheitsmitarbeiter in der Lokal­zeitung „Le Parisien“. Der Lobby­verband Fédération française des Motards en colère spricht von einer „wirklich diskriminierenden Maßnahme, insbesondere für die Ärmsten, die in den Vorstädten wohnen“, startete eine Unterschriftensammlung und will an diesem Samstag vor dem Rathaus demonstrieren.

          Die Wohnungen in Paris seien so teuer ge­worden, dass die Menschen immer weiter wegzögen – aber nicht 40 Kilometer mit dem Fahrrad ins Zentrum fahren könnten. Die Vorstädter würden „als Bürger zweiter Klasse be­trachtet, die gezwungen sind, die leider oft überlasteten öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen“, kritisiert auch die Wirtschaftszeitung „Les Echos“.

          Neun von zehn Motorrollerfahrern nutzen ihr Fahrzeug laut dem Verkehrsclub Mobilians, um zur Ar­beit zu pendeln. Sie spricht von 760.000 motorisierten Zweirädern in Paris und Umland. Händler erwarten nun ein wachsendes Interesse an Rä­dern oder Rollern mit Elektroantrieb, die in Frankreich wie in Deutschland subventioniert werden.

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