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Pariser Modewoche : Bon retour, Haute Couture!

Schiaparelli nimmt Raum ein: Durch breite Krempen – und vollendete Formen. Bilderstrecke
Modewoche : Haute Couture Week in Paris

Jean Paul Gaultier ließ Glenn Martens, rising star der Modewelt, die Frühjahrskollektion für sein Haus gestalten und tat gut daran: Inspiriert von mittelalterlicher Mode (Martens kommt aus Brügge), reinterpretierte der Belgier Gaultiers klassische Formen so eigen, dass er sie nebenbei wie neu erschuf: Die Corsage – Schönheitsideal der burgundischen Mode mit ihrer schmalen, hohen Taille sowie Markenzeichen Gaultiers – schnitt er seitlich auf. So entsteht ebenfalls eine lange Silhouette – aber eine bewegliche, die nicht einengt.

Das dunkle Zeitalter beherrscht die Frühlingslooks bei Gaultier vielmehr in Anlehnung an das Gotische: Hochgeschlossen, gebauschte Stoffe und Schleppen. Bei Martens werden sie jedoch nicht zu schwertragenden Designs, sondern in stromlinienförmigen Mustern und dekonstruieren Corsagen entzerrt. „Wir haben nur selten die Möglichkeit, so aufwändige Silhouetten zu entwerfen. Für mich bedeutet Couture pure Schönheit und Eleganz. Looks, die nichts auf der Straße zu suchen haben”, sagt Martens. Er ist Gründer des Y/Project, das Streetwear macht, und Chefdesigner für das Jeanslabel Diesel – er weiß also das Praktische für die Haute Couture aufzugreifen.

Der Designer Glenn Martens entwarf die Kollektion für Jean Paul Gaultier.
Der Designer Glenn Martens entwarf die Kollektion für Jean Paul Gaultier. : Bild: Jean Paul Gaultier
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Fendi bediente sich einer ganz ähnlichen Ästhetik: Kim Jones inszenierte seine Entwürfe zwischen düster-animierten Säulen Roms – im Gegensatz zu Gaultier kämpfen sich die Models hier jedoch zwischen Antike und Dystopie in der Gegenwart über den breiten Laufsteg. „Wenn man in Rom die Straße entlang geht, bewegt man sich ständig in der Zeit hin und her", so der Designer über seine Entwürfe. Hochgeschlossen und in gedeckten Farben, setzte auch Fendi auf Sakrales, wenn auch mit futuristischen Elementen. Jones sagte, er habe für die Kollektion Science-Fiction-Romane wie „Dune” von Frank Herbert und Philip Pullmans „His Dark Materials” nochmal gelesen. „Die Stadt ist völlig zeitlos: Es gibt eine historische Ader, die sie durchzieht, aber auch eine Bewegung, die nach vorne gerichtet ist”, so der Designer. Am auffälligsten zeigt sich das in den langen Schleppen, die nackte Beine hinter sich herziehen: Offen nach vorne.

Mode gegen Angst? Model bei Viktor&Rolf im Nosferatu-Smoking.
Mode gegen Angst? Model bei Viktor&Rolf im Nosferatu-Smoking. : Bild: Viktor&Rolf

Auch Viktor & Rolf bedienten sich an dem Unheimlichen, versuchten jedoch in ihren Kreationen dem die letzten zwei Jahre vorherrschenden Gefühl der Angst ironisch zu begegnen. Sie inszenierten ihre Models mit unnatürlich hohen Nosferatu-Schultern und überlangen Fingernägel als Klauen. Befremdlich wirken diese irreal modifizierten Körper – aber gleichzeitig eben auch, ganz typisch Viktor & Rolf, ironisch. Das Spielerische wird dabei gar nicht mal an den knalligen Sechzigerjahre-Schleifen-Roben deutlich – sondern vor allem am Smoking, dessen Schulterlinie auf Kopfhöhe sitzt. Viktor Horsting und Rolf Snoeren wählten Dracula als Symbol für Angst vor gesellschaftlichen Veränderungen – am besten sei ihr mit Drama zu begegnen.

Valentino bei der Paris Couture Week 2022.
Valentino bei der Paris Couture Week 2022. : Bild: picture alliance / Ik Aldama

Nach drei Saisons Online-Präsentationen und Schauen in Italien, zeigte auch Valentino wieder in Paris, im Hôtel Salomon de Rothschild. Man war gespannt, womit das Haus dieses Jahr aufwarten würde, nachdem Pierpaolo Piccioli letztes Jahr in Venedig für seine „Valentino Des Ateliers Couture Collection” mit 17 internationalen Künstlern kollaboriert hatte. Bis zuletzt wurde es unter Verschluss gehalten – und enttäuschte dann, in eine wahllos zitiert wirkenden Kollektion: Von cleanen Cutout-Looks in Neonfarben, über sandfarbene Kleider, floralem Chiffon, schokoladenbraunen Roben, Streetstyle-Looks für Herren, bodenlangen Mänteln und Boudoir-Strümpfen, wirkte die Kollektion als wolle sie sagen: Hier ist für jeden was dabei – also das Gegenteil von dem, was eine Couture-Schau sollte. Einzig schien Valentino gute Looks der vergangenen Jahre zu zitieren. In ihrer Gesamtheit funktionierte das nicht.

Die Pariser Couture Week schließt mit einer Eröffnung: Nämlich die der Ausstellung zum sechzigjährigen Bestehen des Hauses Yves Saint Laurent. Die Kreationen des verstorbenen Modeschöpfers werden von dem Wochenende an in sechs großen Pariser Museen zusammen mit einigen der Kunstwerke, die sie inspiriert haben, ausgestellt: Das berühmte Mondrian-Kleid vor einem der Kompositions-Bilder des Malers im Centre Pompidou – dafür musste man schon auf das Jahr 2022 warten.

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