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Papstbesuch : Benedikt XVI. begeistert in München empfangen

  • Aktualisiert am

Benedikt XVI. grüßt aus dem Papmobil Bild: dap

Mit „Benedetto“-Rufen ist Papst Benedikt XVI. am Samstag zu seinem sechstägigen Besuch in Bayern empfangen worden. 70.000 Menschen begrüßten das Kirchenoberhaupt auf Münchner Straßen und Plätzen.

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          Mit Begeisterung und „Benedetto“-Rufen ist Papst Benedikt XVI. am Samstag zu seinem sechstägigen Besuch in Bayern empfangen worden. 70.000 Menschen begrüßten das Kirchenoberhaupt, Fähnchen schwenkend, auf Münchner Straßen und Plätzen.

          Das letzte Stück in die Innenstadt fuhr der Papst im Papamobil und winkte den Gläubigen an den Straßen zu. Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen hatte Joseph Ratzinger (79) zuvor an die Deutschen appelliert, sich aktiv an der Weitergabe der grundlegenden Werte des christlichen Glaubens zu beteiligen.

          Ermutigung für Deutschland

          „Mein Besuch in dem Land, in dem ich geboren wurde, möchte auch in diesem Sinne eine Ermutigung sein“, sagte der Papst. Unmittelbar nach dessen Ankunft am Airport läuteten in den katholischen Kirchen Münchens die Glocken.

          Papamobil im Fahnenmeer
          Papamobil im Fahnenmeer : Bild: dpa

          Er hoffe, daß auch künftige Generationen in Deutschland dem christlichen Erbe treu bleiben, „das durch alle Krisen der Geschichte hindurch standgehalten hat“, sagte der Papst in seiner kurzen Begrüßungsrede. Die Sondermaschine der Alitalia war um 15.22 Uhr bei strahlendem Sonnenschein, aber starkem Wind gelandet, um 15.34 Uhr verließ Benedikt die Maschine.

          „Uns verbindet doch so viel“

          Sein weißes Käppchen - den Pileolus - setzte er wegen des Windes erst nach Verlassen der Gangway auf. Bundespräsident Horst Köhler begrüßte den Papst mit militärischen Ehren. „Wir freuen uns sehr, daß Sie wieder bei uns sind“, sagte der Bundespräsident. „Willkommen in München, willkommen in Bayern, willkommen in Deutschland!“.

          Köhler äußerte in seiner Begrüßungsansprache den Wunsch nach Fortschritten in der Ökumene. Gerade in Deutschland als dem Land der Reformation wünschten viele katholische und evangelische Christen ein Vorankommen in der ökumenischen Verständigung, sagte der Bundespräsident. Als evangelischer Christ wolle er betonen: „Uns verbindet doch so viel mehr als uns trennt.“

          Empfang mit drei Salutschüssen

          In seiner Rede erwiderte der Papst, spontan vom Manuskript abweichend: „Sie sprechen mir aus dem Herzen. Auch wenn man 500 Jahre nicht mit einem Federstrich wegwischen kann: Wir werden uns mit Herz und Verstand darum mühen, daß wir zueinander kommen.“

          Allen Anwesenden auf dem Münchner Flughafen - darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, und die bayerischen Bischöfe - rief der Papst ein „herzliches Grüß Gott“ entgegen. Familien und Ehrenamtliche aus den katholischen Pfarreien winkten mit weiß-blauen Bayernfahnen und mit Tüchern in den Vatikan-Farben Weiß und Gelb. Die Tegernseer Gebirgsschützen, bei denen der Papst Ehrenmitglied ist, empfingen ihn mit drei Salutschüssen.

          „Mein Herz schlägt bayerisch“

          Köhler appellierte an alle Völker, Kulturen und Religionen, sich mit Respekt und gegenseitiger Achtung zu begegnen. Dies sei wichtiger denn je, weil immer wieder Menschen ihre Heimat verlassen müßten und sich so die Völker mehr als je zuvor vermischten. Der Bundespräsident warnte eindringlich davor, Religion und Glauben zu irdischen Zwecken zu instrumentalisieren - „dann stimmt etwas nicht. Und wenn sie gar als Rechtfertigung für Krieg, Terror und planmäßigem Mord benutzt werden, dann stimmt gar nichts mehr.“

          Am frühen Abend begrüßten Stoiber und der Münchner Erzbischof und Kardinal Friedrich Wetter den Heiligen Vater auf dem Marienplatz. Der Papst-Besuch werde in die Geschichte Bayerns eingehen und allen Gläubigen neue Impulse geben, sagte Stoiber. „Es berührt uns zutiefst in unserer Seele, wenn das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sagt: Mein Herz schlägt bayerisch.“

          Bewegt unter der Mariensäule

          Der Papst nannte es bewegend, vor der Mariensäule auf dem Marienplatz zu stehen. Dort habe er mit einem Gebet vor fast 30 Jahren seinen Dienst als Münchner Erzbischof begonnen, dort habe er sich mit einem Gebet verabschiedet, als er als Chef der Glaubenskongregation nach Rom ging. Und nun stehe er als Papst erneut für ein Gebet vor der Mariensäule, die als Ausdruck der altbayerischen Frömmigkeit gilt. „Und so stehe ich wieder zu Füßen der Mariensäule, um die Fürsprachen und den Segen der Gottesmutter zu erflehen.“

          Nach dem Gebet standen persönliche Gespräche mit Köhler, Merkel und Stoiber in der Münchner Residenz auf dem Programm. Höhepunkte der Papst-Reise unter dem Motto „Wer glaubt, ist nie allein“ sind zwei Gottesdienste unter freiem Himmel an diesem Sonntag in München und am Dienstag bei Regensburg, zu denen Hunderttausende Menschen erwartet werden. Weitere Stationen nach München sind bis Donnerstag der Marien-Wallfahrtsort Altötting, der Papst-Geburtsort Marktl am Inn, Regensburg und Freising.

          Für den Papstbesuch wurden massive Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Hubschrauber kreisten schon Stunden vor Eintreffen des Pontifex über der Innenstadt. 5000 Polizisten waren am Samstag im Einsatz. Nach Polizeiangaben waren rund 70 000 Menschen zum Marienplatz oder den Zufahrtsstrecken gekommen, um den Papst zu sehen. Dies sei schon weniger, als man erwartet habe, räumte ein Polizeisprecher ein.

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