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Papstbesuch : Apostolisch auf Heimaturlaub

  • -Aktualisiert am

Besuch in der Heimat: Papst Benedikt XVI. Bild: dpa

Papst Benedikt XVI. wird an diesem Samstag in München zu einem sechstägigen Besuch in seiner Heimat erwartet. Der Vatikan nennt den Besuch offiziell „Apostolische Reise“. Zu den Höhepunkten zählen zwei Papstmessen.

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          Heimaturlaub nimmt sich Papst Benedikt XVI., wenn er an diesem Samstag seine Sommerresidenz in Castel Gandolfo verläßt und nach Norden über die Alpen in sein geliebtes Bayern fliegt. „Apostolische Reise“ nennt es offiziell der Vatikan und gibt als Ziel nicht Deutschland an, nicht den Freistaat Bayern, sondern die Landeshauptstadt München, den Wallfahrtsort Altötting und die Universitätsstadt Regensburg (mit dem Häuschen des Professors Dr. theol. Joseph Ratzinger im Vorort Pentling und dem seines älteren Bruders Georg). Die große Glocke „Heimat“ soll ihn die sechs Tage mit ihrem Geläut begleiten.

          Wenn der Wirbel um den deutschen Papst, die obligaten Sicherheitsmaßnahmen und der Medienrummel nicht zu gründlich übertrieben werden, wird sich Benedikt an den Zwillingstürmen des Münchner Liebfrauendoms, an den Wiesen, Wäldern und Dörfern Oberbayerns mit ihren Zwiebelkirchtürmen und am Menschlichen in Regensburg erfreuen können.

          Begrüßungsparade

          Doch Joseph Ratzinger wäre nicht der weise Intellektuelle als Papst, mit einer gewissen Portion kluger List, wenn er mit der Beschränkung auf die Heimat nicht einen Plan, ein Programm dieser Reise verbände. In die Bilder aus Bayern soll sich zum Beispiel nichts „Preußisches“ drängen. Deshalb hat Benedikt alle Versuche, ihn in die Hauptstadt Berlin zum offiziellen Staatsbesuch zu locken, mit Begrüßungsparade und der einschüchternden Kulisse von Reichstag und Kanzleramt, auch auf mehrmaliges Drängen hin, von kirchlicher und staatlicher Seite, abgeschmettert (Siehe auch: Erinnerungen: Die Bändigung des Papstrummels).

          Die Souvenirshops haben Hochkonjunktur
          Die Souvenirshops haben Hochkonjunktur : Bild: dpa

          Der deutsche Papst, der Anfang Juni in die Konzentrationslager von Auschwitz ging und an der Stätte der schlimmsten deutschen Verbrechen sich dazu bekannte, mit allen Konsequenzen „ein Sohn des deutschen Volkes“ zu sein, der im August 2005 in Köln die katholische Weltjugend traf, vermeidet das ihm Fremde. Aber der Welt, die bei jeder Papstreise mit einer Vertretung von internationalen Journalisten dabei ist, sollen Bilder des bayerischen Deutschland gezeigt werden und - des Katholischen dort. So wie die früheren Bundeskanzler ihr Hamburger Reihenhaus oder Oggersheim-Ludwigshafen den Großen dieser Welt zeigten, führt Benedikt sein „Daheim“ vor. Etwas neugierig darf man also darauf sein, wie es ein am 16. April 1927 in dem kleinen Ort Marktl am Inn Geborener - nicht weit davon liegt auf der österreichischen Seite des Flusses das Städtchen Braunau, der Geburtsort Adolf Hitlers (am 20. April 1889) - zum Oberhaupt einer Weltkirche gebracht hat. Vor zehn Jahren beschrieb Joseph Kardinal Ratzinger selbst diese Heimat in einem knapp 200 Seiten schmalen Buch: „Aus meinem Leben. Erinnerungen (1927-1977)“.

          Stiller Lebensraum der deutschen Provinz

          Es ist die Beschreibung eines stillen Lebensraumes der deutschen Provinz - ganz ohne jenes Derb-Bayerische, das dem Kind, dem Studenten, dem jungen Priester, Professor und Erzbischof immer fremd war und blieb, wohl aber mit Dekorativ-Bayerischem versehen, mit Freude an Festen und Traditionen, mit Anhänglichkeit an Bewährtes. Liebevoll zeichnet der Kardinal diese kleine Welt, die „in einer festen Symbiose mit dem Glauben der Kirche zusammengefügt war“. So bestimmend war diese Verflechtung, und der junge Joseph fühlte sich darin so sicher-wohl, daß er zeit seines Theologenlebens bis heute eigentlich nur diese Symbiose zwischen Menschenleben und christlichem Glauben im Einklang mit der Kirche als Leitmotiv seiner Existenz darzulegen versucht. Da machte man sich keine skeptischen Gedanken über den Sinn eines Marienbildes, sondern wallfahrte gern nach Altötting, war mit Freude katholisch.

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