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Papst auf den Philippinen : Franziskus’ Triumphzug

Papst Franziskus am Sonntag inmitten von Gläubigen in Manila. Bild: Reuters

Die volksfrommen Philippiner und der Volkspapst passen perfekt zusammen. Während seines Besuchs auf den Philippinen wurde Franziskus stets von kreischenden Menschen begleitet. Der Höhepunkt: Die größte katholische Versammlung aller Zeiten.

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          Überall wo der Papst auf den Philippinen hinkam, liefen die Menschen kreischend und winkend auf sein weißes Gefährt zu, das diesmal einem typischen philippinischen „Jeepney“ nachempfunden war, einer Kreuzung zwischen einem amerikanischen Armeejeep und einem Kleinbus. Schon zu Beginn der Reise am Donnerstag war klar geworden, dass die volksfrommen Philippiner und der Volkspapst perfekt zueinander zu passen. Trotz einiger Widrigkeiten wurde der Besuch zu einem Triumphzug.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Höhepunkt war am Sonntag die Papstmesse mit mehreren Millionen Teilnehmern im Rizal Park von Manila. Der Veranstaltung war zuvor das Potential zugesprochen worden, die größte katholische Versammlung der Geschichte zu werden, größer noch als die Messe, die Papst Johannes Paul II. zum katholischen Weltjugendtag am selben Ort gefeiert hatte. Und tatsächlich: Obwohl es am Sonntag in Strömen regnete, nahm die Rekordzahl von sechs Millionen Menschen teil.

          Es waren gewaltige Menschenmengen, die über viele Stunden trotz des Regens auf den Papst gewartet hatten, entweder am Straßenrand oder vor den Eingängen des Parks, die für die meisten am Morgen um sechs Uhr geöffnet worden waren, mehr als neun Stunden vor dem planmäßigen Beginn der Messe. „Wir haben seit zwei Uhr nachts hier gewartet“, sagte Lorenzo Tirad, einer der Gläubigen, die bei der Ankunft des Papstes in der Menschenmenge mit seiner Familie an den Gitterzaun gerannt war. „Doch als ich ihn sah, war ich nicht mehr müde“, sagte der 34 Jahre alte Familienvater. Leider war es nicht sein einjähriger Sohn gewesen, der den segnenden Kuss des Papstes bekam, sondern ein anderes Kleinkind. Dessen Mutter war daraufhin laut schluchzend auf einen Stuhl gesunken.

          Der junge Familienvater bezeichnete sich selbst als einen der Armen, denen der besondere Einsatz des „Volkspapstes“ Franziskus gilt, und die etwa ein Viertel der philippinischen Bevölkerung ausmachen. Er habe im vergangenen Jahr seinen Job verloren und versuche nun, seine Familie mit einem kleinen Laden über Wasser zu halten, den er von Zuhause aus betreibe, sagte der Mann. Das sei auch ein Grund, warum er zu der Messe mit dem Papst gepilgert sei: Er wolle für eine neue Arbeitsstelle beten. Außerdem wolle er seinen Sohn zu einem guten Christen erziehen.

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          Das Schicksal der Kinder war auch eines der zentralen Themen der Predigt, die Papst Franziskus am Sonntag vor dem Millionenpublikum hielt. „Wir müssen uns um unsere jungen Menschen kümmern und nicht zulassen, dass sie ihrer Hoffnung beraubt und dazu verurteilt werden, auf der Straße zu leben“, sagte der Papst. Der Sonntag war auf den Philippinen auch der Festtag des Santo Niño, der zu Ehren einer kindlichen Jesusstatue gefeiert wird. Ein spanischer Eroberer hatte sie im Jahr 1565 in Cebu gefunden. Die Gläubigen waren deshalb aufgefordert worden, Statuen der jungen Jesusfigur zu der Messe in den Park mitzubringen. Zu Zigtausenden hielten sie die bunten und reich verzierten Bildnisse über ihre Köpfe. „Der kindliche Jesus ist der Schutzherr dieses großartigen Landes“, sagte Franziskus.

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