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Panzer aus Papier : Wir falten uns einen Panzer für das Kunstgefecht

Weißer Leopard: So soll der Faltpanzer am Ende vor dem Museum stehen Bild: Denys Bury

Origami für Fortgeschrittene: Mit ihrem Panzer aus Papier bereichern Frank Bölter und Soldaten der Bundeswehr das Militärhistorische Museum in Dresden um ein besonderes Exponat.

          Aus dem Geschützrohr dieses Panzers wird nie ein Schuss fallen. Diese Ketten werden auch nie rasseln, denn der Panzer ist aus Papier gefaltet und Kunst. Die Idee dazu stammt von Frank Bölter, Jahrgang 1969, Absolvent der Kunstakademie Münster, heute in Köln beheimatet. Bölter war mit seinem originellen Papierschiff schon auf den Seen und Flüssen unterwegs, stellte eine Kopie des Athener Parthenons aus Pappe 2009 in die damaligen Kulturhauptstadt Linz, wo sie ein Sturm sogleich zerstörte, und errichtete im selben Jahr eine Papiermauer in Belgrad - zwanzig Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Sein neues Projekt „LEOrigamiPARD III“ wird von der Kulturstiftung des Bundes in deren Programm „Über Lebenskunst“ gefördert.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Am kommenden Montag wird der Papierpanzer von Bundeswehrsoldaten unter fachlicher Anleitung des Vereins „Origami Deutschland“ vor dem Militärhistorischen Museum in Dresden aufgestellt und fünf Tage später bei der Museumsnacht in der sächsischen Hauptstadt der Öffentlichkeit präsentiert. Die Aktion Bölters begann im Dezember 2010, als der Künstler sich an die 1. Panzerdivision der Bundeswehr in Hannover wendete mit dem Vorschlag, einen originalgroßen Panzer aus Papier zu falten. Und zwar in der Art des fernöstlichen Kunsthandwerks Origami, bei dem aus zumeist quadratischem Papier dreidimensionale Objekte gefaltet werden, ohne dass Schere und Klebstoff dabei verwendet werden dürfen.

          „Befehl zur Durchführung der Faltübung“

          Papierflieger hat vermutlich jeder schon einmal durch den Klassenraum fliegen lassen. Bekannt sind auch die gefalteten Kraniche, die als Friedenssymbole im Gedenken an den Atombombenabwurf auf Hiroshima zu jedem Jahrestag am Mahnmal dort abgelegt werde. Aber ein Panzer? Im Januar 2011 jedenfalls war Bölter im Bundesministerium für Verteidigung im Bendlerblock in Berlin und stellte seine Idee vor. Das Ministerium „erließ im Anschluss einen Befehl zur Durchführung der Faltübung mit Soldaten der Bundeswehr“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Allerdings ginge es dann doch noch eine Weile hin und her.

          Der „Origami-Workshop“ fand dann mit Soldaten hinter den Mauern der Julius-Leber-Kaserne in Berlin-Reinickendorf statt - und nicht, wie vom Künstler beabsichtigt, öffentlich. Er fiel ausgerechnet in die Zeit, als über Lieferungen des „Leopard 2“ an Saudi-Arabien diskutiert wurde. Bölter sieht in der Aktion ein „Gefecht mit den Waffen künstlerischer Originalität und gestalterischem Erfindungsreichtum“, „eine ungewohnte Allianz zwischen Militär und Kunst“, aber auch eine Form, die „Soldaten der Bundeswehr zu Bildhauern“ zu machen. Bölter ist zufrieden mit dem Ergebnis. So habe sich, sagt er, „militärisches Kräftemessen in das Feld der zeitgenössischen Kunst“ verlagert.

          Volles Rohr: Die Truppe kämpft mit dem papierenen Geschützturm

          Was die Bundeswehr allerdings nicht wusste: Bölter faltete einen zweiten Panzer, „Peacemaker“ genannt, zusammen mit Flüchtlingen aus Somalia, Afghanistan, Iran und Irak in der alten „Desinfectionsanstalt“ in Berlin-Kreuzberg. Das sei die „tiefere Dimension des Projektes“, sagt Bölter. Jedoch: Nachbarn beschwerten sich, die Müllentsorgung kam und entfernte den Papierpanzer.

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